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Salzburg (ots) - Moderne Technologie im Einsatz für Erhalt historischer
Bausubstanz/- Innovatives Forschungsprojekt verbindet Denkmalpflege, Handwerk,
computergestützte Fertigung und Nachhaltigkeit
Seit 2017 wird an der Konservierung und Restaurierung der Fürstenzimmer auf der
Festung Hohensalzburg gearbeitet. Um Fehlstellen in der Holzvertäfelung der
prachtvollen Goldenen Stube möglichst originalgetreu und materialschonend
wiederherstellen zu können, haben die Salzburger Burgen und Schlösser, die
Projektentwickler BAUKULTUR2, die Fachhochschule Salzburg und das
Bundesdenkmalamt in enger Zusammenarbeit ein einzigartiges und innovatives
Verfahren entwickelt und realisiert: Mithilfe von 3D-Scanning-Technologie,
computergestützter Fertigung und nachhaltiger Holzfaser-Verbundmaterialien
konnten die Schäden ohne zusätzliche Eingriffe in die historisch wertvolle
Substanz behoben werden. Nachdem die 3D-gedruckten Inlays dank restauratorischer
Handarbeit präzise eingesetzt wurden, erstrahlt die Goldene Stube wieder in
"neuem, altem" Glanz.
Die Festung Hohensalzburg aus dem 11. Jahrhundert ist das Wahrzeichen im Herzen
der Salzburger Altstadt. Mit rund 1,5 Millionen Besuchern im Jahr 2025 zählt sie
zu den bestbesuchten Sehenswürdigkeiten Österreichs. Seit dem Jahr 2017 wird
intensiv an der Konservierung und Restaurierung der prachtvollen gotischen
Fürstenzimmer, die mit Goldenem Saal, Goldener Stube und Schlafstube ein
weltweit einzigartiges Prunkraum-Ensemble darstellen, gearbeitet. Im Zuge der
Restaurierung der Goldenen Stube wurden neben zahlreichen Arbeiten an
Wandflächen, Schnitzereien, Skulpturen und Zierrat zwei Fehlstellen in den
Holzvertäfelungen festgestellt. Allerdings erwies sich keines der bisher
bekannten Restaurierungsverfahren als ideal, um diese Schäden zu beheben.
"Da es eine unserer zentralen Aufgaben ist, die Salzburger Burgen und Schlösser
als bedeutende Denkmäler nachhaltig zu bewahren, haben wir beschlossen, neue und
kreative Wege mit zukunftsorientierten Partnern und Behörden zu beschreiten und
auf innovative Technologien zu setzen", so Maximilian Brunner, Geschäftsführer
der Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung.
Auch Markus Mackinger vom Baumanagement der Salzburger Burgen und Schlösser
betont: "Das Baumanagement bei den Salzburger Burgen und Schlösser erfordert
eine Leidenschaft für das Handwerk und historisch bewährte Baumethoden.
Gleichzeitig geht es darum, neue Ideen zu entwickeln und moderne Lösungen zu
finden, die zum einen den historischen Bestand berücksichtigen, aber auch die
heutigen technologischen Möglichkeiten mitbedenken."
Von der Idee zur konkreten Anwendung
Ende März 2025 fanden die ersten Gespräche zwischen den Salzburger Burgen und
Schlössern, dem Projektentwicklungsbüro BAUKULTUR2 und der FH Salzburg statt. Im
Rahmen des FH-Projekts EDIH innovATE wurde nach möglichen
Digitalisierungsanwendungen für die Restaurierung der Holzvertäfelung in der
Goldenen Stube gesucht. Als praktischer Use Case diente eine Machbarkeitsstudie
zur Restaurierung von Fehlstellen in historischen Gebäuden. Nach den ersten
Untersuchungen übernahm das SCSM 2.0, das Salzburg Center for Smart Materials,
Entwicklung und Umsetzung des Projekts.
Präzise Restaurierung durch digitale Zwillinge
Am Department Design and Green Engineering der FH Salzburg wurde das Projekt
schließlich in Kooperation mit BAUKULTUR2 praktisch umgesetzt: In einem ersten
Schritt wurde die Fehlstelle in der Holzvertäfelung der Goldenen Stube mit einem
mobilen 3D-Scanner zerstörungsfrei und millimetergenau erfasst. Dabei entstand
ein virtuelles Abbild der Fehlstelle: Auf Basis dieser Daten wurde ein digitales
Positivmodell - ein sogenannter digitaler Zwilling - erzeugt, die Grundlage, um
ein passgenaues Inlay fertigen zu können.
Vision: Holz drucken für die Denkmalpflege
Hergestellt wurde das Inlay mittels FDM-3D-Druck (Fused Deposition Modelling)
aus einem eigens entwickelten Filament aus nachhaltigen, biobasierten
Materialien, darunter natürliche Holzfasern und ein grünes thermoplastisches
Bindemittel. Die dabei verwendeten Werkstoffe stammen überwiegend aus
Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft. Durch die natürlichen Fasern weist
das Material hygroskopische Eigenschaften auf und reagiert ähnlich wie massives
Holz auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit. So entstanden aus den digitalen
Zwillingen Inlays aus nachhaltigen Materialien, die sich exakt in die bestehende
historische Holzoberflächen einfügen würden.
Leiter des Projekts an der FH Salzburg war Stefan Kain, der sich auf den Einsatz
biogener Materialien im 3D-Druck spezialisiert hat. "Unser Ziel war es, digitale
Technologien so in die Restaurierung zu integrieren, dass sie den Werkstoff und
das historische Original respektieren. Durch nachhaltige Materialien und präzise
3D-Druckverfahren eröffnen sich neue Wege, Kulturgüter beschädigungsfrei und
ressourcenschonend zu erhalten", so Kain.
"Aus einer spontanen Idee - nämlich 'Holz zu drucken' - ist ein neuartiger
Ansatz zur Ergänzung von Fehlstellen in historischen Holzausstattungen
entstanden. Das Projekt vereint Handwerk, Forschung, Technologien sowie
Denkmalpflege und eröffnet neue unterstützende Wege in der Holzrestaurierung",
ergänzt Thomas Trattner, Geschäftsführer und Miteigentümer der BAUKULTUR2 GmbH.
Traditionelles Handwerk trifft modernste Technologie
Abschließend wurde das digital erstellte und 3D-gedruckte Inlay in klassischer
restauratorischer Handarbeit bearbeitet: "Im Rahmen der materialtechnischen
Erprobung des 3D-gedruckten Holzfaser-Verbundmaterials konnten wir reversible
Verklebungen sowie Methoden zur Oberflächenbearbeitung und Retusche testen.
Durch thermische Strukturierung und farbliche Anpassung konnten wir das Inlay
optisch perfekt in das historische Umfeld einbinden. Oder anders gesagt: Das war
ein beispielhaftes Projekt dafür, wie digitale Fertigungstechniken mit
restauratorischen Anforderungen an Materialverträglichkeit und Reversibilität
perfekt verbunden werden können", erklärt Restauratorin der Salzburger Burgen &
Schlösser, Florentina Woschitz.
Beispielhaftes Projekt für Denkmalschutz
Seit vielen Jahren begleiten das Landeskonservatorat für Salzburg und die
Abteilung für Konservierung und Restaurierung in enger Zusammenarbeit mit der
Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung die Restaurierung der
Fürstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg nach den aktuellen Standards der
Konservierung und Restaurierung. Auch das 3D-Projekt hat das Bundesdenkmalamt
von Beginn an intensiv begleitet und die neuartige Technologie hinsichtlich der
Einhaltung der aktuellen Standards in der Restauriertechnik überprüft.
"Die Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen an der Holzausstattung der
Goldenen Stube zielten auf ein gepflegtes, ästhetisch überzeugendes
Erscheinungsbild ab, das den Alterswert und die historische Authentizität
respektiert und sichtbar macht. Für zwei optisch störende Fehlstellen
entwickelte die BAUKULTUR2 gemeinsam mit der FH Salzburg am Campus Kuchl ein
innovatives Verfahren zur Herstellung passgenauer Inlays - ohne zusätzlichen
Verlust historischer Substanz. Nach handwerklich hervorragend ausgeführter
Retusche erfüllen die Ergänzungen sämtliche denkmalfachlichen Anforderungen.
Hier begegnen sich modernste 3D-Technologie, traditionelles Handwerk und
jahrhundertealtes Kulturerbe", so Eva Hody, Landeskonservatorin Salzburg.
Im Rahmen dieses innovativen und bisher einzigartigen Projekts hat sich nun
gezeigt, dass die neue Methodik im Bereich der Denkmalpflege entscheidende
Vorteile hat: Während bei klassischen Restaurierungsverfahren beschädigte
Bereiche für passgenaue Ergänzungen oftmals erweitert werden müssen, ermöglicht
die digitale Fertigung eine exakte Rekonstruktion selbst komplexester
Fehlstellen - ohne zusätzlichen Verlust historischer Substanz. Damit steht die
Festung Hohensalzburg beispielhaft für eine neue Form der Restaurierung -
präzise, nachhaltig und respektvoll gegenüber der Objektgeschichte.
Pressekontakt:
Salzburger Burgen & Schlösser
Birgit Meixner
Telefon: +43662846181
E-Mail: mailto:meixner@salzburg-burgen.at
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/179852/6287447
OTS: Salzburger Burgen und Schlösser
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