|
Berlin (ots) -
- Gaskonzern One-Dyas plant weitere Förderplattform in der Nordsee - trotz
maximaler Naturrisiken und minimaler Gasmengen
- Erstmals drohen Bohrungen durch deutsches Meeresschutzgebiet: DUH warnt vor
massiver Gefährdung für Schweinswale, Robben und einzigartige Steinriffe
- Fadenscheinige Aufteilung des Projektes, um umfassende
Umweltverträglichkeitsprüfung zu umgehen: DUH reicht Einwendung ein
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht rechtlich gegen Pläne des niederländischen
Konzerns One-Dyas für eine weitere Gasplattform in der Nordsee vor Borkum vor.
Mit der geplanten Plattform N04-A soll ein neues Gasfeld in direkter räumlicher
und technischer Verbindung zur umstrittenen bestehenden Plattform N05-A
erschlossen werden. Die DUH fordert die zuständigen Behörden in einer Einwendung
auf, die neue Plattform nicht als isoliertes Einzelprojekt zu behandeln, sondern
als Erweiterung des gesamten Gasförderkomplexes "Gateway to the Ems". Das würde
One-Dyas zu einer neuen und vollständigen Prüfung der Umweltfolgen verpflichten.
Das geplante Projekt greift in ein ökologisch hochsensibles Gebiet in
unmittelbarer Nähe zum deutschen Natura-2000-Gebiet Borkum Riffgrund sowie zum
Gebiet Borkumse Stenen ein, für das ebenso die Ausweisung als Natura-2000-Gebiet
beantragt ist. Die DUH warnt vor einer massiven Belastung deutscher
Meeresschutzgebiete und der Zerstörung einzigartiger Steinriffe vor Borkum.
Streng geschützte Arten wie Robben und Schweinswale würden durch
Schwermetall-belastetes Produktionswasser gefährdet, das One-Dyas direkt neben
dem Schutzgebiet ins Meer entsorgen will. Auch der geplante Standort am Rand
einer Hauptschifffahrtsroute ist aus Sicht der DUH hoch riskant.
Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer: "One-Dyas will ein weiteres
fossiles Projekt in einem der sensibelsten Meeresgebiete der Nordsee
vorantreiben - diesmal nur 650 Meter vom deutschen Meeresschutzgebiet Borkum
Riffgrund entfernt und mit Bohrungen durch dessen Untergrund. Schweinswale,
Robben und einzigartige Steinriffe sollen gefährdet werden für die Förderung
geringfügiger Mengen Gas. Wir fordern die Genehmigungsbehörden auf deutscher und
niederländischer Seite auf, dieser unnötigen Plattform eine klare Absage zu
erteilen."
Die DUH kritisiert zudem, dass das Projekt nur einen minimalen Beitrag für die
Versorgungssicherheit leisten würde. Selbst in dem Szenario mit der höchsten
Förderrate könnten rechnerisch gerade einmal rund 0,2 Prozent des aktuellen
deutschen Gasverbrauchs pro Jahr gedeckt werden. Noch nicht eingerechnet ist
dabei die minderwertige Qualität des Gases: Nach Angaben des Konzerns ist die
Energiedichte des Gases so gering, dass es gar nicht mehr als Erdgas bezeichnet
werden kann.
Constantin Zerger, DUH-Leiter Energie und Klimaschutz: "Neue Gasbohrungen vor
Borkum sind klimapolitisch eine Farce und energiepolitisch nicht zu
rechtfertigen. Es geht hier um minimale Mengen, maximale Naturrisiken und einen
neuen fossilen Lock-in. Die Öffentlichkeit hat keinerlei Interesse an der
Erschließung weiterer fossiler Gasfelder, sondern daran, die 1,5-Grad-Grenze
einzuhalten, den Gasverbrauch zu senken und unsere Riffe, Robben und
Schweinswale in der Nordsee zu beschützen."
Hintergrund:
Eine niederländische Behörde hat erst kürzlich festgestellt, dass die Umsetzung
aller geplanten Industrieprojekte die Schweinswalpopulation auf dem
niederländischen Kontinentalschelf um 3,3 Prozent verringern würde - das
entspricht 2.080 getöteten Schweinswalen. Zusätzlich zum physischen
Habitatverlust durch Plattform, Leitungen und Eingriffe in den Meeresboden droht
ein funktionaler Verlust der Habitate: Gebiete bleiben zwar räumlich vorhanden,
werden aber durch Lärm, Stress, Ausweichverhalten und wiederholte Störungen für
Meeressäuger faktisch unbrauchbar.
Link:
Stellungnahme der DUH und Karten des Projekts: https://l.duh.de/pm260608
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mailto:mueller-kraenner@duh.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, mailto:presse@duh.de
http://www.duh.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/22521/6289546
OTS: Deutsche Umwelthilfe e.V.
|