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Stuttgart (ots) - Die deutschen Mobilfunkanbieter sehnen sich schon lange nach
einem rationaleren werthaltigen Markt. Sprich: Die aufreibenden Preiskämpfe der
vergangenen Jahre sollen endlich zurückgefahren werden und die bestehenden
Kundenverhältnisse besser monetarisiert werden. Darüber hinaus setzen hohe
Ausbaukosten und eine steigende Inflation die Netzbetreiber zunehmend unter
Druck.
An einen Alleingang einzelner Akteure war jedoch bisher nicht zu denken. Für
eine nachhaltige Anpassung des Preisniveaus hätte die gesamte Branche mitziehen
müssen. Vor allem die aggressive Preispolitik von Telefónica Deutschland galt in
der Branche als entscheidendes Hindernis. Doch nun kommt Bewegung in den
deutschen Mobilfunkmarkt.
Netzbetreiber machen Einstiegstarife unattraktiver
Im März 2026 gab Telefónica Deutschland bekannt, sämtliche
Neukunden-Vergünstigungen für Tarife mit Monatsgebühren unter 20 Euro zu
streichen. Anfang April hat auch 1&1 bei seinen günstigsten Tarifen Hand
angelegt und das enthaltene Datenvolumen deutlich reduziert.
Statt Preiserhöhungen über ihr gesamtes Portfolio hinweg durchzuführen, setzen
die Anbieter zunächst also bei den niedrigpreisigen Einstiegsangeboten an. Die
Stoßrichtung ist klar: Verbraucher sollen nach Möglichkeit zur Buchung von
höherwertigen Tarifen bewegt werden.
Preissteigerungen erfolgen dabei häufig indirekt. Während die Listenpreise
unangetastet bleiben, werden Neukundenvorteile zusammengestrichen oder
Tarifleistungen eingedampft. Unterm Strich müssen Kunden dadurch jedoch mehr
Geld ausgeben.
"Für Verbraucher wird der Mobilfunkmarkt dadurch unübersichtlicher. Die
monatliche Grundgebühr bleibt oft gleich, gleichzeitig fallen Rabatte weg oder
das Datenvolumen sinkt. Entscheidend ist deshalb nicht allein der Listenpreis,
sondern der tatsächliche Gegenwert über die gesamte Vertragslaufzeit", sagt
SMARTWEB-Experte Ingo Hassa.
Kombi-Angebote: Hier bleiben die Anbieter weiter großzügig
All das heißt jedoch nicht, dass die großen Mobilfunkprovider nicht weiterhin
mit attraktiven Einsparmöglichkeiten locken, diese verlagern sich jedoch
zunehmend in Mehrwert-Vertragsmodelle. Ein Beispiel sind die derzeit enorm
erfolgreichen Partnerkarten-Angebote, mit denen Kunden ihren Hauptvertrag teils
sehr günstig um zusätzliche SIM-Karten erweitern können.
Dafür nehmen die Anbieter auch in Kauf, dass der durchschnittliche monatliche
Umsatz pro Vertrag aktuell deutlich zurückgeht. Denn die Vorteile überwiegen:
Sowohl die bestehenden Kunden als auch die neu hinzugewonnenen Partner-Kunden
werden in diesem Modell stärker in das eigene Ökosystem integriert. Das erhöht
die Kundenbindung und erleichtert zugleich die Vermarktung weiterer
Zusatzprodukte innerhalb der Kundenbasis.
"Partnerkarten und Kombiverträge können weiterhin echte Preisvorteile bringen,
binden Kunden aber auch stärker an einen einzelnen Anbieter. Verbraucher sollten
deshalb genau prüfen, ob sie die zusätzlichen Leistungen wirklich brauchen - und
ob das Paket auch nach Ablauf möglicher Aktionsvorteile noch attraktiv bleibt",
ordnet SMARTWEB-Redakteur Ingo Hassa die Entwicklung ein.
Mobilfunkanbieter wollen Vollversorger werden
Der Ansatz der Mobilfunkanbieter, die eigene Kundschaft in immer höherwertige
Tarife zu überführen, geht allerdings schon längst weit über reine
Mobilfunkleistungen hinaus. Denn idealerweise sollen die Kunden ihren
Mobilfunkvertrag direkt mit einem Festnetzanschluss und weiteren Angeboten
kombinieren.
Die Deutsche Telekom konnte mit ihren Magenta EINS Kombi-Angeboten bereits früh
Erfolge feiern und kann die mit Abstand größte Zahl an konvergenten
Kundenverträgen vorweisen. Die Mitbewerber hängen hier noch zurück, haben sich
das Thema nun aber ebenfalls ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Zumal sich ihnen
mit der steigenden Popularität von Internetfernsehen und Streaming-Angeboten ein
weiteres Einfallstor bietet.
Ein besonders deutliches Ausrufezeichen möchte diese Woche Telefónica
Deutschland setzen. Am 10. Juni startet der Anbieter unter dem Namen "o2 Mobile
Plus" ein neues Mobilfunk-Portfolio, das konsequent auf den Ausbau zu größeren
Bundles mit Festnetz- und Entertainment-Leistungen ausgerichtet ist. In diesem
Zug soll auch die Kernmarke o2 grundlegend umpositioniert werden. Statt in
erster Linie als Mobilfunkanbieter wahrgenommen zu werden, will sich o2 künftig
als Kombi-Anbieter für den digitalen Haushalt präsentieren.
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