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Jena (ots) - Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht an einem Wendepunkt.
Immer höhere Ausgaben zwingen zu immer rigideren Sparmaßnahmen. Gleichzeitig
wird die Gesellschaft immer kränker. Es ist an der Zeit von einer "Verwaltung
der Erkrankungen" zu einer Prävention zu kommen. Welche Rolle dabei Sport und
Bewegung spielen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Deutschland
wieder fit zu machen - darüber referiert Prof. Dr. Martin Engelhardt, Chefarzt
für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Osnabrück auf dem 41.
Jahreskongress der GOTS vom 11. bis 13. Juni in Osnabrück.
Zahlen und Fakten sprechen für sich: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland
betragen inzwischen über 500 Milliarden Euro pro Jahr (>12% BIP). Die Kosten
durch Tabakkonsum 97 Milliarden Euro, für Adipositas 63 Milliarden Euro. 80
Prozent der Krankheiten sind Zivilisationserkrankungen. Bewegungsmangel und
körperliche Inaktivität sind vierthäufigster Risikofaktor für globale
Mortalität.
Übergewicht und Bewegungsmangel
Im Public Health Index 2025 (vergleicht Umsetzungsgrad wissenschaftlich
empfohlener Präventionsprogramme) belegt Deutschland Rang 17 von 18 Ländern
Nord- und Zentral-Europas. Nur 26-29 % der Erwachsenen erfüllen die
WHO-Empfehlungen von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Beim UNICEF
"Kinderwohl-Index" belegt Deutschland Platz 25 von 43 OECD- und EU-Ländern.
Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher zwischen 11 und 17 Jahren
liegt bei rund 38 Prozent, wovon rund 20 Prozent sogar adipös sind. Bei
Erwachsenen leiden 50 Prozent an Übergewicht, 19 Prozent sind adipös
"Dies ist ein zentraler Risikofaktor für chronische Erkrankungen
(Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartige Tumore) und schwererer
Infektionsverläufe", so Prof. Martin Engelhardt.
Und weiter: "Deutschland wird zukünftig die Kosten für das Gesundheitssystem in
Höhe von 500 Milliarden Euro nicht mehr ausgeben können. Die Profiteure des
bisherigen Systems werden weiter versuchen an kranken Menschen zu verdienen. Die
sogenannte "Krankenhausstrukturreform" wird bei gleichbleibender Ausrichtung des
Systems als Sozialabbau für den Bürger zu Leistungseinbußen führen."
Vision " Deutschland wieder fit machen "
Die GOTS plädiert daher für eine Änderung der Ausrichtung von einer rein
kurativen zu einer präventiven Medizin. Sinnvolle Maßnahmen dafür sind:
- Schaffung von Gesundheitskompetenz in der Schule durch Einführung des Faches
"Gesundheit" (Gesundheits-Aufklärung, gesunde Ernährung, Motivation zum
lebenslangen Sporttreiben).
- Schaffung einer Umgebung, die das Gehen, Radfahren und aktives Unterwegssein
im Alltag einfach und selbstverständlich macht.
- Steuern auf Nikotin und Alkohol erhöhen und bei Zucker einführen. Umfassende
Werbebeschränkungen bei Alkohol, Tabak und zuckerhaltigen Getränken
- Politische Maßnahmen, für eine Chancengleichheit alle Kinder.
- 60 Minuten qualifizierter Sportunterricht pro Tag, verbindlich durch
gesetzliche Festlegung.
Die GOTS fordert eine Aufnahme von sportlichen Leistungsanforderungen in die
Schulpläne, die Vorhaltung und Weiterentwicklung von Sportstätten und
ungehinderten Zugang zu diesen, eine kompetente Ausbildung und adäquate
Bezahlung von Sportlehrern und Trainern. Weiterhin braucht es eine Akzeptanz des
Leistungssports und Unterstützung für Sportler(innen) außerhalb der Eliteschulen
des Sports und an den Universitäten.
Damit dies erreicht werden kann, ist ein politischer Wille parteiübergreifend
erforderlich.
Mehr spannende Themen vom 41. GOTS-Kongress
(https://gots-kongress.org/programm/)
Pressekontakt:
GOTS Pressestelle
mailto:presse@gots.org
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/126014/6290024
OTS: Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin
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