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Berlin (ots) - Trotz gesetzlicher Verbote und unternehmerischer
Sorgfaltspflichten bleibt Kinderarbeit ein strukturelles Risiko in globalen
Lieferketten. Der zunehmende wirtschaftliche Druck verschärft die Situation
zusätzlich. Neue Analysen (https://www.savethechildren.de/fileadmin/user_upload/
Downloads_Dokumente/CPF/save-the-children-kinderrechtsrisiken-globale-lieferkett
en-2026.pdf) von Save the Children und der Partnerorganisation The Centre for
Child Rights and Business zeigen, dass in fast 70 Prozent der untersuchten
Lieferketten Kinderarbeit direkt vorkommt.
"Was wir in Analysen vor Ort sehen, widerspricht vielen gängigen Annahmen von
Unternehmen: Kinderarbeit entsteht nicht am Rand von Lieferketten - sie ist oft
eine direkte Folge von Einkaufspraktiken und vermeintlich funktionierenden
Strukturen", sagt Anne Reiner, Expertin für Kinderrechte in Lieferketten bei
Save the Children Deutschland. "Unser neuer Bericht zeigt, warum viele Maßnahmen
ins Leere laufen und was Unternehmen konkret anders machen müssen, um Kinder
wirklich zu schützen."
Die Erkenntnisse basieren auf 16 Risikoanalysen in neun Ländern, die zwischen
2023 und 2025 durchgeführt wurden, sowie den Ergebnissen der Studie
"Kinderrechtsrisiken in globalen Lieferketten: Warum ein Null-Toleranz-Ansatz
nicht genug ist" aus dem Jahr 2023. In elf der 16 neuen Analysen wurde
Kinderarbeit nachgewiesen und in den restlichen ein hohes Risiko dafür
verzeichnet. Zusammen mit rund 1.300 von Save the Children und The Centre
begleiteten Fällen von Kinderarbeit wird deutlich: Das Risiko für Kinderarbeit
ist sektorübergreifend weiterhin allgegenwärtig und häufig in informellen,
weniger sichtbaren Ebenen der Lieferketten verborgen.
Maßnahmen gegen Kinderarbeit können das Problem in Teilen sogar verschärfen.
Während Verbote bei direkten Zulieferern greifen, verlagert sich das Risiko
häufig in die tieferen, weniger sichtbaren Ebenen der Lieferketten. Ein Grund
dafür sind pauschale Nulltoleranzansätze großer Unternehmen: Ihre Lieferanten
schließen oft alle unter 18-Jährigen aus, auch dort, wo Jugendliche legal
arbeiten dürften. Dadurch verlieren sie den Zugang zu vergleichsweise sicheren
Arbeitsplätzen und werden in informelle Bereiche ohne Schutz und faire Bezahlung
gedrängt.
Wie drastisch die Realität hinter diesen Strukturen ist, zeigt ein Beispiel aus
Pakistan: Ein 17-jähriger Junge berichtet, dass er Tag für Tag PET-Abfälle im
informellen Recyclingsektor sortiert. "Wir fangen um 7 Uhr morgens an und
sammeln bis 18 Uhr Müll", sagt er. "Einige werden von der Deponie krank, aber
sie kommen zurück, weil es keine andere Arbeit gibt." In Pakistan fördert die
gestiegene Nachfrage nach recycelten Materialien ungewollt die Arbeit in diesem
Sektor. Hier sammeln Kinder schon vor ihrem sechsten Lebensjahr scharfkantige,
kontaminierte PET-Abfälle, um über die Runden zu kommen. Vor allem in der heißen
Jahreszeit, wenn sich die Bakterien in den Müllbergen besonders schnell
ausbreiten, sind die Kinder gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt.
Was Kinder zur Arbeit drängt, sind insbesondere strukturelle Ursachen wie
niedrige und unsichere Löhne und Einkommen, steigende Lebenshaltungskosten und
fehlende soziale Absicherung. Auch die Folgen der Klimakrise verstärken den
Druck, wenn etwa Ernten ausfallen. Ein zentrales Problem ist die in der Analyse
festgestellte Lücke zwischen gesetzlichen Mindestlöhnen und tatsächlich
existenzsichernden Löhnen. Arbeitsverhältnisse können auf dem Papier den
Mindestlohn erfüllen, reichen aber oft nicht aus, um Familien zu ernähren.
Dadurch entsteht in Kontrollberichten ein falsch positives Bild, während das
Risiko für Kinderarbeit weiterbesteht.
"Unternehmen dürfen Kinderarbeit nicht nur dort bekämpfen, wo sie sichtbar ist,
sondern müssen Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette zeigen. Die
bestehenden Lieferkettengesetze reichen hier bei Weitem nicht aus, vor allem
aber ihre Umsetzung durch Unternehmen", sagt Anne Reiner. "Wer Kinder wirklich
schützen will, muss bei den Ursachen gegensteuern: mit fairen Einkaufspreisen,
die existenzsichernde Einkommen ermöglichen, sowie durch Unterstützung bei der
Schaffung sicherer Arbeitsplätze und Transparenz entlang der gesamten
Lieferkette. So können Unternehmen Einfluss nehmen, der Kinder schützt und ihre
Rechte bewahrt."
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und
Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und
Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte
unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 120 Ländern tätig. Save
the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen.
Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und
sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit
über 100 Jahren.
Pressekontakt:
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