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"nd.DerTag": Opfer eines unsinnigen Krieges - Kommentar zur Übereinkunft zwischen USA und Iran

15.06.2026 20:35 Uhr nd.DerTag / nd.DieWoche

Berlin (ots) - Eine Vereinbarung liegt nun endlich auf dem Tisch, oder besser: schwebt im Raum zwischen Washington, Teheran und Islamabad. 14 Punkte soll sie umfassen, die Details sind noch unklar. Ist der Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen damit nun wirklich zu Ende?

Das ist nur eine der vielen Fragen, die sich viele stellen, seien sie nun "Experten" oder "Laien". Und: Wer hat eigentlich gewonnen? Der Iran, wie viele Analysten und Zeitungskommentatoren urteilen, weil das Regime in Teheran bis zum Schluss die Sperrung der Straße von Hormus aufrechterhalten hat? Oder doch die USA, die mit der Blockade der iranischen Häfen das Land zum Einknicken gebracht haben?

Und was ist mit Israel, das an den Gesprächen zwischen Washington und Teheran nicht beteiligt war und sich folglich auch nicht an die vereinbarten Ergebnisse gebunden fühlt? Heißt im Endeffekt, dass die israelische Armee ihren Krieg im Libanon nach eigenen strategischen Überlegungen weiterführt, heute den Süden Beiruts bombardiert, morgen vielleicht ein weiteres Dorf im Südlibanon ausradiert.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat bereits verkünden lassen, er sei sich mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einig, dass die israelische Armee ohne zeitliche Begrenzung in den euphemistisch "Sicherheitszonen" getauften Gebieten im Libanon, in Syrien und im Gazastreifen verbleibe, um von dort aus die Grenze und die israelischen Gemeinden zu schützen. Die "Sicherheit", von der der israelische Verteidigungsminister spricht, gilt nur für israelische Menschen, die Bewohner des Südlibanons hingegen müssen für die Sicherheit Israels um ihr Leben fürchten oder verlieren dieses bei einem Bombenangriff.

Der in einem Memorandum of Understanding, also einer Erklärung gemeinsamer Absichten, festgehaltene Wille der beiden Kriegsparteien, sich in den nächsten 60 Tagen auf eine Lösung für einen dauerhaften Frieden zu einigen, ist zwar ein erster positiver Schritt dahin, aber derzeit nicht viel mehr wert als das Papier, auf dem am Freitag jeweils ein Vertreter der US-Regierung und der iranischen Führung unterzeichnen wollen. Falls Israel entscheiden sollte, den Krieg im Libanon zu intensivieren, hätte der Iran einen Grund, alles platzen zu lassen, denn in Teheran geht man davon aus, dass es ohne ein Ende des Krieges im Libanon auch keine Lösung für den Konflikt mit den USA gibt.

Für die israelische Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist der Trump'sche Deal ein strategisches Desaster. Ging es ihr doch darum, den Iran militärisch dermaßen zu schwächen, dass er keine Gefahr mehr für Israel darstellen würde, und das Nuklearprogramm zu vernichten. Was daraus wird, entscheidet sich aber erst in den kommenden 60 Tagen - eine lange Zeitspanne, während der viel geschehen kann.

Gideon Levy, Kolumnist der israelischen Tageszeitung "Haaretz", sagte gegenüber Al-Jazeera, das Abkommen werde in Israel weithin als "die Niederlage Israels und die persönliche Niederlage Netanjahus" angesehen. Und im Herbst wird ein neues Parlament gewählt. Tatsächlich war der Iran Netanjahus politischer Fixpunkt, Levy spricht sogar von dessen "Lebenswerk", das nun zusammenzubrechen drohe.

Verlierer sind aber vor allem die vielen Menschen, die für einen unsinnigen Krieg - wenn man überhaupt von sinnhaften Kriegen sprechen kann - ihr Leben lassen mussten: mehr als 3500 im Libanon, über 3000 im Iran, nicht gerechnet die vielen Tausend Opfer, ermordet vom iranischen Regime bei den Protesten im Januar. Viele Iranerinnen und Iraner, im In- wie im Ausland, hatten mit dem Krieg der USA und Israels die trügerische Hoffnung verbunden, die Islamische Republik könnte fallen. Nun scheint sie sogar fester im Sattel zu sitzen als zuvor.

Pressekontakt:

nd.DerTag / nd.DieWoche Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/59019/6294915 OTS: nd.DerTag / nd.DieWoche


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - nd.DerTag / nd.DieWoche
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