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Berlin (ots) - Die Kultusminister*innen haben eine bemerkenswerte Empfehlung
herausgegeben. Angesichts der gegenwärtigen Kriege und Konflikte, etwa im Nahen
Osten, sollen Schüler*innen stärker für deren historische Ursachen
sensibilisiert werden. Dabei geht es um Themen wie gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit, extreme Gewalttaten oder Flucht. Inhaltlich ist die
Empfehlung ein Aufruf, bestehende Lücken in den Fächern Geschichte sowie Politik
und Wirtschaft (PoWi) zu schließen. Zwar greifen bereits viele Lehrkräfte
aktuelle geopolitische Konflikte im Unterricht auf und ordnen diese historisch
ein. Dennoch ist die Empfehlung wichtig, weil sie einen klaren Appellcharakter
besitzt.
Denn längst versucht die AfD, Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung zu nehmen.
Immer wieder diskreditiert sie Lehrkräfte, die auf Gefahren für die
demokratische Ordnung durch den Rechtsextremismus hinweisen. Die Strategie der
Partei ist dabei durchschaubar: Unter Verweis auf eine angebliche
"Neutralitätspflicht" versucht sie, Kritik an ihren Positionen zu delegitimieren
und Lehrkräfte einzuschüchtern.
Dabei gilt für Schulen ein klarer Rahmen: Lehrkräfte dürfen Schüler*innen weder
indoktrinieren noch politische Fragen einseitig darstellen - so sieht es der
Beutelsbacher Konsens vor. Zugleich sollen sie die demokratischen Werte
verteidigen - dafür brauchen sie, gerade in Zeiten von Populismus und
Polarisierung, den Rückhalt von Schulbehörden und Ministerien.
In der Bildungspolitik nimmt die AfD selbst übrigens alles andere als eine
neutrale Haltung ein: Auch sie möchte die Lehrpläne verändern. In
Sachsen-Anhalt, wo sie perspektivisch Regierungsverantwortung übernehmen könnte,
fordert sie "mehr Bismarck und weniger Hitler" - historische Schwerpunkte, die
kaum den Herausforderungen einer globalisierten Gegenwart entsprechen.
Zweifelsohne gehört die Nationalstaatsgründung zu den zentralen Themen des
Geschichtsunterrichts. Problematisch wird es aber, wenn sie auf Kosten der
kritischen Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nazis aufgewertet wird. Ein
solcher Ansatz droht historische Zusammenhänge zu verzerren und nationale
Erzählungen zu überhöhen.
Gerade die Krisen der Gegenwart zeigen, wie wichtig historisches Wissen für
politisches Verständnis ist. Schule sollte weder nationale Mythen pflegen noch
historische Verantwortung relativieren, sondern Zusammenhänge vermitteln und
Urteilskraft fördern - genau daran erinnert die Empfehlung der
Kultusminister*innen.
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