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Karlsbad (ots) - "Back to the roots" und wie es Ergotherapeut:innen immer wieder
gelingt, ihre Kerndomäne - Betätigung - anders zu beleuchten und neu zu
verpacken
"Betätigung" ist häufig Ziel oder erwünschte Nebenwirkung nahezu jeder
ergotherapeutischen Intervention. "Ist sie, also "die Betätigung", nicht mehr
möglich, bekommt sie eine umso größere Bedeutung; wir wünschen sie uns
sehnlichst (wieder) herbei und erkennen manchmal erst dann, wie viel erfüllter
unser Alltag und unser Leben sind, wenn wir all das, was wir tun wollen oder tun
müssen auch tun können", bestätigt Andreas Pfeiffer, der bei diesem Kongress den
Vorsitz des DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) abgibt. Unter Betätigung
fassen Ergotherapeut:innen alle Aktivitäten, Handlungen, kurzum: sämtliches Tun
ihrer Klient:innen - so nennen sie ihre Patient:innen - zusammen. Wie sich
dieses Lebenselixier trotz oder erst recht mit unterschiedlichsten Erkrankungen,
Störungen, Krisen bei Kindern, Erwachsenen und Senior:innen wiedererlangen
lässt, präsentierten Refent:innen im Lauf des Ergotherapie-Kongresses in ihren
Vorträgen, Workshops, moderierten Gesprächen und weiteren Formaten - alles unter
dem Motto "Betätigung zählt".
Drei Tage Ergotherapie-Kongress. Das heißt: komprimiert Wissen aufsaugen, Input
auf vielen Ebenen erhalten, sich inspirieren lassen, Fortbildungspunkte sammeln
und vor allem die große Familie der Ergotherapeut:innen im DVE treffen, sich
austauschen und sich verbinden. Dass der DVE mittlerweile fast 15.000 Mitglieder
hat, tut dem Familienfeeling keinen Abbruch, im Gegenteil: Es kamen rund 2.200
Besucher:innen zum diesjährigen Ergotherapie-Kongress in Bielefeld, mehr als je
zuvor. Außer dem üblichen Kongressprogramm fand in diesem Jahr, so wie alle zwei
Jahre, die Verleihung des Innovationspreises Ergotherapie statt.
Beides ausgezeichnet: CurriculumKit und Keynote Speaker
Dass das Ausarbeiten eines Curriculums ebenso spielerisch und humorvoll wie
zielgerichtet vonstattengehen kann, beweist das mit dem Innovationspreis
ausgezeichnete CurriculumKit der vier Ergotherapeut:innen Nicole Kaldewei, Helen
Strebel, Nadine Scholz-Schwärzler und Katja Rottmann. Mithilfe von
(Spiel-)Karten und Begleitmaterialien bildet das CurriculumKit ein Fundament,
das als Impulsgeber dient und Ausbildung als dynamischen Prozess betrachtet.
Eine weitere Besonderheit des CurriculumKits: Es sind sämtliche Beteiligte in
den Entstehungsprozess einbezogen - also auch die Lernenden. Alle Beteiligten
einzubeziehen schlug auch Keynote Speaker Prof. Dr. Karim Fereidooni als einen
praktischen Handlungstipp für eine bessere Integration und Umgang mit Menschen
mit Migrationshintergrund vor: "Fragen und sehr genau zuhören, was der oder die
andere sich wünscht", so der Referent, der darauf hinweist, dass fehlende
Empathie ein Grund für die Ablehnung von Vielfalt ist. Seine Empfehlung:
Intersektionalität als Analysebrille nutzen. Intersektionalität beschreibt, wie
die jeweiligen persönlichen Merkmale - also Geschlecht, sexuelle Orientierung,
Klasse, Herkunft und so weiter - individuelle Alltagsrealitäten bedingen, die zu
unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen und ebenso zu verschiedenen Formen
von Diskriminierung oder Privilegierung führen. Der Gedanke, der dem Ansatz der
Intersektionalität zugrunde liegt, kommt aus dem Schwarzen Feminismus und ist
mehr als ein theoretisches Konzept: Vielmehr ist es ein praktisches Tool für
soziale Gerechtigkeit. Und die brauchen wir dringend für eine funktionierende
Demokratie.
Von Anfang an: Betätigung als Handlungskonzept in der Ausbildung zur
Ergotherapeut:in
Derart inspiriert verteilten sich die aus ganz Deutschland zum
Ergotherapie-Kongress angereisten Ergotherapeut:innen in die zahlreichen
Veranstaltungen. Etwa, um mehr zum Stand der Dinge bei der Ausbildung von
Ergotherapeut:innen zu erfahren. Wie die Ausbildung zum Ergotherapeuten
beziehungsweise zur Ergotherapeutin aussehen kann, um als zeitgemäß zu gelten,
verdeutlichten Lernende und Lehrende, die partizipativ ein schulinternes
Curriculum entwickelt haben. Dieses Curriculum hat unter anderem das Ziel,
praxisnäher zu sein und gleichzeitig Betätigung als zentrales Handlungskonzept
zu vermitteln. Andere betrachteten die Diskrepanz zwischen der
Betätigungszentrierung und verschiedenen Vorgaben und Rahmenbedingungen und
stellten Umsetzungsmöglichkeiten von kompetenz- und betätigungszentrierten
Ausbildungsinhalten vor. Die Bedeutung der Form und Qualität der Ausbildung
tauchte im Laufe des Kongresses auch in anderen Veranstaltungsformaten auf und
hat auch einen Einfluss auf die Erweiterung der Blankoverordnung und mehr noch
auf den Direktzugang.
Ein Evergreen: Die Diskussion mit den Kostenträgern
Es ist für alle spürbar: die Ressourcen werden immer knapper. Zum einen
schränken die gesetzlichen Krankenkassen zunehmend vieles ein, zum anderen fehlt
es an Ergotherapeut:innen - die Versorgungslage spitzt sich also auf allen
Ebenen zu. In mehreren Veranstaltungsformaten fanden Gespräche mit
Vertreter:innen verschiedener Institutionen wie Krankenkassen,
Klient:innenvertretung, GKV-Spitzenverband, Bundesverhandlungskommission oder
Politik im Gesundheitsbereich an zwei von drei Kongresstagen statt. Es wurden
Ideen und Ansätze diskutiert, um dem in Zukunft besser zu begegnen. Es wurden
Gedanken laut wie Verbessern der Therapeut:in-Ärzt:in-Beziehung, mehr
gesundheitskompetentes Verhalten von Klient:innen und Patient:innen, mehr
Gruppentherapien und vieles mehr. Ein Prozess ist in Gang, man ist im Gespräch
und bereit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und es bleibt abzuwarten, was und
wie schnell die beteiligten Parteien nach dem Kongress Konsens finden und etwas
ändern werden.
Diversität: drüber reden, reflektieren und vor allem handeln
Ergotherapeut:innen stehen für Wandel und Entwicklung. Im Kontext der Diversität
ist dies ein weitreichendes Feld. Basis aller Überlegungen ist die feministische
Haltung, die machtvolle Strukturen hinterfragt, sich damit vor allem für
Gerechtigkeit einsetzt und ebenso für Vielfalt und ein selbstbestimmtes Leben.
Wie sich eine solche Haltung auf den ergotherapeutischen Praxisalltag auswirken
kann, beleuchteten an den ersten beiden Kongresstagen diverse Vorträge und
Workshops, die sich mit Rollenerwartungen und der Gestaltung der eigenen Rolle
ebenso wie mit der Gestaltung therapeutischer Beziehungen, normativen
Zuschreibungen, Diskriminierung und sozialer Verbundenheit und weiteren Fragen
wie etwa dem Umgang mit trans* und nichtbinären Personen auseinandersetzten. Ein
für Ergotherapeut:innen typisches Ergebnis und gemeinsamer Erkenntnisgewinn:
Neben der gemeinsamen Zielrichtung ist und bleibt es individuell, so auch die
Art und Weise, wie eine reflektierte Weiterentwicklung in diesem Themenbereich
für jede:n Einzelne:n aussehen kann. Hauptsache, es geht los. Und zwar jetzt.
Akutes, Aktuelles und Dauerbrenner in der Ergotherapie und beim Kongress
Dass neben allen tagesaktuell herausragenden Themen auch Neuigkeiten von
bekanntem Terrain der Ergotherapie Raum fanden, versteht sich von selbst. Neues
und neu Gedachtes gab es unter anderem aus der arbeitsbezogenen Ergotherapie und
Jobcoaching, der Pädiatrie und der Geriatrie - also alles rund um Jung und Alt
oder dem Gemeinwesen, welches idealerweise alle vereint. Dass auch orthopädische
Themen in der Ergotherapie angesiedelt sind, ist nicht allen bewusst: Durch die
Ausrichtung der Ergotherapie - Blick auf den Alltag mit all seinen Betätigungen
- ist auch bei vielen orthopädischen Diagnosen eine ergotherapeutische
Intervention sinnvoll. Wenn es um Schmerzen geht etwa. Oder um Hände.
Ergotherapeut:innen wissen, dass Funktionsübungen alleine nicht ausreichen,
sondern für mehr Alltagskompetenz die Betätigung im Mittelpunkt steht. Ein
weiteres Thema beim Ergotherapie-Kongress: Klient:innen mit psychischen
Problemen, Störungen und Erkrankungen. Verzahnt mit Psycholog:innen,
Psychiater:innen, Psychotherapeut:innen unterstützen Ergotherapeut:innen
Klient:innen beispielsweise in emotionalen Krisen, bei Depressionen,
Bipolarität, oder Suchterkrankungen - oftmals schon im Vorfeld einer ärztlichen
Therapie. Und nicht zu vergessen: Neurologische Erkrankungen - dazu gehören
beispielsweise Parkinson, Schlaganfall, Epilepsie oder die verschiedenen Formen
von Demenz - betreffen fast 60% der Menschen in Deutschland. Für sie ist
Mobilität ein zentrales Thema und eine wichtige Betätigung, um selbstbestimmt
agieren zu können. In den Vorträgen des Ergotherapie-Kongresses rund um die
Neurologie präsentierten Ergotherapeut:innen unter anderem, wie sie ihre
Klient:innen dabei unterstützen, Mobilität neu zu denken und Möglichkeiten
zuzulassen, die diese zuvor nicht kannten oder unpassend fanden.
Walk, talk, test and connect: ein Gang über die den Ergotherapie-Kongress
begleitenden Ausstellungen
Auch in diesem Jahr ist es wieder gelungen, eine große Bandbreite
unterschiedlichster Aussteller zur Kongressteilnahme zu rekrutieren. Mehr als 70
Aussteller boten den Besucher:innen des Ergotherapie-Kongresses analoge und
digitale Hilfsmittel und Therapiematerialien, Aus- und
Fortbildungsmöglichkeiten, Literatur und mehr an. Die anwesenden
Ergotherapeut:innen hatten reichlich Gelegenheit, Bewährtes ebenso wie Neues,
Innovatives zu testen, zu lesen, sich zu informieren und nach wichtigen Details
zu fragen und - dank Messepreisen - ein Schnäppchen zu tätigen. Ein weiteres
Highlight außerhalb der üblichen Kongressveranstaltungen ist und bleibt die
Posterausstellung, die die große Vielfalt der ergotherapeutischen
Tätigkeitsbereiche widerspiegelt und Möglichkeiten bietet, sich zu verbinden, um
mehr zu einem Thema zu erfahren oder sich einer (Arbeits-)Gruppe oder einem
Netzwerk anzuschließen.
Mitgliederversammlung beim Kongress: neuer Vorstand, bestätigtes
Vorstandsmitglied
Nach acht Jahren hat sich Andreas Pfeiffer als Vorsitzender des DVE (Deutscher
Verband Ergotherapie e.V.) von seinem Amt verabschiedet, um Esther
Scholz-Minkwitz als neue Vorsitzende zu begrüßen. Im Amt bestätigt: Birthe Hucke
wurde zum dritten Mal zum Vorstandsmitglied für Standards und Qualität gewählt.
Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den
Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage
des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche . Zum Podcast
gerne hier entlang: https://ots.de/tSlKtA . Außerdem:
https://www.instagram.com/dve_ergotherapie/ und Deutscher Verband Ergotherapie
e.V. - DVE | Facebook (https://www.facebook.com/der.dve/)
Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE),
mailto:a.reinecke@dve.info
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/106910/6295000
OTS: Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE)
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