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Köln (ots) - Die für mindestens zwei Jahre gesperrte Nordbrücke ist für Bonn und
die Region eine "Verkehrskatastrophe", sagt der Bonner Oberbürgermeister Guido
Déus im WDR. Er sieht den Bund nicht nur beim schnellen Neubau in der Pflicht.
Déus sagte im WDR5 Morgenecho, der Bund müsse auch ein Interesse haben, den ÖPNV
finanziell zu unterstützen, der eigentlich eine kommunale Angelegenheit ist.
"Das ist eine sehr angespannte Lage und die Botschaft, die wir gestern bekommen
haben, ist für Bonn und die Region wirklich eine schlimme Botschaft gewesen. Das
Problem ist ja primär, wir wussten zwar, dass die Nordbrücke erneuert werden
muss. Aber jetzt haben wir ein Problem mit der so genannten Vorlandbrücke. Und
dass diese komplett gesperrt ist und das bestimmt für zweieinhalb Jahre bleiben
wird und somit die gesamte Nordbrücke - eine von drei Brücken, die Bonn nur hat
- nicht genutzt werden kann, ist für die Region eine Katastrophe."
"Wir wissen, zwei Brücken bleiben über - das ist die Kennedybrücke und die
Südbrücke - und jetzt gilt es, folgende Dinge zu tun: Erst mal den öffentlichen
Personennahverkehr, also Bus und Bahn, so gut wie möglich zu verbessern und
auszubauen, Takte zu verdichten. Es gilt, Park-and-Ride-Anlagen zu schaffen -
also jeder Mensch, der vom Auto umsteigt auf den ÖPNV oder das Fahrrad, der ist
eine Hilfe in dieser Situation, in dieser Verkehrskatastrophe. Und darauf haben
wir uns fokussiert und auf die Leistungsfähigkeit der beiden verbliebenen
Trassen Südbrücke und Kennedybrücke."
Der wegen der Sperrung der Nordbrücke kostenlos angebotene ÖPNV in Bonn werde
voraussichtlich enden müssen, sagte der Bonner Oberbürgermeister Déus.
"Weil wir, wenn wir keine finanzielle Hilfe von außen bekommen, das alleine
nicht stemmen können. Bonn geht es so wie vielen Kommunen, wir sind
unterfinanziert, wir sind am Rande des Haushaltssicherungskonzeptes. Wir hatten
vor, auch im Bereich des ÖPNV in den nächsten Jahren Geld zu sparen - und was
machen wir jetzt aufgrund der Nordbrücken-Sperrung? Wir geben massiv mehr Geld
aus. Das heißt also, wenn wir keine externe Hilfe bekommen, werden wir dieses
Angebot des kostenlosen ÖPNVs, was eine Sofortmaßnahme war, um viele Menschen
zum Umsteigen zu bewegen, nicht halten können."
Bisher hatte der Bund signalisiert, nicht für Kosten des ÖPNV aufzukommen, weil
das eine kommunale Angelegenheit sei.
"Die 107.000 Fahrzeuge, die über diese Bundesbrücke geflossen sind, fließen
jetzt durch unsere Stadt - und da wird der Bund uns helfen. Aber [...] bisher
ist die Aussage, nicht beim ÖPNV. Ich sage ganz klar, das sehe ich anders. Denn
wir wollen ja erstens die Menschen zum Umsteigen bekommen, auch um die Schäden,
die nachher der Bund übrigens tragen muss auf den Ausweichrouten, so gering wie
möglich zu halten. Und meines Erachtens gibt es auch Beispiele, wo man zumindest
ansatzweise Lösungen gefunden hat. Und ich versuche, auch dem Bund klarzumachen,
was mal Leverkusen oder Rahmede waren, ist jetzt Bonn. Und der nächste Fall in
Deutschland wird kommen, also der Bund muss sich Gedanken machen, inwieweit er
den Kommunen hilft und sie unterstützt in dieser Situation. Wir haben jetzt für
zweieinhalb Jahre mindestens eine absolute Ausnahmesituation vor uns. Und wenn
wir versuchen, Verkehr von den Straßen, vom Individualverkehr wegzubekommen und
die Menschen auf ÖPNV zu bekommen, dann sollte der Bund auch eigenes Interesse
daran haben, weil das nämlich die Kosten der Reparaturen, die nachher anstehen,
senken wird."
Um die schwierige Situation für die kommenden mindestens zweieinhalb Jahre zu
meistern, werde man nicht nur zum Beispiel weiter auf ÖPNV und Park-and-Ride
setzen. Es brauche kreative Lösungen und Denkansätze, die vielleicht vorher noch
nicht da gewesen seien.
"Wo kann man Bordsteine wegnehmen, wo kann man Zufahrten ändern, wo kann man
eine Spur mehr zur Verfügung zu stellen? Wo kann man es sich leisten, eine Spur,
die man hatte, wegzunehmen und sie einem anderen Verkehr zuzuwidmen? Alles darf
und muss gedacht werden und dann sorgsam geprüft werden auf die rechtliche
Umsetzbarkeit. Manchmal scheitert man auch, weil die Vertragsfirma, die die
Stadt hat, nicht mehr genug Klebestreifen hat, um eine Ummarkierung vorzunehmen.
Also der Teufel steckt im Detail. Aber wir sind mit allem, was wir haben, da
dran und kennen da auch kein Wochenende und auch keinen Feiertag."
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