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Sperrfrist: 26.06.2026 18:00
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Köln (ots) - Recep Tayyip Erdogan regiert die Türkei seit über 23 Jahren.
Inzwischen hat er ein Ein-Mann-System etabliert, zugeschnitten auf ihn allein.
Wer ist der Mann, der als allmächtiger Staatspräsident nahezu alle Befugnisse in
seiner eigenen Hand vereint? Wie konnte Erdogan, der in einem ärmlichen
Istanbuler Hafenviertel aufwuchs, der mächtigste und populärste Politiker der
Türkei seit Atatürk werden?
Die ARD-Serie "ERDOGAN" von Michael Wech und Kristina Karasu geht auf
Spurensuche: Zum ersten Mal schildern ehemalige Weggefährten und Vertraute aus
Erdogans unmittelbarem Umfeld seinen Lebensweg vom unerschütterlichen Idealisten
zum umstrittenen Machthaber. Ihre Erzählungen enthüllen den inneren Antrieb
hinter seinem Aufstieg und die Mechanismen seiner Macht: Warum konnte Erdogan
politische Niederlagen immer wieder in Chancen verwandeln? Woher rührt der
politische Instinkt, Schlüsselmomente zu erkennen und gezielt für sich zu
nutzen? Wie gelang es ihm, zum unangefochtenen Alleinherrscher gewählt zu
werden?
Die Dokuserie portraitiert Erdogan wie unter dem Vergrößerungsglas -
unvoreingenommen und analytisch - stets als charaktergetriebene Geschichte
erzählt: mit Triumphen und Niederlagen, Tiefschlägen, Auswegen und Wendepunkten.
Ist er Reformer oder "politisches Chamäleon", das konsequent auf Machterhalt
setzt?
Welche Rolle spielt die türkische Community in Deutschland? Und welche Bedeutung
haben seine Frau Emine und seine Kinder für ihn?
Spitzenpolitiker wie der ehemalige stellvertretende türkische Ministerpräsident
Bülent Arinç, der ehemalige US-Verteidigungsminister Leon Panetta, der ehemalige
Präsident und langjährige Türkei-Berichterstatter des Europäischen Parlaments,
Martin Schulz, Erdogans ehemaliger Privatsekretär Turhan Çömez, Nihal Olçok, die
Witwe von Erdogans langjährigen Wahlkampstrategen, AKP-Mitgründerin Fatma Bostan
Ünsal sowie der langjährige Kulturminister in Erdogans Kabinett, Ertugrul Günay,
gewähren zum ersten Mal sehr persönliche Einblicke in das Leben und die Psyche
Recep Tayyip Erdogans. Ihre Beiträge verdichtet die ARD-Serie zu einem
vielschichtigen Bild, das den unantastbar wirkenden türkischen Präsidenten
zeigt, wie er selten gesehen worden ist.
In vier Teilen erzählt die ARD-Serie die Geschichte seines unaufhaltsamen
Aufstiegs - als deutsche und als türkische Sprachfassung.
Veröffentlichungen :
- 4 Folgen (á 35 Min.) ab Montag, 29.6.26 in der ARD Mediathek
- 2 Folgen (á 35 Min.) am Mittwoch, 8.7.2026, 22:50 Uhr im Ersten
- 4 Folgen (á 45 Min.) am Mittwoch, 15.7.2026, 22:15 Uhr im WDR Fernsehen
"ERDOGAN" ist eine BROADVIEW-Produktion in Koproduktion mit dem WDR und mit
Unterstützung der Film- und Medienstiftung NRW sowie des German Motion Picture
Fund (GMPF). Regie führten Michael Wech und Kristina Karasu, Produzent ist
Leopold Hoesch. Producer der Serie sind Peter Wolf und Marisa Witte.
Redaktionell verantwortlich für den WDR sind Gudrun Wolter und Beate
Schlanstein.
Hier geht es zum Trailer:
https://presse.wdr.de/plounge/wdr/programm/2026/06/20260629_erdogan.html
Weitere Infos unter: https://presse.wdr.de/plounge/index.html
Fotos finden Sie unter ARD-Foto.de
"ERDOGAN" - Interview Kristina Karasu & Michael Wech
Kristina Karasu studierte Angewandte Kulturwissenschaften in Hildesheim und
Sassari (Italien). Nach Stationen als leitende Nachrichtenredakteurin und
Moderatorin lebt und arbeitet sie seit 2010 als freie Journalistin und
Dokumentarfilmautorin in Istanbul. Zu ihren Auftraggebern gehören u.a. ARTE,
ZDF, ORF und Deutschlandfunk. Sie realisierte zahlreiche Reportagen und
Dokumentarfilme in der Türkei und der Region, u.a. "Die Türkei nach dem Beben"
(ARTE/ZDF, 2024) und "Die Spur der Verschwundenen - Istanbuls Familien gegen das
Vergessen" (ARTE/ZDF 2019). Seit 2014 ist sie Türkei-Korrespondentin der
europäischen Presseschau "eurotopics" der Bundeszentrale für politische Bildung.
Michael Wech studierte Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen in
Hamburg und London sowie als Stipendiat an der Bilkent Universität in Ankara. Er
dreht Dokumentarfilme für ARTE, ARD und 3sat, darunter die jeweils für den
Deutschen Fernsehpreis nominierten Dokumentarfilme "Der Aufbruch - War die
Pandemie vermeidbar?" (ZDF, 2022), "Hallo, Diktator - Orbán, die EU und die
Rechtsstaatlichkeit" (ARTE, 2021) und "Resistance Fighters - Die globale
Antibiotika-Krise" (ARTE, 2019). Michael Wech erhielt für seine Dokumentationen
mehrfache Auszeichnungen, u. a.: Beste Wissenschafts-Dokumentation Silbersalz
Festival (2025), Best Documentary Award San Diego International Film Festival
(2024), Deutscher Fernsehpreis (2020), Impact Award Vancouver International Film
Festival (2019), Deutsch-Französischer Journalistenpreis und den
Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftsjournalismus.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan regiert seit über zwanzig Jahren
die Türkei. Was gab den Anlass, jetzt eine vierteilige Reihe über ihn zu drehen?
MW
"Erdogan gehört für mich zu den fünf mächtigsten, amtierenden Politikern der
Welt. Und er ist vermutlich auf dem Zenit seiner Macht. Deshalb könnte es keinen
besseren Moment geben, finde ich. Die Geschichte seines Aufstiegs erzählt viel
über unsere Zeit. Man darf nicht vergessen: Er ist gewählt. Die Bürgerinnen und
Bürger der Türkei haben selbst für ein quasi-autokratisches System gestimmt, mit
Erdogan an der Spitze. Nichts ist spannender als die Frage: Wer ist der Mann,
dem dies gelang?"
KK
"Seit vielen Jahren beobachte ich als Journalistin in der Türkei den Werdegang
Erdogans. Als ich 2008 das erste Mal nach Istanbul kam, wurde Erdogan im Inland
gefeiert und in Europa hofiert. Die Wirtschaft boomte. Heute regiert er das Land
quasi allein, geht unbarmherzig gegen seine Gegner vor, lässt kritischen
Bürgerinnen und Bürgern kaum noch Luft zum Atmen. Die Türkei versinkt in einer
Inflations- und Währungskrise. Das Land ist gespalten zwischen glühenden
Anhängern und wütenden Gegnern. Wir haben uns gefragt: Wie konnte es so weit
kommen? Was hat ihn dazu bewegt, diesen Weg einzuschlagen?"
Sie haben für die Serie mit ehemaligen Weggefährten und Vertrauten Erdogans
gesprochen. Wie schwierig war es, Zugang zu diesen Menschen zu bekommen und wie
groß war die Angst der Gesprächspartner, sich öffentlich zu äußern?
KK
"Diese Frage hat uns vor den Dreharbeiten tatsächlich sehr beschäftigt. Denn zum
einen reden die meisten von Erdogans Weggefährten sehr ungern mit der westlichen
Presse, zum anderen haben viele Türkinnen und Türken Angst, Kritik an Erdogan zu
üben, weil Präsidialbeleidigung unter Strafe steht und Erdogan diesen Paragrafen
sehr gerne nutzt, um gegen Kritiker jeder Art vorzugehen. Doch dann haben viele
Menschen, die jahrelang sehr nah an Erdogan Seite standen, sehr offen mit uns
geredet. Es sind Menschen aus sehr unterschiedlichen ideologischen Lagern, die
irgendwann in ihrem Leben die Entscheidung getroffen haben, dass Reden besser
ist als Schweigen. Einige von ihnen sind Abgeordnete, die mir nach dem Interview
sagten, sie konnten sich nur so frei äußern, weil sie politische Immunität
genießen. Wir haben aber auch Absagen bekommen, vor allem von Mitgliedern der
Opposition und der Zivilgesellschaft. Sie sagten, dass sie derzeit so unter
Beschuss stehen, dass das Risiko eines Interviews für sie einfach zu groß wäre."
Gab es während der Dreharbeiten Momente, die Sie persönlich besonders überrascht
oder emotional bewegt haben?
KK
"Die ersten Interviews haben wir mit Erdogans einstigem Privatsekretär Turhan
Çömez sowie der einstigen Weggefährtin Nihal Olçok geführt, die zugleich Witwe
von Erdogans legendärem, langjährigen Werbeberater ist. Sie haben ihre einstige
Begeisterung ebenso wie ihre spätere Enttäuschung noch einmal mit uns durchlebt.
Die Gespräche dauerten viele Stunden lang und waren wie eine Zeitreise. Nicht
selten bekam unser Team eine Gänsehaut."
MW
"Ich fand erhellend, was uns Fatih Cevikollu über seine Jugend in Köln erzählte:
'Ich stamme aus Köln-Nippes. Da gibt es so Hinterhof-Moscheen, wie wir es
nennen. Meine Mutter sagte mir immer 'Da gehst Du nicht hin. Das hat mit
Religion nichts zu tun. Das ist Politik, was da gemacht wird. Die sind gegen
Demokratie.' Dieser O-Ton ist nicht im Film, aber erzählt viel über die Frage,
der wir auch in unserem Film nachgehen: Was genau ist politischer Islam? Wann
ist der Islam Religion, wann ist er politisch?"
Was haben Sie bei der Arbeit an dieser Serie gelernt, was Sie noch nicht
wussten? Was war überraschend?
MW
"Für mich war der Film eine kleine Zeitreise. Ich habe 1995/96 für ein Jahr
Politikwissenschaft in Ankara studiert. Genau zu der Zeit, als Erdogan
Bürgermeister von Istanbul war. Obwohl ich seine Karriere seitdem immer im Blick
hatte, gab es viele Details, die ich nicht kannte. Ich wusste z.B. nicht, dass
Erdogans Politikverbot 2003 nur mit Unterstützung und Zustimmung der CHP
ausgehebelt wurde - also genau der Partei, die Erdogan gerade versucht, zu
zerschlagen. Und dessen prominentestes Mitglied, Ekrem Imamoglu, er ins
Gefängnis gebracht hat.
Die Serie versucht, Erdogan nicht nur politisch, sondern auch als Mensch zu
verstehen. Wann hatten Sie während der Recherche das Gefühl, ihm als Person
wirklich näherzukommen?
KK
"Wir haben unter anderem in Kasimpasa gedreht, dem ärmlichen Istanbuler
Arbeiterviertel, in dem Erdogan aufgewachsen ist. Dort haben wir mit seinen
einstigen Nachbarn, Bekannten und seinem Friseur gesprochen. Sie erzählten uns,
dass Erdogan eigentlich Fußballstar werden wollte, aber sein streng religiöser
Vater das verhinderte. Oder dass er schon als Jugendlicher unglaublich ehrgeizig
war, sehr auf sein Äußeres achtete und sich zweimal am Tag rasierte, wenn er
wichtige politische Sitzungen hatte. Ebenso haben wir ehemals hochrangige
AKP-Politiker interviewt, die uns erzählt haben, wie der Arabische Frühling, die
Gezi-Park-Proteste oder der Putschversuch 2016, Erdogans Charakter maßgeblich
verändert haben. Das war sehr erhellend."
MW
"Wir konnten Erdogan selbst nicht treffen, nicht seine Frau und nicht seine
Kinder. Aber ich denke, durch die Vielzahl der Weggefährten, die ihm über
Jahrzehnte nahestanden, und für Interviews zur Verfügung standen, gelingt es dem
Film, den Charakter seiner Person so freizulegen, wie es im Moment möglich ist.
Damit ist viel erreicht und damit geht der Film über alles hinaus, was bislang
an dokumentarischem Material über ihn zusammengetragen wurde. Ich will nicht zu
viel vorwegnehmen, aber der Film zeigt, dass Erdogan sich jedem Gegenwind
frontal entgegenstellt, aber sich manchmal auch wie ein Chamäleon verhält.
Sie bewegen sich mit dieser Serie in einem politisch hochsensiblen Umfeld. Wie
haben Sie während der Arbeit gespürt, wie stark das Thema Erdogan Menschen bis
heute polarisiert, auch in Deutschland?
KK
"In der Türkei ist diese Polarisierung an jeder Ecke zu spüren. Wir haben
Erdogan etwa vor jubelnden Anhängern beim Teknofest in Istanbul gefilmt, einem
riesigen Technologie- und Luftfahrtfestival, initiiert von seinem Schwiegersohn.
Die Menschen erzählten dort mit strahlenden Augen über den Präsidenten, wie er
das Land entschlossen modernisiert und zu einer starken Regionalmacht entwickelt
habe.
Ganz anders die Reaktionen als wir bei den Protesten gegen die Inhaftierung von
Erdogans größtem Rivalen, dem Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu, gefilmt
haben. Da sagten uns viele junge Menschen voller Verzweiflung: 'Erdogan hat
unser Land ruiniert und unsere Zukunft gestohlen'. Beide Seiten reden über
dieselbe Türkei, denselben Präsidenten - aber ihre Wahrnehmung ist eine komplett
andere.
MW
"Wir haben in Berlin mit dem türkischen Journalisten Can Dündar gedreht. Er lebt
seit 2016 im Exil in Deutschland. Zum Interview kam er allein. Aber dass er bei
Veranstaltungen in Deutschland häufig nur mit Polizeischutz auftreten kann, sagt
viel über den Grad der Feindseligkeit, die Erdogan mit seiner Politik bis heute
schürt."
Es wird eine deutsche und eine türkische Sprachfassung der Doku geben: Welche
unterschiedlichen Resonanzen aus der deutschen und der deutsch-türkischen
Community erwartet ihr?
MW
"Die Serie verdient es, von jedem geschaut zu werden. Unabhängig davon, ob man
Erdogan kritisch sieht, oder nicht. Wir haben versucht, uns der Figur Erdogan
vorurteilsfrei zu nähern und die Geschichte seines Aufstiegs auch so zu
erzählen. Jedem ist klar, dass Erdogan heute ein Autokrat ist. Für uns stand
immer die Frage im Mittelpunkt: Wie ist es dazu gekommen? Das wird alle Menschen
interessieren. Egal woher sie stammen und welchen Hintergrund sie haben. Wenn es
uns gelingt, Menschen in bislang abgeschotteten Echo-Kammern zu erreichen, umso
besser."
Ihre Fragen richten Sie bitte an:
Westdeutscher Rundfunk
Kommunikation
Telefon 0221 220 7100
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OTS: WDR Westdeutscher Rundfunk
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