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Siegen (ots) - Hohe Strompreise belasten viele Unternehmen erheblich. Maschinen
laufen, aber die Rechnung frisst den Gewinn. Wo lässt sich ansetzen, wenn jede
Kilowattstunde mehr kostet als gestern? Stromverträge sind oft undurchsichtig,
und genau das wird zum Problem.
Die meisten Unternehmen zahlen zu viel, ohne es zu merken. Sie schauen nur auf
den Arbeitspreis und prüfen den Rest ihrer Rechnung und der Verträge nicht
systematisch. Vom Handwerksbetrieb bis zum Industriestandort gilt: Wer Vertrag,
Abrechnung und Lastprofil systematisch prüft, senkt seine Energiekosten oft um
10 bis 20 Prozent und holt Beträge aus den vergangenen Jahren rückwirkend
zurück. In diesem Beitrag erfahren Sie, wo die größten Hebel liegen und warum
sich der Markt gerade jetzt bewegt.
Warum viele Unternehmen zu viel zahlen
Oft richtet sich der Blick nur auf eine Zahl: den Arbeitspreis pro
Kilowattstunde. Damit bleibt ein großer Teil der tatsächlichen Kosten außen vor.
Über die Stromrechnung entscheiden mehrere Faktoren zugleich: Vertragsstruktur,
Leistungspreis, Netzentgelte, nicht genutzte Stromsteuererstattungen,
fehlerhafte Abrechnungspositionen und mögliche Reduzierungen nach Paragraf 19
der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV).
Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen ist das Thema rechtlich und
regulatorisch komplex, zum anderen fehlt im Tagesgeschäft oft die Zeit,
Energierechnungen systematisch zu prüfen oder Verträge genau zu lesen. Solange
das nicht geschieht, bleiben Mehrkosten unsichtbar - bezahlt werden sie trotzdem
Monat für Monat.
Typische Fehler bei Stromverträgen
Beim Abschluss oder bei der Verlängerung von Stromverträgen zeigen sich immer
wieder dieselben Muster. Ein häufiger Fehler ist das Stichtagsdenken: Der
gesamte Jahresbedarf wird an nur einem Termin festgelegt, oft genau dann, wenn
der alte Vertrag endet. Damit liegt das gesamte Preisrisiko auf einem einzigen
Tag.
Ebenso verbreitet ist die stillschweigende Verlängerung beim bisherigen
Versorger - häufig aus Bequemlichkeit oder weil intern die Kapazität für einen
echten Marktvergleich fehlt. Hinzu kommt die starke Fixierung auf den
Arbeitspreis, ohne die Klauseln dahinter zu prüfen. Dazu zählen etwa
Preisanpassungsmechanismen, Mehr- und Mindermengen, Sonderkündigungsrechte oder
automatische Verlängerungen.
Auch das Abwarten in volatilen Marktphasen wird oft zum Problem. Wer auf bessere
Preise hofft, ohne den Markt laufend zu beobachten, verpasst häufig günstige
Einkaufsfenster.
Drei Stellschrauben mit schneller Wirkung
Wer kurzfristig handeln will, kann an drei Punkten ansetzen. Erstens: die
strukturierte Rechnungsprüfung. Falsch ausgewiesene Umlagen, doppelte
Positionen, zu hohe Netzentgelte oder fehlerhafte Zählerstände kommen regelmäßig
vor. Eine gezielte Prüfung deckt solche Fehler auf und kann sowohl künftige als
auch rückwirkende Korrekturen ermöglichen.
Zweitens lohnt sich eine Lastganganalyse. Der Lastgang zeigt den zeitlichen
Verlauf des Stromverbrauchs. Anhand der vorhandenen Messwerte lässt sich oft
schnell erkennen, wo Lastspitzen entstehen und welche sich ohne Eingriff in die
Produktion senken lassen. Das kann den Leistungspreis deutlich reduzieren.
Drittens sollten Betriebe mögliche Erstattungsansprüche aus der Vergangenheit
prüfen. Dazu gehören Reduzierungen der Netzentgelte nach Paragraf 19 StromNEV
bei atypischer Netznutzung oder mehr als 7.000 Benutzungsstunden sowie
Stromsteuererstattungen für das produzierende Gewerbe nach Paragraf 9b des
Stromsteuergesetzes. Je nach Verbrauchsmenge kann es dabei um hohe vierstellige
bis fünfstellige Beträge pro Jahr gehen.
Einkaufsstrategie und Vertragsstruktur als Hebel
Eine durchdachte Einkaufsstrategie verteilt den Jahresbedarf auf mehrere
Tranchen, die zeitlich gestaffelt eingekauft werden. Dadurch sinkt das Risiko,
den gesamten Bedarf an einem ungünstigen Zeitpunkt festzulegen.
Ergänzend kann ein Anteil über den Spotmarkt beschafft werden. So lassen sich
kurzfristige Markttiefs nutzen, ohne sich vollständig dem Markt auszusetzen.
Entscheidend ist dabei weniger der perfekte Tiefpunkt als eine laufende
Marktbeobachtung und das Nutzen günstiger Einkaufsfenster.
Auch die Vertragsstruktur spielt eine zentrale Rolle. Klauseln zu
Preisanpassungen, Indexbindungen, Sonderkündigungsrechten oder Mehr- und
Mindermengen entscheiden oft darüber, wie teuer ein Vertrag am Ende wirklich
wird. Ein vermeintlich günstigerer Arbeitspreis kann sich schnell als Nachteil
erweisen, wenn die übrigen Regeln Risiken einseitig auf das Unternehmen
verlagern.
In drei Schritten zur klaren Energiesituation
Wer seine Lage prüfen und sich besser absichern will, sollte in drei Schritten
vorgehen. Der erste Schritt ist die Bestandsaufnahme. Dazu gehören der aktuelle
Vertrag mit allen Laufzeiten und Klauseln, die letzten Energierechnungen und der
Lastgang. Häufig zeigt sich erst dann, dass die nächste Verlängerung kurz
bevorsteht oder mögliche Erstattungen bald verfallen.
Danach folgt die Prüfung möglicher Ansprüche aus der Vergangenheit.
Rechnungsprüfung, Netzentgelt-Reduzierungen und Stromsteuererstattungen können
hier besonders relevant sein. Oft liegen genau an dieser Stelle die größten
kurzfristig realisierbaren Einsparungen.
Im dritten Schritt wird die Beschaffungsstrategie für den nächsten Vertrag
aufgesetzt - etwa mit Tranchenmodell, Spotmarktanteil und passender
Laufzeitstruktur. Wer diese Schritte geht, schafft Transparenz, reduziert
unnötige Kosten und bereitet sich besser auf kommende Marktbewegungen vor.
Über den BVGE:
Der BVGE ist Deutschlands größte unabhängige Einkaufsgemeinschaft für
gewerbliche Energienutzer. Mit über 2.740 Unternehmen und ein Netzwerk aus mehr
als 60 Energielieferanten bündelt der Verband die Nachfrage seiner Mitglieder
und vertritt deren Interessen. Als unabhängiger Full-Service-Partner unterstützt
er seine Kunden von der Energiebeschaffung bis zu regulatorischen Anforderungen.
Grundlage sind Neutralität, Fachwissen und über 12 Jahre Erfahrung in der
gewerblichen Energiebeschaffung. Weitere Informationen unter:
https://bvge-consulting.de/
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Vertreten durch: Julian Rosenthal und Christian Bauer
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