|
Bonn/Berlin (ots) - 23. Juni 2026 - Entgegen der Vorstellungen der Berliner
Regierungskoalition, die Rentenreformpläne möglichst rasch zu verabschieden,
sieht Frank Werneke, Vorsitzender des Dienstleistungsgesellschaft Verdi, die
Notwendigkeit, einzelne Punkte der Vorschläge der Rentenkommission auf den
Prüfstand zu stellen. "Es kann nicht einfach durchgeboxt werden, nur weil die
Koalition meint, sie könne jetzt keine Diskussionen ertragen", äußerte sich der
Verdi-Chef im Fernsehsender phoenix. Trotz der Einstimmigkeit in der Kommission
"ist nicht alles in Stein gemeißelt". Entscheidend für eine positive Bewertung
der Absichten der Experten sei die Frage, inwieweit sich Rentner in den 2030er
und beginnenden 2040er Jahren darauf verlassen könnten, nicht schlechter als
heutige Rentner gestellt zu sein. "Es braucht die absolute Sicherheit, dass das
Rentenniveau zu keiner Zeit unter 48 Prozent sinkt. Das ist eine elementare
Frage", so Werneke. Diese Haltelinie müsse garantiert werden.
Kritik übte der Gewerkschaftsvorsitzende an der von der Kommission
beabsichtigten Finanzierung dieser Übergangsregelung für Rentner ab 2031, die
aus dem Bundeshaushalt erfolgen soll. "Was ich nicht möchte, ist, dass die
Rentner vom Wohl und Wehe des Bundeshaushalts und der aktuellen Kassenlage
abhängig sind", meinte Werneke.
Ungemach sah er bei Verabschiedung des Konzepts, angesichts der geplanten
paritätischen Finanzierung des Kapitalstocks, auf die betriebliche
Altersvorsorge zukommen. "Es werden jetzt sehr viele Arbeitgeber sagen, ich
bezahle doch nicht zweimal." Sollte der Aufbau des Kapitalstocks in der ersten
Säule der Altersversorgung organisiert werden, "besteht die große Gefahr, dass
betriebliche Altersversorgungssysteme hart unter Druck kommen".
Prof. Jörg Rocholl, Mitglied der Rentenkommission und Präsident der European
School of Management and Technology, bewertete das Konzept der Experten aufgrund
der Einführung einer Kapitaldeckung als enormen Fortschritt. "Ich halte das für
eine große Änderung, die es uns ermöglicht, nicht nur ein besseres Rentenniveau
zu erzielen, sondern letztlich auch einen Kapitalstock aufzubauen, von dem die
ganze Volkswirtschaft profitieren kann", erklärte Rocholl im Fernsehsender
phoenix. Niemand müsse sich im Übrigen sorgen, dass es bei Neu-Rentnern im
kommenden Jahrzehnt zu sinkenden Altersbezügen komme. "Wir haben für diese
Menschen einen Übergangsfaktor eingebaut, der sicherstellt, dass das
Rentenniveau weiterhin bei der Haltelinie von 48 Prozent bleibt."
Pressekontakt:
phoenix-Kommunikation
Telefon: 0228 / 9584 192
kommunikation@phoenix.de
Twitter.com: phoenix_de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/6511/6300728
OTS: PHOENIX
|