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Berlin (ots) - Möpse, Französische Bulldoggen oder Perserkatzen erfreuen sich
großer Beliebtheit - ihr rundes Gesicht und die kurze Schnauze gelten als
besonders "niedlich". Doch hinter diesen äußeren Merkmalen verbirgt sich ein
ernsthaftes Gesundheitsproblem: die stark ausgeprägte sogenannte Kurzköpfigkeit
oder Brachyzephalie. Dabei handelt es sich um eine extreme Verkürzung des
Schädels, die mit erheblichen gesundheitlichen Folgen einhergeht und die
Lebensqualität der Tiere deutlich beeinträchtigen kann.
Wenn das Atmen schwer fällt
Betroffene Hunde leiden häufig unter verengten Atemwegen, erschwerter Atmung und
eingeschränkter Belastbarkeit. Typische Anzeichen sind lautes Atmen, Schnarchen,
schnelle Erschöpfung oder sogar Atemnot in Ruhe. Dennoch werden diese Symptome
oftmals als "rassetypisch" wahrgenommen und nicht als Erkrankung erkannt.
Neben Atemproblemen kommt es häufig zu weiteren Problemen, etwa durch
Überhitzung, da betroffene Tiere ihre Körpertemperatur schlechter regulieren
können. Zusätzlich treten Hautprobleme, Zahnfehlstellungen, Augen- und
neurologische Erkrankungen bis hin zu epileptischen Anfällen sowie weitere
gesundheitliche Einschränkungen auf. In schweren Fällen kann die Lebenserwartung
deutlich verkürzt sein.
Auch Katzen sind betroffen
Auch Katzen mit extrem kurzer Schnauze, wie Perser oder Exotic Shorthair, sind
betroffen. Sie zeigen neben Atemproblemen häufig chronischen Tränenfluss,
Augenentzündungen und Hautprobleme im Gesichtsbereich. Die Symptome sind oft
weniger offensichtlich als beim Hund, werden jedoch ebenfalls häufig
unterschätzt.
Behandlungen sind nicht immer möglich
Medikamentöse und chirurgische Behandlungen können die Beschwerden teilweise
lindern, die zugrunde liegenden zuchtbedingten Probleme jedoch nicht beseitigen.
Viele betroffene Tiere benötigen wiederholte Behandlungen oder Operationen.
Diese sind mit Risiken und Belastungen für das Tier und teils erheblichen Kosten
verbunden. Dennoch erreichen nicht alle Tiere ein beschwerdefreies Leben und
bleiben dauerhaft gesundheitlich eingeschränkt.
Weitere kritische Merkmale
Neben der Kurzköpfigkeit gibt es außerdem andere genetisch verankerte Merkmale,
die zu gesundheitlichen Einschränkungen führen und daher als Qualzucht
eingestuft werden. Dazu zählen beispielsweise übermäßige Hautfalten,
Haarlosigkeit oder extreme Körperproportionen. Auch bestimmte Fellfarben wie der
Merle-Faktor können mit gesundheitlichen Problemen verknüpft sein.
Tierschutz geht vor
Aus Sicht der Tiergesundheit ist daher klar: Extreme körperliche Merkmale, die
zu chronischen Leiden führen, sind tierschutzrelevant und widersprechen dem
Grundgedanken einer verantwortungsvollen Tierhaltung.
Was bereits unternommen wird
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Initiativen gestartet, um auf
Qualzucht aufmerksam zu machen. Informationskampagnen, Aufklärungsangebote und
Datenbanken zu Qualzuchtmerkmalen tragen dazu bei, Wissen zu bündeln und
Tierhalter und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Ziel ist ein besseres
Bewusstsein für die Auswirkungen extremer Kopf- und Körperformen sowie weiterer
kritischer Merkmale und die langfristige Förderung tiergerechter Zuchtpraktiken.
Zum Teil haben Zuchtverbände bereits ihre Zuchtziele angepasst, Anpaarungen von
Merkmalsträgern (z.B. für bestimmte Farbgene) werden von seriösen Züchtern
ausgeschlossen. Auch gibt es Bemühungen über den Zuchtausschluss von Tieren mit
besonders ausgeprägten Merkmalen, schrittweise das Rassebild zu verbessern.
Was Tierhalterinnen und Tierhalter tun können
Eine nachhaltige Verbesserung kann nur erreicht werden, wenn gesundheitliche
Aspekte bei allen Beteiligten stärker in den Fokus rücken. Tierhalterinnen und
Tierhalter haben einen entscheidenden Einfluss. Vor der Anschaffung eines Tieres
sollte eine umfassende Information über rassetypische Gesundheitsrisiken
erfolgen. Die Wahl verantwortungsvoller Zuchtlinien und die Orientierung an
gesunden, funktionalen Merkmalen können dazu beitragen, Qualzucht langfristig zu
reduzieren.
Die Verringerung der Nachfrage nach Tieren mit zuchtbedingten
Gesundheitsproblemen ist ein entscheidender Faktor, das Angebot solcher Tiere
langfristig zu senken. Hierzu gehören neben der Aufklärung auch eine
zurückhaltende Darstellung der Tiere bestimmter Rassen in Werbung und sozialen
Medien.
Weitere Informationen: Qualzucht bei Haustieren: Hintergrund, rechtlicher Rahmen
und Bewertung (https://www.bft-online.de/kleintiergesundheit/qualzuchten)
Pressekontakt:
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Weitere Informationen:
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OTS: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.
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