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Berchtesgaden/Hilpoltstein (ots) - Das bundesweit bekannte Bartgeier-Projekt des
bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und
des Nationalparks Berchtesgaden geht in das sechste Jahr. Heute wurden die
beiden jungen Bartgeier "Alosa" und "Zierli" in einer Felsnische im Klausbachtal
erfolgreich ausgewildert. Die aktuell noch flugunfähigen Vögel werden in den
kommenden Wochen ihre Muskulatur trainieren, um dann zu ihren ersten Flügen
aufzubrechen. Seit 2021 konnten somit bereits zwölf Bartgeier in die Natur des
Nationalparks entlassen werden. 140 Jahre, nachdem der Mensch sie ausgerottet
hatte, fliegen die gefährdeten Giganten nun wieder durch die Lüfte der deutschen
Alpen. Ziel des Gemeinschaftsprojekts ist es, die alpine Population dieser
seltenen Vogelart in Zentraleuropa entscheidend zu stärken und sie vor allem in
den Ostalpen wiederanzusiedeln .
Nachdem die beiden jungen Bartgeier aus Zuchtstationen in den Nationalpark
gebracht worden waren, konnte das Bartgeier-Team beim Umladen der Vögel in die
Transportkisten einen ersten Blick auf sie werfen. Die diesjährigen Geier tragen
die Nahmen "Alosa" und "Zierli", wie der bayerische Umweltminister Thorsten
Glauber bekanntgab: "Der Nationalpark Berchtesgaden ist ein Hotspot der
Artenvielfalt und ein Naturschutzjuwel in Bayern. Die Rückkehr des Bartgeiers in
die bayerischen Alpen ist eine große Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Mit
Alosa und Zierli werden nun zwei weitere junge Bartgeier ausgewildert und
leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Bartgeierpopulation in den
Alpen."
"Mit nun zwölf erfolgreich ausgewilderten Bartgeiern sind wir auf einem guten
Weg, diesen wichtigen Aasfresser endgültig in unsere heimische Gebirgswelt
zurückzubringen. Schon jetzt kehrt ein Großteil der Vögel bei ihren weiten
Wanderungen durch den Alpenraum immer wieder in den Nationalpark zurück", sagt
der Leiter des Nationalparks Berchtesgaden Dr. Roland Baier .
"In ihrer neuen Heimat im Klausbachtal werden sich die jungen Bartgeier in den
kommenden Wochen ohne jeglichen direkten Kontakt zu Menschen entwickeln. Ein
intensives wissenschaftliches Monitoring soll sicherzustellen, dass sie sich gut
aneinander und an die völlig neue Umgebung gewöhnen", erklärt der
LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer .
Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass die beiden Jungvögel zum ersten Mal
aus Belgien und Frankreich kommen. Sie wurden im Zuchtzentrum Asters
(Hoch-Savoyen) und im Tierpark Pairi Daiza (südl. v. Brüssel) bzw. im Zoo
Beauval (Zentralfrankreich) im Rahmen des internationalen
Zuchterhaltungsprogramms (EEP) für das Projekt in den Berchtesgadener Alpen
großgezogen. In den vergangenen Jahren stammten die Geier aus Zoos und
Zuchtzentren in Spanien, Österreich und Finnland.
Namen für die neuen Bartgeier
Das Weibchen "Alosa" hat am 20. März im französischen Zuchtzentrum Asters das
Licht der Welt erblickt. Ihr Name steht für die Artenschutzbemühungen der
gleichnamigen Naturschutzstiftung, die das Bartgeierprojekt seit vielen Jahren
maßgeblich unterstützt. Der zweite Jungvogel schlüpfte am selben Tag im
belgischen Tierpark Pairi Daiza und wurde als Ammenvogel an den französischen
Zoo Beauval weitergegeben, wo er von einem erfahrenen Bartgeiermännchen
großgezogen wurde. Der Vogel hat zu Ehren von Dr. Hubert Zierl den Namen
"Zierli" erhalten. Dr. Zierl war von 1978 bis 2001 der erste Leiter des
Nationalparks Berchtesgaden und feierte heuer seinen 90. Geburtstag. Erst in ein
bis zwei Wochen wird nach Auswertung eines Bluttests bekannt sein, ob es sich
hierbei um einen männlichen oder weiblichen Vogel handelt.
"Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist in etwa drei Wochen mit dem ersten
selbstständigen Ausflug der beiden Geier aus der Nische zu rechnen", erwartet
Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel . Die Jungvögel werden auch ohne
elterliche Vorbilder über den Sommer hinweg alle nötigen Fähigkeiten für ein
Leben in den Alpen erlernen. Allerdings ist damit zu rechnen, dass einige der
bisher bereits ausgewilderten Geier ihre jungen Artgenossen besuchen werden. "Es
ist sehr wahrscheinlich, dass Nepomuk, Generl oder Wiggerl die Neuankömmlinge in
der Nische inspizieren werden. Diese erfahreneren Bartgeier aus unserem Projekt
können ihnen wichtige Fähigkeiten im Luftraum oder an den Futterplätzen
vermitteln.
"Das in diesem Jahr vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Projekt hat etwa
die Hälfte seiner Laufzeit erreicht. Noch bis ca. 2030 wollen die
Kooperationspartner LBV und Nationalpark Berchtesgaden jährlich Bartgeier
auswildern. "Ziel ist es, eine Population des friedlichen Großvogels in den
Nordostalpen zu etablieren, die ohne menschliche Unterstützung auskommt",
erklärt LBV-Projektleiter und Bartgeierexperte Toni Wegscheider .
Live-Webcam in Felsnische
Wie sich die beiden Bartgeier entwickeln und wie sie ihre ersten Flugübungen
absolvieren, kann jede und jeder im Internet mitverfolgen. Über die weltweit
einzige Bartgeier-Live-Webcam werden die Geschehnisse in der Auswilderungsnische
unter http://www.lbv.de/bartgeier-webcam sowie unter
http://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de übertragen. In den
darauffolgenden Monaten und Jahren kann auch der weitere Lebensweg der beiden
Vögel verfolgt werden. Mithilfe der GPS-Sender auf den Rückender Vögel können
Interessierte auf einer Karte unter http://www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen
sehen, wo die Bartgeier sich künftig aufhalten.
Zum Projekt:
Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu
2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20.
Jahrhunderts war der majestätische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im
Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger
Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches
Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische
Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit
Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen
seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die
natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom
bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und
dem Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam initiiertes und betreutes Projekt zur
Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen
greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die
alpenweite Wiederansiedelung. Dafür werden in den kommenden Jahren im
Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert - im Jahr 2021 erstmals in
Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl
von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen. Mehr Informationen
zum Projekt unter http://www.lbv.de/bartgeier-auswilderung .
Pressekontakt:
Für Rückfragen LBV-Pressestelle:Markus Erlwein |Stefanie Bernhardt | Franziska
Back, E-Mail: presse@lbv.de, Tel.: 09174 / 4775 -7180 | -7184 | -7187. Mobil:
0172-6873773.
Nationalpark Berchtesgaden Pressestelle:Carolin Scheiter, E-Mail:
pressestelle@npv-bgd.bayern.de, Tel: 08652 / 9686-130.
Fotos finden Sie unter www.lbv.de/bartgeier-presse
Bitte beachten Sie den dortigen Hinweis zur Verwendung!
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/146961/6301317
OTS: Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) e. V.
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