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Berlin (ots) - Problematischer Konsum von Alkohol, Cannabis oder anderen
Suchtmitteln ist auch in der Arbeitswelt ein relevantes Thema. Das zeigt eine
aktuelle repräsentative Befragung im Auftrag des Spitzenverbandes der
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
(DGUV): Jedem vierten Beschäftigten (25 Prozent) sind demnach aus den
vergangenen zwei Jahren Fälle bekannt, in denen Kolleginnen oder Kollegen durch
einen problematischen Umgang mit Suchtmitteln aufgefallen sind. Anlässlich des
Internationalen Tages gegen Drogenmissbrauch am 26. Juni weisen
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen daher auf die Bedeutung einer wirksamen
Suchtprävention in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen hin.
Suchtprävention als Teil eines wirksamen Arbeitsschutzes
"Suchtmittelkonsum kann die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz
beeinträchtigen und das Unfallrisiko erhöhen. Unsere Befragung zeigt, dass
problematischer Konsum in vielen Betrieben zwar wahrgenommen, aber oft nicht
offen angesprochen wird. Für wirksame Prävention bedeutet das: Risiken
frühzeitig erkennen, offen ansprechen und Betroffene unterstützen, bevor aus
Problemen Krisen entstehen", sagt Dr. Stephan Fasshauer, Hauptgeschäftsführer
der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).
Berufsgenossenschaften und Unfallkassen beraten ausführlich zu Fragen der
Suchmittelprävention, zurückgreifen könnten die Unternehmen zudem auf die
Präventionsangebote der anderen Sozialversicherungszweige. "Im Rahmen der
Nationalen Präventionsstrategie arbeiten Unfall-, Renten- und
Krankenversicherung daran, ihre Angebote noch besser zu vernetzen und
zugänglicher zu machen", so Fasshauer, der in diesem Jahr auch Vorsitzender der
Nationalen Präventionskonferenz (NPK) ist.
Alkohol bleibt häufigstes Problem
Am häufigsten wird Alkohol als problematisches Suchtmittel genannt. 21 Prozent
der Befragten berichten von entsprechendem Konsum in ihrem Arbeitsumfeld.
Dahinter folgen Cannabis und Nikotin mit jeweils 5 Prozent. Jeweils 4 Prozent
nennen illegale Drogen oder den Missbrauch von Medikamenten.
Besonders häufig berichten Beschäftigte aus den Bereichen Verkehr und Logistik
(35 Prozent), Sozialwesen (32 Prozent), öffentliche Verwaltung (31 Prozent) und
verarbeitendes Gewerbe (30 Prozent) von problematischem Konsum.
Viele Beschäftigte kennen betriebliche Regelungen nicht
Obwohl klare Regelungen für den Umgang mit Suchtmittelproblemen wichtig sind,
kennt nur etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten (54 Prozent) die
entsprechenden Vorgaben ihres Unternehmens. Fast jede zweite Person (46 Prozent)
weiß nicht, welche Regelungen am Arbeitsplatz gelten.
Immer mehr Unternehmen setzen sich aktiv mit dem Thema auseinander und schaffen
dafür verbindliche Strukturen: 48 Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem
Unternehmen eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung zum Umgang mit Suchtmitteln
vorhanden ist.
Beschäftigte würden helfen - fühlen sich aber oft unsicher
Die Mehrheit der Erwerbstätigen (71 Prozent) traut sich zu, zu erkennen, wenn
jemand bei der Arbeit unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht. Gleichzeitig
würden nur 57 Prozent Kolleginnen oder Kollegen direkt auf einen problematischen
Konsum ansprechen.
Positiv ist: 63 Prozent der Beschäftigten wissen, an wen sie sich im Unternehmen
bei Fragen rund um das Thema Sucht wenden können. Externe Beratungsangebote
kennen hingegen nur 45 Prozent.
"Um Suchtmittelkonsum am Arbeitsplatz vorzubeugen, bedarf es klarer Regelungen,
die im Unternehmen verständlich kommuniziert werden sollten. Ebenso sollte die
Arbeitsgestaltung darauf ausgerichtet sein, sowohl anhaltenden Stress als auch
dauerhafte Unterforderung zu vermeiden, da beides den Konsum von Suchtmitteln
begünstigen kann. Werden Sicherheit, Gesundheit und ein verantwortungsvoller
Umgang mit Suchtmitteln aktiv in der Unternehmenskultur verankert, sinkt das
Risiko eines problematischen Konsums deutlich", sagt Dr. Marlen Cosmar, DGUV
Präventionsexpertin.
Unternehmenskultur überwiegend zurückhaltend
Die Befragung zeigt, dass viele Beschäftigte beim Thema Sucht keine offene
Gesprächskultur erleben. Lediglich 28 Prozent der Befragten beschreiben ihre
Unternehmenskultur als transparent und geben an, dass offen über das Thema
gesprochen werden könne. Fast die Hälfte (49 Prozent) empfindet den Umgang mit
dem Thema als eher zurückhaltend. Weitere 11 Prozent bezeichnen das Thema sogar
als Tabu.
Präventionsangebote der Unfallversicherung
Die Unfallversicherungsträger - Berufsgenossenschaften und Unfallkassen -
informieren, unterstützen und beraten Betriebe und Organisationen bei der
Suchtprävention. Sie qualifizieren betriebliche Akteure zur Suchtprävention,
helfen bei der Erstellung von Betriebsvereinbarungen und führen
Informationsveranstaltungen durch. Weitere Informationen zum Thema
Suchtprävention in der Arbeitswelt sowie konkrete Handlungsempfehlungen gibt es
auf der Website der DGUV
(https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/suchtpraevention/index.jsp) .
Das Web-Based Training "Suchtprävention in der Arbeitswelt" von der Initiative
Gesundheit und Arbeit (iga) ermöglicht einen niedrigschwelligen Einstieg in das
Thema. Damit steht Betrieben, Führungskräften und Beschäftigten ein praxisnahes
und digitales Lernangebot zur Verfügung, das flexibel und jederzeit genutzt
werden kann. Direkt zum Web-Based Training hierüber (https://www.iga-info.de/ver
oeffentlichungen/web-based-trainings/suchtpraevention-in-der-arbeitswelt) .
Kulturdialoge: Prävention - Dialogkarten zum Thema Sucht: Mit den Dialogkarten
Sucht können Teams selbst ermitteln, wie aktuell im Unternehmen mit dem Thema
umgegangen wird. Die Einstufung mit dem Fünf-Stufenmodell der DGUV hilft, die
Qualität des Suchtmanagements zu beurteilen und Verbesserungsmaßnahmen
abzuleiten. Mehr zu den Kulturdialogen: Prävention hier (https://www.dguv.de/de/
praevention/visionzero/kulturderpraevention/kulturdialoge/index.jsp) .
Über die Befragung
Im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat forsa
Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH eine
repräsentative Befragung zum Thema "Suchtprävention am Arbeitsplatz" unter
Erwerbstätigen in Deutschland durchgeführt. Im Rahmen der Untersuchung wurden
insgesamt 2.016 Erwerbstätige (darunter 554 Führungskräfte) in Unternehmen mit
mindestens zwei Mitarbeitenden befragt. Die Erhebung wurde im 11. bis 16. Juni
2026 im Rahmen eines repräsentativen Online-Panels durchgeführt.
Die forsa Befragungsergebnisse stehen hier zum Download (PDF, 274 kB, nicht
barrierefrei) (https://www.vorschau.dguv.de/medien/inhalt/mediencenter/pm/presse
archiv/2026/quartal_2/20260624_forsa_suchtpraevention-am-arbeitsplatz.pdf)
bereit.
Pressekontakt:
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV)
Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften
und der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand
Glinkastraße 40, 10117 Berlin
Pressesprecher Stefan Boltz
Tel.: +49 30 13001-1414
E-Mail: mailto:presse@dguv.de
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