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Berlin/Essen (ots) - Deutschland wird radikal älter. Dennoch möchte jeder
möglichst lange gesund, mobil und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden
leben. Dabei völlig unverzichtbar: die tägliche Arbeit von Sanitätshäusern und
Homecare-Anbietern. Menschen, die nach einem Unfall oder einer Operation
professionell mit medizinischen Hilfsmitteln versorgt werden müssen, sind
zwingend auf diese Unterstützung angewiesen. So werden zahlreiche Operationen
vermieden und Milliarden Euro gespart. Aber die aktuellen Rahmenbedingungen -
lähmende Bürokratie, Kostendruck, verschleppte Digitalisierung und der geplante
Drei-Prozent-Abschlag auf erbrachte Leistungen - erschweren diese
systemrelevante Aufgabe massiv. Diese Tatsache belegt die heute in Berlin
veröffentlichte HilfsmittelStudie 2026.
Rund 1000 Mitarbeitende aus der Sanitätshaus- und Homecare-Branche haben an
dieser zukunftspsychologischen Studie teilgenommen - der bislang größten in
dieser Branche. Gemeinsam zeichnen sie das Bild einer demokratierelevanten, für
die Gesundheitsversorgung unverzichtbaren Branche, die seit Jahren von
politischen Vorgaben ausgebremst wird. Diese Situation ist unverantwortlich,
obwohl die Branche in Zukunft eine noch zentralere Rolle bei der Prävention und
der Sicherung von Lebensqualität und Mobilität spielen kann. Die Zukunft heißt
"Care-Navigation".
"Die Hilfsmittelbranche ist weit mehr, als ihre Branchenbezeichnung vermittelt",
so Prof. Dr. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung
(https://www.zukunftsstiftung.optadata.de/) , die die Studie gemeinsam mit dem
Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement (https://izz.sfu.ac.at/)
der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien und in Kooperation mit dem
Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (https://biv-ot.org/) (BIV-OT) und
dem Verband Versorgungsqualität Homecare e. V. (https://www.vvhc.info/) (VVHC)
durchgeführt hat. "Individuelle Hilfsmittelversorgung macht verlorene oder
eingeschränkte Funktionen durch technische Lösungen wieder verfügbar: Mobilität,
Stabilität, Greiffähigkeit, Pflegefähigkeit, Orientierung, Sicherheit und
Selbstständigkeit. Wer diese Versorgung leistet, organisiert Alltag und gibt
Menschen die Möglichkeit, trotz Krankheit, Alter, Behinderung, Einschränkung
oder Pflegebedarf handlungsfähig zu bleiben. Es geht um Würde, Teilhabe und oft
um die Frage, ob ein Mensch weiter zu Hause leben kann oder auf stationäre
Strukturen angewiesen ist."
Wachsende Bedeutung, aber geringe Wahrnehmung
Im deutschen Gesundheitssystem, das sich in den kommenden Jahren radikal
verändern wird, sind Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter also von
existentieller Bedeutung. So leisten schon heute Homecare-Unternehmen eine
koordinierende Begleitung von Patienten durch ein zunehmend komplexes und
unübersichtliches System, insbesondere beim Übergang vom Krankenhaus in die
häusliche Versorgung. Davon, dass diese Verantwortung angesichts einer stetig
alternden Bevölkerung, der steigenden Zahl multimorbider Patienten und einer
fortschreitenden Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung weiterwachsen wird,
sind 88 Prozent der Studienteilnehmer überzeugt. Gleichzeitig sehen sie jedoch,
dass sie von Gesellschaft und Politik bislang nicht als tragende Säule des
Gesundheitswesens wahrgenommen werden. Im Gegenteil: So fühlen sich 93 Prozent
der Befragten von der aktuellen Gesundheitspolitik nicht ausreichend vertreten.
Wirtschaftliche Existenz bereits jetzt gefährdet
Das am 29. April vom Bundeskabinett verabschiedete
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) wird diese Einschätzung
bestätigen. Denn mit diesem Gesetz sollen durch einen pauschalen
Drei-Prozent-Abschlag auf bereits vereinbarte Vertragspreise und weitere
Maßnahmen Kosteneinsparungen erzielt werden. In der Branche trifft diese
Entscheidung auf großes Unverständnis. Befürchtet werden nicht nur Abstriche in
der Qualität der Patientenversorgung, sondern auch massive wirtschaftliche
Folgen: 76 Prozent sehen die Existenz der Betriebe bereits jetzt durch die
aktuelle Vergütungsstruktur langfristig gefährdet. Mit einem
Drei-Prozent-Abschlag werden Hilfsmittelanbieter noch stärker als bisher zur
Ader gelassen.
Enormer Kostendruck, erdrückende Bürokratie
Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen treffen also eine Branche, die
ohnehin vor zahlreichen Herausforderungen steht. So geben 81 Prozent der
Befragten an, dass der Fachkräftemangel die zukünftige Patientenversorgung
deutlich beeinträchtigen wird. Die Zahl der zu versorgenden Menschen wird in den
nächsten Jahren weiter steigen, aber auf immer weniger Menschen treffen, die
diese Versorgung tatsächlich leisten können.
Vor allem aber spielen - wie in allen Bereichen des Gesundheitswesens - Zeit und
Geld eine entscheidende Rolle: 84 Prozent der Befragten befürchten, dass sich
die Versorgung durch den steigenden Kostendruck und überbordende Bürokratie
verschlechtern wird. Schon heute wenden, so ein weiteres Studienergebnis,
Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter über 30 Prozent ihrer Betriebszeit für die
Erledigung bürokratischer Abläufe auf - Zeit, die in die Patientenversorgung
sehr viel besser investiert wäre. Zu den Gründen zählt vor allem eine
Besonderheit, die in der Branche als "Vertragsdschungel" bekannt ist: Wer seine
Leistungen gegenüber mehr als 90 gesetzlichen Krankenkassen abrechnet, erledigt
dies auf Grundlage von individuellen Verträgen. Um alle gesetzlich Versicherten
zu versorgen, müsste er mehrere hundert verwalten. Das kann sich kein
Leistungserbringer wirtschaftlich leisten. Dass sich 80 Prozent der Befragten
mehr Einfluss auf die Krankenkassen und die Vertragsgestaltung und 69 Prozent
eine deutliche Entbürokratisierung wünschen, ist daher nachvollziehbar.
Entlastung durch Digitalisierung
Große Hoffnungen werden schließlich auch in digitale Technologien und Künstliche
Intelligenz gesetzt. 77 Prozent erwarten, dass diese zu tiefgreifenden
Veränderungen in der Versorgung führen werden, die vor allem Patienten
zugutekommen. Denn jeder Prozess, der effizienter gestaltet wird - 76 Prozent
sehen darin den Hauptnutzen der Digitalisierung -, schafft mehr Zeit für
Versorgung und persönliche Betreuung. In den Worten eines Studienteilnehmers:
"Digitalisierung muss uns entlasten, damit wir uns wieder mehr auf den Menschen
konzentrieren können." Und auch in der Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie
Ärztinnen und Ärzten, Kliniken und Pflegediensten soll die Digitalisierung nach
Ansicht der Befragten eine entscheidende Rolle spielen: 75 Prozent wünschen sich
eine digitale Vollvernetzung.
Das Modell der Zukunft: Care-Navigation
"Die entscheidende Entwicklung in der Hilfsmittelbranche wird jedoch keine
technologische sein", fasst Prof. Dr. Druyen die Ergebnisse der Studie zusammen.
"Die Zukunft der Hilfsmittelbranche und damit die Zukunft der
Patientenversorgung wird das sein, was wir 'Care-Navigation' nennen - ein neues
Berufsbild, ein neues Versorgungsmodell." Die Kernidee: In einem fragmentierten
System von zahlreichen, bislang nicht vernetzten Akteuren begleiten
Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter den Patienten durch den gesamten
Versorgungspfad, dies nicht allein mit medizinischen Hilfsmitteln, sondern mit
Beratung, häuslicher Versorgung, Nachsorge, Prävention und mehr. Denn das ist
das eigentliche Ziel: Menschen zu helfen, möglichst lange gesund, mobil und
selbstbestimmt zu leben - und das ohne bürokratische Umwege.
Studie online verfügbar
Die vollständige HilfsmittelStudie 2026 kann ab dem 25. Juni kostenlos auf der
Website der opta data Zukunfts-Stiftung heruntergeladen werden: http://www.zukun
ftsstiftung.optadata.de/forschung/studien/sanitaetshausstudie-2025-2026/
Pressekontakt:
Dr. Frank Unterberg (Presse), 01511 8802955,
mailto:f.unterberg@optadata-gruppe.de
Linda Kaiser M.Sc. (Studienleitung), 01511 5013779,
mailto:l.kaiser@optadata-gruppe.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/164251/6302063
OTS: opta data Zukunfts-Stiftung gGmbH
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