|
Düsseldorf (ots) - Reform stärkt Apotheken und soll angesichts anhaltender
Schließungen wichtige Impulse setzen
Die Zahl der öffentlichen Apotheken im Kammerbezirk Nordrhein ist im ersten
Halbjahr 2026 weiter gesunken. Zum Stichtag 1. Juli 2026 versorgten noch 1.886
Apotheken die Menschen zwischen Rhein und Ruhr und damit zehn weniger als zu
Jahresbeginn (1.896). Insgesamt standen vier Neueröffnungen 14 Schließungen
gegenüber.
Die Auswirkungen der Apothekenschließungen sind regional unterschiedlich
spürbar. Während sich in ländlichen Regionen die Wege zur nächsten Apotheke
weiter verlängern, entstehen in den Städten oft übersehene Belastungen. Gerade
in dicht besiedelten Regionen zeigt sich dieser Effekt zunehmend: weniger
Standorte bei gleichbleibendem Versorgungsbedarf.
"Gerade in größeren Städten bleiben die Wege zur nächstgelegenen Apotheke trotz
Schließungen kurz. Aber die verbliebenen Betriebe müssen die Patientinnen und
Patienten der geschlossenen Apotheken mitversorgen", erklärt Dr. Armin Hoffmann,
Präsident der Apothekerkammer Nordrhein. "Das führt zwangsläufig zu längeren
Wartezeiten für Patientinnen und Patienten und einer deutlich höheren
Arbeitsbelastung für die Teams in den Apotheken. Den Trend, dass Quartal für
Quartal mehr Apotheken schließen als neue eröffnen, beobachten wir seit mehr als
25 Jahren."
Mit dem Inkrafttreten des Apothekenversorgungsweiterentwicklungsgesetzes
(ApoVWG) werden dieses Jahr wichtige Verbesserungen auf den Weg gebracht.
Apotheken können ihre Rolle in der Patientenversorgung weiter ausbauen. Neue
pharmazeutische Dienstleistungen oder erweiterte Impfkompetenzen stärken die
wohnortnahe Versorgung - Apotheken sind Teil der Primärversorgung.
"Die Reform geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zusätzlichen
Kompetenzen zeigen, wie wichtig Apotheken für eine moderne, niederschwellige
Gesundheitsversorgung sind", sagt Hoffmann. "Viele Apothekenteams können diese
neuen Möglichkeiten schon bald aktiv nutzen und ihre Versorgungsangebote
weiterentwickeln."
Auch wirtschaftlich gibt es durch das Gesetz ein lange erwartetes, positives
Signal: Erstmals seit mehr als 13 Jahren gibt es eine Erhöhung des
Apothekenhonorars. In einem ersten Schritt wird die Vergütung bereits zum 1.
Juli 2026 von 8,35 Euro auf 9,00 Euro pro abgegebener verschreibungspflichtiger
Packung erhöht. Anfang 2027 soll eine Anhebung auf 9,50 Euro folgen.
Gleichzeitig wird ein Teil der positiven Effekte durch neue gesetzliche
Belastungen relativiert. Ein aktueller Regierungsentwurf zur Stabilisierung der
Krankenkassen sieht vor, dass Apotheken künftig einen größeren Teil ihres
Honorars an die gesetzlichen Krankenkassen zu Stabilisierung der GKV-Finanzen
abführen müssen. Damit wird ein Teil der Honoraranhebung faktisch wieder
aufgezehrt.
"Dass das Honorar endlich angehoben wurde, ist ein wichtiger Schritt nach
vorne", sagt Hoffmann. "Wenn jetzt aber auf der anderen Seite die
Honorarerhöhung wieder abgezweigt wird, droht der Effekt zu verpuffen", warnt er
jedoch. "Für viele Betriebe bleibt die wirtschaftliche Perspektive damit
unsicher."
Die Anforderungen an das Gesundheitssystem wachsen weiter. Insbesondere vor dem
Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung gewinnt die Primärversorgung
zunehmend an Bedeutung. Apotheken können hier einen wichtigen Beitrag leisten,
um das System zu entlasten. Die Apothekenreform hat dafür wichtige
Voraussetzungen geschaffen. Entscheidend bleibt jedoch ein stabiles
wirtschaftliches Fundament.
"Apotheken sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung - in
der Stadt wie auf dem Land", betont Hoffmann. "Damit das auch in der Zukunft so
bleibt, brauchen die Betriebe verlässliche Rahmenbedingungen und echte
wirtschaftliche Planungssicherheit."
Über uns: Apothekerkammer Nordrhein
Die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) ist als Körperschaft des öffentlichen
Rechts Trägerin der berufsständischen Selbstverwaltung der Apothekerinnen und
Apotheker, die in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf arbeiten oder
leben. Sie vertritt die Interessen der über 12.200 Kammerangehörigen, die in
öffentlichen Apotheken, Krankenhäusern, Wissenschaft, Industrie und Verwaltung
oder bei der Bundeswehr tätig sind. Die Apotheke vor Ort übernimmt eine
hoheitliche Aufgabe: die sichere, vom Heilberuf getragene, wohnortnahe
Versorgung der Menschen mit Arznei- und Hilfsmitteln, 365 Tage im Jahr, rund um
die Uhr.
Übersicht Neueröffnungen und Schließungen öffentlicher Apotheken
Vor allem für regionale Medien steht eine Übersicht pro Kreisstelle auf der
Internetseite der AKNR im Bereich "Presse" zur Verfügung. Für folgende
Kreisstellen liegen detaillierte Informationen zu Schließungen und
Neueröffnungen im ersten Quartal dieses Jahres vor: Bonn, Duisburg, Düren,
Düsseldorf, Erftkreis, Essen, Euskirchen, Heinsberg, Kleve, Köln, Krefeld,
Leverkusen, Mettmann, Mönchengladbach, Mülheim, Neuss, Oberbergischer Kreis,
Oberhausen, Remscheid, Rhein-Berg.-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Solingen,
Städteregion Aachen, Viersen, Wesel, Wuppertal. Die entsprechende Tabelle ist
auch über diesen Kurzlink zu erreichen: https://ak.nrw/pm260702
Pressekontakt:
Daniel Böhne
Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Apothekerkammer Nordrhein
Poststr. 4
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 8388-113
https://www.aknr.de/presse
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/15266/6307276
OTS: Apothekerkammer Nordrhein
|