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Berlin (ots) - Verbändeallianz warnt vor Fehlanreizen bei der Reform und legt
gemeinsamen Anforderungskatalog an neue Netzentgelte vor.
Die Verbändeallianz Energieintensive Ernährungsindustrie, ein Zusammenschluss
aus 17 Wirtschaftsverbänden, mahnt bei der Reform der Allgemeinen
Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) zur Vorsicht. Falsche regulatorische Anreize
gefährden notwendige Investitionen in Elektrifizierung, Eigenversorgung und
Flexibilität der Betriebe. Die Allianz fordert in einem gemeinsamen
Positionspapier eine Netzentgeltsystematik, die tatsächliche Netzdienlichkeit
honoriert und mittelständische Unternehmen fair behandelt.
"Die Netzentgeltreform ist nicht nur eine energiepolitische, sondern auch eine
industrie- und versorgungspolitische Schlüsselentscheidung. Wer Elektrifizierung
politisch fordert, darf Unternehmen nicht gleichzeitig über die Netzentgelte
ausbremsen. Die Reform muss Investitionen in klimafreundliche Technologien
anreizen und netzdienliches Verhalten gezielt honorieren. Nur so lassen sich
Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz gleichermaßen
stärken", erklärt Dr. Bernhard J. Simon, Vorsitzender der Bundesvereinigung der
Deutschen Ernährungsindustrie.
Die sechs Kernforderungen der Verbändeallianz lauten:
- Keine starre Verbrauchsschwellen: Die Allianz lehnt Überlegungen strikt ab,
den Zugang zu Übergangsregelungen auf eine Mindestabnahme von 10 GWh/a zu
beschränken. Dies würde mittelständische Betriebe von essenziellen
Entlastungen ausschließen.
- Praxistaugliches Zwei-Säulen-Modell für Flexibilität: Die bisherigen
Vorschläge werden der Vielfalt der Industrieprozesse nicht gerecht. Die
Allianz fordert ein Modell aus zwei Nachweisoptionen: Es braucht sowohl eine
"Zertifizierte Flexibilität" für Betriebe mit verfahrenstechnisch geringerer
Prozessflexibilität als auch einen unbürokratischen Zugang zu "Flexiblen
Netzentgelten" bei direkter Reaktion auf Netzsignale. Zudem müssen
Lastverschiebung, Lastzuschaltung und Stromeinspeisung als gleichwertige
netzdienliche Leistungen anerkannt werden.
- Eigenversorgung und hybride Anlagen absichern: Bestehende Investitionen in
hocheffiziente Eigenerzeugungsanlagen (PV, KWK) sowie Speicherlösungen
benötigen Bestandsschutz. Zudem müssen Strommengen, die über Power-to-Heat und
hybride Systeme netzdienlich flexibilisiert werden, gezielt von Netzentgelten
befreit werden.
- Planungssicherheit durch verlässliche Übergangsfristen: Industrielle
Investitionszyklen umfassen Zeiträume von bis zu zwanzig Jahren. Es braucht
eine verlässliche Übergangsfrist von zehn Jahren für alle Bestandsnutzer der
Bandlast- und Atypik-Regelungen ohne diskriminierende GWh-Grenzen.
- Erhalt des industriellen Poolings: An komplexen Verbundstandorten muss die
gemeinsame netzentgeltliche Bewertung mehrerer Übergabestellen zwingend
erhalten bleiben und weiterentwickelt werden.
- Verpflichtende Probe-Preisblätter: Tiefgreifende Änderungen dürfen nicht ohne
belastbare Datenbasis erfolgen. Die Netzbetreiber müssen noch in 2026
verlässliche Probe-Preisblätter vorlegen, um die finanziellen Folgen vor einer
endgültigen Entscheidung transparent offenzulegen.
"Besonders bei der Prozesswärme haben wir in der energieintensiven
Ernährungsindustrie große Potentiale in der Flexibilisierung. Die Netzentgelte
können Anreiz schaffen, in hybride Anlagen und thermische Speicher zu
investieren. Hierdurch werden unsere Unternehmen in die Lage versetzt, flexibel
zwischen Gas und Strom wechseln und so einen wichtigen Beitrag zur
Netzstabilität sowie zur Senkung der Netzentgelte leisten. Wir sind starke
Partner der Energiewende!", betont OVID-Präsidentin Jaana Kleinschmit von
Lengefeld. "Diese Potenziale müssen gefördert und dürfen nicht durch neue Hürden
und ungeeignete Netzentgelte blockiert werden."
Das Positionspapier ist hier abrufbar. (https://www.ovid-verband.de/artikel/posi
tionen/anforderungen-an-eine-investitionsfreundliche-netzentgeltreform)
Hintergrund
Die deutsche Ernährungsindustrie sichert die flächendeckende Versorgung in
Deutschland und Europa. Mit knapp 6.100 Betrieben, einem Jahresumsatz von rund
241 Milliarden Euro und mehr als 670.000 Beschäftigten ist sie nach Umsatz der
drittgrößte Industriezweig Deutschlands. Als stark mittelständisch geprägte
Branche, in der rund 90 Prozent dem KMU-Sektor angehören, verantwortet sie etwa
zehn Prozent des industriellen Energieverbrauchs und weist den drittgrößten
Strombedarf des verarbeitenden Gewerbes auf. Laut Fraunhofer ISI-Studie
"FlexErnährungsindustrie" ist die Elektrifizierung vieler Prozesse technisch
machbar. Hohe Energiekosten und fehlende Investitionssicherheit bremsen die
wirtschaftliche Umsetzung jedoch aus.
Die Allianz Energieintensive Ernährungsindustrie ist ein Zusammenschluss von 17
Verbänden. Diese Branchen verfügen über energieintensive Produktionsprozesse und
sichern täglich die Versorgung mit Lebensmitteln.
Pressekontakt:
Cornelia Schröpfer
OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden
Industrie in Deutschland e. V.
Am Weidendamm 1A, 10117 Berlin
Tel: +493072625932
mailto:presse@ovid-verband.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/77329/6308822
OTS: OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschl
and e. V.
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