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Berlin (ots) - Deutschland verbindet sicherheitsrelevante Forschung und
wirtschaftliche Innovation bislang nur selten systematisch. Eine neue Analyse
von Stifterverband und McKinsey & Company zeigt: Bei engerer Verzahnung ließe
sich unter geeigneten Rahmenbedingungen ein zusätzliches wirtschaftliches
Potenzial von bis zu rund 22 Milliarden Euro jährlich durch zusätzliche
Investition in sicherheitsrelevante Forschung erschließen.
Deutschland verfügt über erhebliche Potenziale in sicherheits- und
verteidigungsrelevanter Forschung. Leistungsfähige Hochschulen,
außeruniversitäre Forschung, starke Industrie, innovative Start-ups und
regionale Technologiecluster bilden eine breite Ausgangsbasis. Allein von den
419 untersuchten Hochschulen ist mehr als die Hälfte in Forschungsfeldern aktiv,
die für sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen nutzbar sind. Doch
aus diesem Potenzial entsteht bislang zu selten konkrete Wirkung für Sicherheit,
technologische Souveränität und wirtschaftliche Wertschöpfung. Das zeigt die
Studie "Sicherheits- und Verteidigungsforschung neu denken: Innovationskraft für
Souveränität und Wertschöpfung" von Stifterverband und McKinsey & Company.
Doppelte Dividende: Sicherheit und Wertschöpfung
Dabei kann sicherheitsrelevante Forschung einen doppelten Nutzen entfalten: Sie
stärkt Verteidigungsfähigkeit, Resilienz und technologische Souveränität.
Gleichzeitig kann sie Produktivität, Innovation und wirtschaftliche Leistung
erhöhen. Unter geeigneten Rahmenbedingungen können Investitionen in
verteidigungsbezogene Forschung langfristig erhebliche Multiplikatoreffekte
auslösen. Wie groß dieser Hebel ist, zeigt der Vergleich mit den USA: Dort löst
jeder in verteidigungsbezogene Forschung investierte Euro langfristig 1,70 bis
2,00 Euro gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung aus. In Deutschland sind es der
Analyse zufolge derzeit nur rund 0,94 Euro.
Um ein Potenzial auf US-Niveau auch in Deutschland zu heben, müssen laut Studie
zwei Faktoren zusammenkommen: Erstens höhere sicherheitsrelevante
Forschungsinvestitionen, die von rund 0,08 auf das US-Niveau von 0,36 Prozent
des BIP steigen. Zweitens bessere Übergänge von der Forschung über die Erprobung
bis zur industriellen Anwendung, sodass jeder investierte Euro künftig deutlich
mehr Wertschöpfung erzeugt. Nach dem Modell der Studie ließe sich damit ein
zusätzliches Potenzial von bis zu rund 22 Milliarden Euro jährlich erschließen.
"Resilienz und Verteidigungsfähigkeit sowie wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit
speisen sich aus derselben Quelle: Viele der Technologien, die die
Verteidigungsfähigkeit stärken, treiben über Zeit auch Wachstum und Innovation
in der zivilen Wirtschaft. Wer in sicherheitsrelevante Forschung investiert,
investiert damit im besten Fall auch in den Wirtschaftsstandort", sagt Julia
Klier, Senior Partnerin bei McKinsey & Company.
Vier Engpässe auf dem Weg von Forschung zu Wirkung
Die Studie identifiziert vier zentrale Engpässe, die verhindern, die volle
Wirkung von Investitionen in Sicherheitsforschung auszuschöpfen: Erstens fehlt
eine klare, technologieoffene Übersetzung von Sicherheitsanforderungen in
Forschungs- und Innovationsprioritäten. Zweitens ist die Finanzierung entlang
der Innovationskette insbesondere beim Übergang von Forschung und Demonstration
zu Erprobung, Beschaffung und industrieller Skalierung lückenhaft. Drittens ist
die Kooperation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Staat, Start-ups und
Sicherheitsakteuren zu wenig institutionalisiert. Als Folge werden
Forschungsergebnisse seltener zivil weiterverwendet. Viertens hemmen unklare
rechtliche und ethische Rahmenbedingungen sowie gesellschaftliche Vorbehalte das
Engagement in sicherheitsrelevanter Forschung.
"Deutschland muss sicherheitsrelevante Forschung nicht neu erfinden, aber wir
müssen sie besser organisieren", sagt Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des
Stifterverbandes. "Wissenschaft, Sicherheitsakteure, Start-ups und Industrie
sprechen noch zu selten dieselbe Sprache. Wir benötigen einen verlässlichen
Ordnungsrahmen, der auch privates Risikokapital mobilisiert und echte
Durchbruchsinnovationen zulässt. Es fehlt an Orten, an denen Anforderungen,
Forschungsfragen und Anwendung systematisch zusammengeführt werden. Deshalb ist
ein Strategisches Dialogforum, wie der Wissenschaftsrat es vorgeschlagen hat, so
wichtig. Es kann helfen, sicherheitsrelevante Anforderungen technologieoffen zu
beschreiben, Vertrauen zwischen den Akteuren aufzubauen und aus
wissenschaftlicher Exzellenz schneller Wirkung für Sicherheit, Souveränität und
Wertschöpfung entstehen zu lassen."
Wachsendes Start-up-Ökosystem
Trotz vieler Hürden gewinnen sicherheits- und verteidigungsrelevante
Technologien in Europa an Dynamik. Eine besondere Rolle kommt dem
Start-up-Ökosystem zu. Das Interesse privater Kapitalgeber wächst deutlich: Das
Volumen entsprechender Start-up-Deals in Europa stieg von rund 511 Millionen
US-Dollar (2018 bis 2021) auf über 5 Milliarden US-Dollar (2022 bis 2025) und
hat sich damit innerhalb weniger Jahre verzehnfacht. Es ist deutlich erkennbar,
dass der Engpass weniger im frühen Interesse als in der Anschluss- und
Skalierungsfinanzierung liegt. Auch in Deutschland wächst das Feld: von Defense
Tech im engeren Sinne bis zu Dual-Use-Technologien etwa in Cybersecurity,
Künstlicher Intelligenz, Sensorik und Robotik. Gerade diese Breite ist eine
Stärke, erschwert aber strategische Bündelung und schnelle Transferpfade.
"Die Ergebnisse der Studie zeigen auch: Sicherheitsrelevante Forschung sollte
stärker als regionale Standortpolitik verstanden werden, die national
orchestriert wird. Regionen können vorhandene Stärken sichtbar machen und mit
konkreten Anforderungen verbinden", so Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des
Stifterverbandes. Hamburg und die maritime Küstenregion verdeutlichen
beispielsweise, wie Häfen, Logistik, maritime Sicherheit, Energieinfrastruktur
und Digitalisierung zu einem sicherheitsrelevanten Innovationsraum werden
können. Nordrhein-Westfalen steht für einen industriellen Skalierungsraum, in
dem Forschung, Start-ups, Mittelstand, Großindustrie, Energie- und
Cybersicherheitskompetenzen zusammenkommen.
Die Studie "Sicherheits- und Verteidigungsforschung neu denken: Innovationskraft
für Souveränität und Wertschöpfung" zum Download unter: https://stifterverband.o
rg/medien/sicherheits-_und_verteidigungsforschung_neu_denken
Über den Stifterverband
Der Stifterverband ist eine Gemeinschaft von rund 3.500 engagierten Menschen,
Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und
Zivilgesellschaft. Ziel seiner Arbeit ist, Bildung und Wissenschaft neu zu
denken und zu gestalten, um die Innovationskraft der Gesellschaft nachhaltig zu
stärken. Als zentraler Impulsgeber analysiert er aktuelle Herausforderungen,
fördert Modellprojekte und ermöglicht deren Verbreitung in vielfältigen
Netzwerken. Er vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft,
entwickelt gemeinsam Ideen und stößt politische Reformen an. In seinem Wirken
konzentriert er sich auf zwei Handlungsfelder: Bildung und Kompetenzen sowie
Kollaborative Forschung und Innovation. http://www.stifterverband.org
Über McKinsey
McKinsey ist eine weltweit tätige Unternehmensberatung, die Organisationen dabei
unterstützt, nachhaltiges, integratives Wachstum zu erzielen. Wir arbeiten mit
Klienten aus dem privaten, öffentlichen und sozialen Sektor zusammen, um
komplexe Probleme zu lösen und positive Veränderungen für alle Beteiligten zu
schaffen. Wir kombinieren mutige Strategien und transformative Technologien, um
Unternehmen dabei zu helfen, Innovationen nachhaltiger zu gestalten, dauerhafte
Leistungssteigerungen zu erzielen und Belegschaften aufzubauen, die für diese
und die nächste Generation erfolgreich sein werden. In Deutschland und
Österreich hat McKinsey Büros in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg,
Köln, München, Stuttgart und Wien. Weltweit arbeiten McKinsey Teams in mehr als
130 Städten und über 65 Ländern. Gegründet wurde McKinsey 1926, das deutsche
Büro 1964. Globaler Managing Partner ist seit 2021 Bob Sternfels.
http://www.mckinsey.de
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OTS: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.
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