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Berlin (ots) - Es ist bedeutsam und ermutigend: Immer mehr Menschen werden aktiv
und stellen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung (KDV). Sie tun damit also
gegenüber dem deutschen Staat kund, dass sie nicht bereit sind, für ihn mit der
Waffe in der Hand zu kämpfen. Die Zahl derer, die es tun, ist in beachtlicher
Weise nach oben gegangen: Allein im ersten Halbjahr 2026 reichten fast 5900
Personen einen Antrag ein und damit dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.
Das ist gerade angesichts des medialen Diskurses nach der "Zeitenwende"
beachtlich.
Zwar werden in die Talkshows auch junge Männer eingeladen, die begründen dürfen,
warum sie nicht für ihr Land und für "unsere Demokratie" töten und sterben
wollen. Doch vielfach dienen sie den übrigen Diskutant*innen als eine Art
Prügelknabe. Denn tonangebend in der öffentlichen Debatte sind vermeintliche
Liberale, die in hohem moralischen Ton fordern, "unsere Werte" und "unsere
Freiheit" vor dem angeblich bald einmarschierenden Russen zu schützen. Im selben
Atemzug beschimpfen sie junge Verweigerer als "wohlstandsverwahrlost" oder
"asozial".
Der eine oder andere von denen, die nun den geläuterten und
verantwortungsbewussten Staatsbürger geben, räumt zwar durchaus ein, dass
Angriffe wohl kaum in Form einer militärischen Invasion passieren werden,
sondern eher in Form von Cyber-Attacken auf Infrastrukturen wie Strom- und
Wasserversorgung. Was bedeuten würde: Zur Landesverteidigung wären eben nicht
mehr Panzerfahrer und Schützen nötig. Entscheidend wäre eher ein angemessener
Zivil- und Katastrophenschutz.
Ungeachtet dessen mehren sich Appelle für mehr Wehrbereitschaft insbesondere aus
dem sogenannten linksliberalen Milieu. Der Wald steil erhobener Zeigefinger
wächst und ebenso die Zahl der Herren, die ihre Verweigerung von einst
widerrufen. Im vergangenen Jahr taten das 780 Männer, zuletzt ging am Wochenende
der Grünen-Politiker Janosch Dahmen diesen Schritt.
Von den 150.000 jungen Männern, die bislang ihren Fragebogen zur
Wehrbereitschaft erhalten haben, erklärten demgegenüber nur 20 Prozent, sie
könnten sich prinzipiell einen Dienst bei der Bundeswehr vorstellen. Und nur 530
von ihnen fangen demnächst tatsächlich bei der Truppe an.
Auf der anderen Seite wächst die Zahl derer, die sich direkt bei den
Streitkräften bewerben. Im laufenden Jahr waren das laut
Verteidigungsministerium rund 38.500 und damit ein Viertel mehr als im
Vorjahreszeitraum. Die Truppe bekommt also durchaus Zulauf, wenngleich der noch
nicht den Vorstellungen des Ministeriums entspricht.
Von einer Massenbewegung gegen den Dienst an der Waffe kann also noch keine Rede
sein. Doch die Schulstreiks gegen Wehrpflicht ziehen immer mehr Aktive an, und
neue Beratungsangebote zum Thema Verweigerung etwa von der Linkspartei könnten
die Zahl der KDV-Anträge weiter nach oben schnellen lassen. Das Glas ist halb
voll.
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