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Berlin (ots) - "Hilfe, genug, genug!", das waren die letzten Worte von
Abderrahim Fakir in Bologna, nachdem Nachbar*innen am Sonntag die Polizei wegen
eines Wutanfalls des 43-Jährigen gerufen hatten. Die Einsatzkräfte griffen ihn
mit Pfefferspray an und setzten sich auf den am Boden liegenden Gefesselten.
Dann starb der Mann marokkanischer Herkunft.
"Hilfe! Hilfe! Gewalt!", schrie der Kölner Erzieher Pedro Corona, als ihn
Polizist*innen bereits vor drei Monaten schwer misshandelten. Erst ein nun
aufgetauchtes Handy-Video zeigt, wie der aus Venezuela stammende 30-Jährige in
seiner psychischen Ausnahmesituation gefesselt und unter den Knien zweier
Beamt*innen immer stummer wurde. Seither liegt er nach einem Infarkt mit
schweren Hirnschäden im Koma.
Die Fälle zeigen, wie wichtig bei der journalistischen Berichterstattung die
eigene Recherche ist, statt lediglich polizeiliche Pressemitteilungen zu
übernehmen. "30-jähriger Kölner beißt Polizistin und kollabiert", lautete die
Pressemitteilung des Polizeipräsidiums am Tag nach dem Einsatz. Viele Medien
übernahmen sie ungeprüft - ein Boulevardmagazin bezeichnete Pedro Corona
aufgrund behaupteter Bisse in Richtung einer Polizistin sogar als "Kölner
Vampir-Mann". Diese Darstellung war aber einseitig, wie ein Handy-Video des
Opfers und Bodycam-Aufnahmen der Beamt*innen nun belegen.
Ähnlich in Bologna: Ein von der Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichtes
Video eines Nachbarn zeigt die geballte Polizeigewalt und auch die flehenden
Rufe Abderrahim Fakirs. Zwei anwesende Rettungssanitäter griffen nicht ein. Nun
gibt es Hinweise, dass sich der Getötete zuvor ebenfalls in einer
Ausnahmesituation befunden haben soll.
Die Polizei ist keine neutrale Quelle. Ihre Pressemitteilungen dienen der
Rechtfertigung eigener Maßnahmen und verfolgen damit eine Agenda. Die
unkritische mediale Übernahme dieser Darstellungen verletzt Sorgfaltspflichten,
wie auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) betont. Gefordert wird,
polizeiliche Verlautbarungen wie Mitteilungen jeder anderen interessierten
Partei zu prüfen - besonders bei übermäßiger uniformierter Gewalt. Was daran ist
für Medien so schwer zu verstehen?
Das Fachmagazin "Journalist" hat zur Polizei- und Kriminalitätsberichterstattung
einen Leitfaden veröffentlicht: Journalist*innen sollten möglichst eigene
Recherchen anstellen, nach Video- und Bodycam-Material suchen sowie Zeug*innen,
unabhängige Expert*innen und vor allem Betroffene oder ihre Hinterbliebenen
befragen.
Das Leben der Opfer retten sorgfältigere Recherchen nicht. Sie können aber dafür
sorgen, dass sich die Polizei beobachtet fühlt. Denn der Generalverdacht, dass
Beamt*innen immer wieder übermäßig Gewalt anwenden und die Betroffenen dabei
auch noch diskriminieren, bestätigt sich wie aktuell in Köln und Bologna beinahe
täglich.
Pressekontakt:
nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion
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