Seite zu Favoriten hinzufügen / Link zu ihrer Webseite einrichten 

Deutschland

Top-News



Zecken breiten sich in Deutschland weiter aus / Wie man sich vor Bissen schützen kann

21.07.2026 14:11 Uhr Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Bonn (ots) - Der Klimawandel führt aktuell zur Ausbreitung eines äußerst unliebsamen Tieres: Die Zecke ist durch die milden Wintertemperaturen mittlerweile oft ganzjährig in Deutschland aktiv und erschließt immer neue Lebensräume. So etablieren sich nicht nur neue Zeckenarten, sondern es werden auch Rekordwerte bei den übertragenen Krankheiten gemeldet. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) erklärt, warum Zecken dennoch eine ökologische Funktion haben und was bei einem Aufenthalt in der Natur beachtet werden muss.

Zecken sind Überlebenskünstlerinnen. Sie überstehen einen Waschgang bei 40 Grad Celsius, bis zu drei Wochen unter Wasser oder einen Tag bei minus 12 Grad Celsius im Tiefkühlfach. Diese widerstandsfähigen Spinnentiere saugten wahrscheinlich schon an befiederten Dinosauriern und infizierten möglicherweise Ötzi, den Mann aus dem Eis, mit Krankheitserregern. Bei Waldbesuchen sind sie auch heute noch blinde Passagiere und übertragen Krankheiten, vor denen man sich in Acht nehmen sollte.

Auch die Zecke hat eine Funktion

Die Zecke gehört wohl zu den unbeliebtesten Tieren. Dennoch spielt sie als Parasit eine wichtige ökologische Rolle: Sie beeinflusst die Nahrungskette und sie reguliert Populationen. So trägt sie etwa zur Ernährung von einigen Vogelarten bei, steht aber auch bei Kleinsäugern wie Mäusen und Igeln auf dem Speiseplan. Gegenspieler wie Erzwespen haben sich auf bestimmte Zeckenarten spezialisiert, wodurch komplexe Interaktionen im jeweiligen Ökosystem entstehen. Durch den Blutentzug und die Übertragung von Krankheiten bei einem Biss schwächen Zecken außerdem einzelne Wildtiere. Damit sorgen sie für eine Regulierung der Bestände.

Wie kommt es zu einem Zeckenbiss?

Dass Zecken sich von Bäumen fallen lassen oder springen, ist zum Glück ein Mythos. Stattdessen klammern sie sich in der Krautschicht an vorbeistreifende Wirte, die sie mithilfe fein entwickelter Sinnesorgane wahrnehmen. Bei einem Biss schneiden sie dann eine Wunde in den Wirt und dringen in diese mit einem Saug- bzw. Injektionsorgan ein. Der dabei abgegebene Speichel führt zu dem typischen Juckreiz, kann aber auch unterschiedliche Krankheitserreger enthalten.

Risiko für den Menschen

In Deutschland ist der Gemeine Holzbock ( Ixodes ricinus ) am relevantesten für den Menschen. Diese Art ist hierzulande die häufigste und daher auch für die meisten Krankheitsübertragungen verantwortlich. Dazu gehört die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bei der nach einer Inkubationszeit von meist 7 bis 14 Tagen zunächst grippeähnliche Beschwerden auftreten. Im weiteren Krankheitsverlauf kann es bei dieser Virusinfektion zu einer Entzündung der Hirnhaut kommen. Auch neurologische Ausfälle oder Lähmungen gehören zu den Symptomen. In seltenen Fällen verläuft die Krankheit tödlich. Die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa ist aber die Lyme-Borreliose. Sie wird von Bakterien verursacht und kann mit frühzeitig verabreichten Antibiotika gut behandelt werden. Symptom ist eine kreisförmige, sich ausbreitende Rötung, aber auch Fieber, Müdigkeit sowie Muskel- und Kopfschmerzen gehören zum Krankheitsbild. Unbehandelt kann es zu Komplikationen kommen, die Gelenke, Nerven, das Herz oder die Haut betreffen.

Wie man sich vor Zecken schützt

- Hohe Gras- oder Krautflächen, in Wäldern, Gebüschen und an Waldrändern sollten vermieden werden, da sie zu den bevorzugten Lebensräumen von Zecken gehören. Somit empfiehlt es sich, in der Natur auf den Wegen zu bleiben. - Lange und geschlossene Kleidung kann Zecken abhalten. Helle Kleidung hilft dabei, sie besser zu entdecken. - Nach jedem Aufenthalt in der Natur sollte der gesamte Körper gründlich abgesucht werden. Besonders versteckte Stellen wie die Kniekehlen, die Achseln oder die Leisten werden von den Zecken bevorzugt. - Insektenschutzmittel mit Diethyltoluamid (DEET) oder Icaridin kann aufgetragen werden. - Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort in der Natur aufhalten, wird eine FSME-Impfung empfohlen. - Kommt es dennoch zu einem Zeckenbiss, sollte das Tier schnellstmöglich mit einer Pinzette oder einem Zeckenentferner (Zeckenkarte, -zange, -schlinge) entfernt werden. Zur Not kann die Zecke auch mit den Fingernägeln herausgezogen werden. Beim Entfernen darf die Zecke nicht gequetscht oder beschädigt werden, damit kein zusätzlicher Speichel oder Darminhalt in die Wunde gelangt. Anschließend sollte die Einstichstelle desinfiziert und mindestens zwei Wochen beobachtet werden. Bei Rötungen, grippeähnlichen Symptomen oder neurologischen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung notwendig.

Über die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW):

Am 5. Dezember 1947 wurde die SDW in Bad Honnef gegründet und ist damit einer der ältesten Naturschutzverbände in Deutschland. Heute engagieren sich in den 15 Landesverbänden rund 25.000 Mitglieder aktiv für den Wald. Aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels breiten sich Zecken immer weiter aus und bilden auch im Wald ein Risiko.

Pressekontakt:

Alexandra Bieneck Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V. (SDW) Kaiserstraße 12 | 53113 Bonn Tel.: 0228 945983-93 Mail: mailto:alexandra.bieneck@sdw.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/17688/6318669 OTS: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Für den Inhalt übernehmen wir keine Verantwortung