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Bonn (ots) - Der Klimawandel führt aktuell zur Ausbreitung eines äußerst
unliebsamen Tieres: Die Zecke ist durch die milden Wintertemperaturen
mittlerweile oft ganzjährig in Deutschland aktiv und erschließt immer neue
Lebensräume. So etablieren sich nicht nur neue Zeckenarten, sondern es werden
auch Rekordwerte bei den übertragenen Krankheiten gemeldet. Die
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) erklärt, warum Zecken dennoch eine
ökologische Funktion haben und was bei einem Aufenthalt in der Natur beachtet
werden muss.
Zecken sind Überlebenskünstlerinnen. Sie überstehen einen Waschgang bei 40 Grad
Celsius, bis zu drei Wochen unter Wasser oder einen Tag bei minus 12 Grad
Celsius im Tiefkühlfach. Diese widerstandsfähigen Spinnentiere saugten
wahrscheinlich schon an befiederten Dinosauriern und infizierten möglicherweise
Ötzi, den Mann aus dem Eis, mit Krankheitserregern. Bei Waldbesuchen sind sie
auch heute noch blinde Passagiere und übertragen Krankheiten, vor denen man sich
in Acht nehmen sollte.
Auch die Zecke hat eine Funktion
Die Zecke gehört wohl zu den unbeliebtesten Tieren. Dennoch spielt sie als
Parasit eine wichtige ökologische Rolle: Sie beeinflusst die Nahrungskette und
sie reguliert Populationen. So trägt sie etwa zur Ernährung von einigen
Vogelarten bei, steht aber auch bei Kleinsäugern wie Mäusen und Igeln auf dem
Speiseplan. Gegenspieler wie Erzwespen haben sich auf bestimmte Zeckenarten
spezialisiert, wodurch komplexe Interaktionen im jeweiligen Ökosystem entstehen.
Durch den Blutentzug und die Übertragung von Krankheiten bei einem Biss
schwächen Zecken außerdem einzelne Wildtiere. Damit sorgen sie für eine
Regulierung der Bestände.
Wie kommt es zu einem Zeckenbiss?
Dass Zecken sich von Bäumen fallen lassen oder springen, ist zum Glück ein
Mythos. Stattdessen klammern sie sich in der Krautschicht an vorbeistreifende
Wirte, die sie mithilfe fein entwickelter Sinnesorgane wahrnehmen. Bei einem
Biss schneiden sie dann eine Wunde in den Wirt und dringen in diese mit einem
Saug- bzw. Injektionsorgan ein. Der dabei abgegebene Speichel führt zu dem
typischen Juckreiz, kann aber auch unterschiedliche Krankheitserreger enthalten.
Risiko für den Menschen
In Deutschland ist der Gemeine Holzbock ( Ixodes ricinus ) am relevantesten für
den Menschen. Diese Art ist hierzulande die häufigste und daher auch für die
meisten Krankheitsübertragungen verantwortlich. Dazu gehört die
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), bei der nach einer Inkubationszeit von
meist 7 bis 14 Tagen zunächst grippeähnliche Beschwerden auftreten. Im weiteren
Krankheitsverlauf kann es bei dieser Virusinfektion zu einer Entzündung der
Hirnhaut kommen. Auch neurologische Ausfälle oder Lähmungen gehören zu den
Symptomen. In seltenen Fällen verläuft die Krankheit tödlich. Die häufigste
durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa ist aber die Lyme-Borreliose. Sie
wird von Bakterien verursacht und kann mit frühzeitig verabreichten Antibiotika
gut behandelt werden. Symptom ist eine kreisförmige, sich ausbreitende Rötung,
aber auch Fieber, Müdigkeit sowie Muskel- und Kopfschmerzen gehören zum
Krankheitsbild. Unbehandelt kann es zu Komplikationen kommen, die Gelenke,
Nerven, das Herz oder die Haut betreffen.
Wie man sich vor Zecken schützt
- Hohe Gras- oder Krautflächen, in Wäldern, Gebüschen und an Waldrändern sollten
vermieden werden, da sie zu den bevorzugten Lebensräumen von Zecken gehören.
Somit empfiehlt es sich, in der Natur auf den Wegen zu bleiben.
- Lange und geschlossene Kleidung kann Zecken abhalten. Helle Kleidung hilft
dabei, sie besser zu entdecken.
- Nach jedem Aufenthalt in der Natur sollte der gesamte Körper gründlich
abgesucht werden. Besonders versteckte Stellen wie die Kniekehlen, die Achseln
oder die Leisten werden von den Zecken bevorzugt.
- Insektenschutzmittel mit Diethyltoluamid (DEET) oder Icaridin kann aufgetragen
werden.
- Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort in der Natur
aufhalten, wird eine FSME-Impfung empfohlen.
- Kommt es dennoch zu einem Zeckenbiss, sollte das Tier schnellstmöglich mit
einer Pinzette oder einem Zeckenentferner (Zeckenkarte, -zange, -schlinge)
entfernt werden. Zur Not kann die Zecke auch mit den Fingernägeln
herausgezogen werden. Beim Entfernen darf die Zecke nicht gequetscht oder
beschädigt werden, damit kein zusätzlicher Speichel oder Darminhalt in die
Wunde gelangt. Anschließend sollte die Einstichstelle desinfiziert und
mindestens zwei Wochen beobachtet werden. Bei Rötungen, grippeähnlichen
Symptomen oder neurologischen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung
notwendig.
Über die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW):
Am 5. Dezember 1947 wurde die SDW in Bad Honnef gegründet und ist damit einer
der ältesten Naturschutzverbände in Deutschland. Heute engagieren sich in den 15
Landesverbänden rund 25.000 Mitglieder aktiv für den Wald. Aufgrund der
Auswirkungen des Klimawandels breiten sich Zecken immer weiter aus und bilden
auch im Wald ein Risiko.
Pressekontakt:
Alexandra Bieneck
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Bundesverband e. V. (SDW)
Kaiserstraße 12 | 53113 Bonn
Tel.: 0228 945983-93
Mail: mailto:alexandra.bieneck@sdw.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/17688/6318669
OTS: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
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