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Düsseldorf (ots) - Kommentar WZ: Der nette Herr Söder
Von Lothar Leuschen
Damit war eigentlich schon nicht mehr zu rechnen. Markus Söder beißt für die
Sozialen Medien in keinen Döner mehr, Bäume müssen auf seine zärtliche Umarmung
verzichten, und überhaupt geht Bayerns Ministerpräsident seit Wochen und
zunehmend auf Schmusekurs. Die unverhoffte Zuneigung ist dabei vor allem auf
Friedrich Merz fokussiert. Der Bundeskanzler hat Kuscheleinheiten auch dringend
nötig. Denn zunehmend entwickeln seine Parteifreunde aus der zweiten und dritten
Reihe das Gefühl, durch Illoyalität mit ihrem Kanzler und Vorsitzenden womöglich
ein Pöstchen in der ersten Reihe ergattern zu können. Aber mit Erwähnung in ein
paar Schlagzeilen sind sie auch zufrieden. Nun wäre Markus Söder nicht er
selbst, wenn ihn das irgendwie anföchte. Die neue Treue zu Merz hat mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei dem Vollblutpolitiker aus dem
Frankenland sehr egoistische Motive. In erster Linie blickt Söder auf sein
Bayern, so wie es sich für einen Ministerpräsidenten gehört. Dort steht in zwei
Jahren die Landtagswahl an. Und da kann es nur hilfreich sein, sehr seriös
aufzutreten. Das Gegenteil, also Dönerschmaus und Bäume liebkosen, haben der CSU
und deren Vorsitzendem eher geschadet. Die christsoziale Macht erodiert. Das
zeigten zuletzt die Kommunalwahlen. Nun soll die Wiedergeburt des umsorgenden
Landesvaters der CSU helfen, an bessere Wahlzeiten anzuknüpfen. Aber das ist
nicht alles.
Diesseits der Weißwurst-Linie im südlichsten Hessen ist nicht immer allen
präsent, welche Stärke Ilse Aigner in Bayern entwickelt hat. Die ehemalige
Bundesministerin für Landwirtschaft und aktuelle Präsidentin des Landtages
genießt auch in ihrer CSU dermaßen hohe Zustimmungswerte, dass einige in ihr
eine perfekte Nachfolgerin für Söder sehen. Das erklärt, warum der seine
Parteifreundin in den höchsten Tönen lobt. Die Wertschätzung reicht bis zum
Vorschlag, Ilse Aigner ins Amt der Bundespräsidentin wählen zu wollen. Da käme
Friedrich Merz ins Spiel, indem er keinen CDU-Kandidaten benennt. So geht
Politik. Wem das übel aufstößt, scheint es vorzuziehen, weiter von zu vielen
weinerlichen, gefühligen Politikerdarstellern regiert zu werden.
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