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Bad Nenndorf (ots) -
- Besonders viele Todesfälle im Juni
- Zuletzt 2019 mehr tödliche Unfälle in der Badesaison
- Präsidentin Vogt fordert mehr Anstrengungen für das Schwimmenlernen und zur
Aufklärung über Gefahren
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) geht davon aus, dass
hierzulande in den ersten sieben Monaten des Jahres mindestens 261 Menschen in
den Gewässern ums Leben gekommen sind. Das sind nach aktuellem Stand bereits 15
mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Kam es in den ersten Monaten des
Jahres noch zu weniger Unglücken als 2025, ereigneten sich seit Beginn der
Badesaison deutlich mehr tödliche Unfälle. Allein 189 Menschen ertranken
zwischen Anfang Mai und Ende Juli. Letztmals kamen in diesem Zeitraum im Jahr
2019 mehr Menschen ums Leben (220). "Betrachten wir nur die bisherigen drei
Bademonate, gab es über 30 Todesfälle mehr als vor einem Jahr. Insbesondere im
Juni kam es zu einem dramatischen Anstieg an Unfällen. Über 100 Opfer gab es im
Monat Juni zuletzt im Jahr 2003", berichtete DLRG Präsidentin Ute Vogt.
Nach der extremen Hitzewelle Ende Juni verzeichnete die DLRG in den
darauffolgenden Wochen weniger Todesfälle. Doch auch im Juli ertranken
mindestens 59 Menschen, sechs mehr als im Vorjahresmonat. Rund 90 Prozent der
Todesfälle ereigneten sich in frei zugänglichen Gewässern im Binnenland. In Seen
und Teichen verloren 118 Personen ihr Leben (+22); in Bächen und Flüssen gab es
bisher 90 Opfer, zwölf weniger als im Vorjahr. In Kanälen sind 17 Menschen
ertrunken (+5). In der Ostsee (14) erlitten vier Personen mehr einen tödlichen
Unfall, in Schwimmbädern (14) sind es drei mehr. "Die Zahlen zeigen wieder
einmal, dass es besonders dort lebensbedrohlich wird, wo zumeist keine
Rettungskräfte vor Ort sind, die im Notfall schnell Hilfe leisten können", so
Ute Vogt.
Erneuter Anstieg unter jungen Menschen
Wie schon im Vorjahr (+19) steigt auch 2026 die Zahl tödlicher Unglücke unter
jungen Menschen zwischen 11 und 30 Jahren. Vor einem Jahr zählte die DLRG 49
Opfer dieser Altersklasse in den ersten sieben Monaten. In diesem Jahr sind es
75 ertrunkene Personen. 95 Prozent der Verunglückten waren männlich. Dazu DLRG
Präsidentin Vogt: "Infolge von leichtsinnigem Verhalten - oft in Verbindung mit
Alkohol und anderen Drogen - kommt es unter Jungen und jungen Männern immer
wieder zu Badeunfällen. Andere können nicht oder kaum schwimmen und begeben sich
völlig unnötig in Lebensgefahr. Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen,
aber das Leben zu verlieren." Über alle Altersgruppen hinweg betrug der Anteil
männlicher Opfer 85 Prozent.
Mehr als jedes vierte Unfallopfer (59) bekannten Alters war älter als 70 Jahre
(+11). 41 Personen waren zwischen 51 und 70 Jahre alt. Hier verzeichnete die
DLRG einen Rückgang um 20 Opfer. Bei älteren Schwimmern sind immer wieder
gesundheitliche Vorerkrankungen ursächlich für Badeunfälle, aber auch
Selbstüberschätzung und unzureichende Vorsicht.
Mehr Kompetenzen und Wissen nötig
Unter Kindern bis zehn Jahren waren mindestens acht Opfer zu beklagen (2025: 9).
Zumeist passieren diese Unfälle durch einen kurzen Moment der Unachtsamkeit.
"Das sind glücklicherweise wenige Todesfälle. Es kommt jedoch immer wieder zu
gefährlichen Situationen und auch zu schweren Unfällen, in denen Rettungskräfte
Kinder wiederbeleben müssen", berichtet Ute Vogt. Dass Badbetreiber inzwischen
vermehrt Jungen und Mädchen zum Tragen von Schwimmflügeln verdonnern oder sich
an der Kasse ein Schwimmabzeichen nachweisen lassen, sei auch eine Folge der
vermehrt festzustellenden Unaufmerksamkeit der Eltern. Die DLRG sensibilisiert
Eltern und andere Aufsichtspersonen mit ihrer Kampagne "Du bist die Aufsicht"
für ihre persönliche Verantwortung.
Andererseits lernten nach wie vor zu wenige Kinder das Schwimmen: "Wir gehen
davon aus, dass weiterhin die Mehrheit der Kinder die Grundschule verlässt, ohne
ein Schwimmabzeichen abgelegt zu haben beziehungsweise das zu können."
Sicher schwimmen zu können ist jedoch die beste Vorbeugung gegen das Ertrinken.
Mit dem Modellprojekt "Deutschland lernt schwimmen" des Deutschen Bundestages
will der Bund gemeinsam mit der DLRG und dem Deutschen Schwimm-Verband in den
kommenden vier Jahren mehrere Hebel in Bewegung setzen, um die Situation in der
Schwimmausbildung vor allem in strukturschwachen Regionen sowie in sozial und
finanziell benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu verbessern. "Es ist
bemerkenswert, dass sich der Bund des Problems der nachlassenden
Schwimmkompetenz selbst annimmt. Das wollen wir zusammen nutzen und für die
Schwimmsicherheit etwas bewegen", sagte Ute Vogt. Nachhaltig verbessern ließe
sich die Situation aber erst, wenn Bund, Länder und Kommunen zusammen
flächendeckend bedeutend mehr in die marode Schwimmbadlandschaft und den
schulischen Schwimmunterricht investierten.
Außerdem braucht es in verschiedenen Bevölkerungsgruppen mehr Aufklärung über
die Gefahren beim Baden und Schwimmen. Ute Vogt: "Der Schlüssel zu weniger
Ertrinkungsunfällen ist wie in so vielen Bereichen des Lebens das nötige Wissen.
Wer sich der Gefahren bewusst ist, geht seltener ins Risiko." Zahlreiche
Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO sensibilisieren ihre
Bevölkerung über Aufklärungskampagnen. Solche Aktivitäten - etwa durch das
Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit - vermisst die DLRG in Deutschland
bislang ebenso wie eine von der WHO geforderte nationale Strategie zur
Verringerung tödlicher Unglücke im Wasser.
Meiste Opfer in Bayern
In absoluten Zahlen betrachtet ertranken die meisten Menschen bislang in Bayern.
54 ertrunkene Personen sind drei mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Einen Anstieg von 35 auf 50 Todesopfer verzeichnete die DLRG für
Nordrhein-Westfalen. Auch in Berlin (+4), Rheinland-Pfalz (+3), Sachsen (+6),
Sachsen-Anhalt (+3), Schleswig-Holstein (+7) und Mecklenburg-Vorpommern (+3) gab
es einen Anstieg bei den Opferzahlen.
Über die DLRG
Die DLRG als private Wasserrettungsorganisation hat es sich zur Aufgabe gemacht,
Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Hierfür klären ihre ehrenamtlich Aktiven
über Wassergefahren auf, bringen Menschen das Schwimmen bei und bilden sie im
Rettungsschwimmen aus. Zudem wachen über 50.000 Rettungsschwimmerinnen und
Rettungsschwimmer jährlich 2,6 Millionen Stunden über die Sicherheit von
Badegästen und Wassersportlern. Sie engagieren sich darüber hinaus in der
örtlichen Gefahrenabwehr und bilden Einheiten der rund 80 DLRG
Wasserrettungszüge für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Die DLRG zählt
derzeit knapp 630.000 Mitglieder. Mehr als 1,3 Millionen Förderinnen und
Förderer unterstützen die lebensrettende Arbeit mit Spenden. Schirmherr ist
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Weiteres Material zur DLRG Zwischenbilanz 2026, darunter Grafiken und die
Auswertung nach Bundesländern, finden Sie unter dlrg.de/zwischenbilanz (https://
www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/statistik-ertrinken/zwischenbilanz) .
Passende Bilder und Audio-Material für die Berichterstattung gibt es auch im
DLRG Medienportal (https://eyebase.bgst.dlrg.de/view/pinbDAeDeu6) .
Pressekontakt:
Martin Holzhause
Leiter DLRG Pressestelle
Telefon: 05723 955 442
Mobil: 0162 175 12 04
E-Mail: mailto:presse@dlrg.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/7044/6328280
OTS: DLRG - Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft
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