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Berlin (ots) - Die anhaltende Trockenheit in Deutschland ist aus Sicht des
Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) ein weiterer Weckruf für
eine grundlegende Neuausrichtung der Agrarpolitik. Der ZDG unterstützt
ausdrücklich die weitsichtigen Aussagen von DLG-Präsident Hubertus Paetow, der
zu Recht darauf hinweist, dass die Antwort auf Klimarisiken, Ernteausfälle und
wirtschaftliche Unsicherheit nicht in immer neuen staatlichen Hilfspaketen
liegen kann.
"Zusätzliche Subventionen lösen kein einziges strukturelles Problem", erklärt
ZDG-Präsident Hans-Peter Goldnick. "Sie sind vielmehr süßes Gift für die
Betriebe. Vorgezogene GAP-Zahlungen sind keine zusätzlichen Mittel, sondern nur
eine zeitliche Verschiebung. Und Liquiditätsdarlehen müssen zurückgezahlt
werden."
Entscheidend sei vielmehr, Landwirtschaft auf allen politischen Ebenen als
systemrelevant anzuerkennen. Ernährungssouveränität sei nicht
selbstverständlich, sondern brauche verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Dazu zählt der ZDG insbesondere eine verbindliche Herkunftskennzeichnung
deutscher Erzeugnisse auch im Außer-Haus-Verzehr. Verbraucher müssten klar
erkennen können, ob Lebensmittel aus deutscher Produktion stammen. Nur so könne
bewusste Nachfrage entstehen und mehr Wertschöpfung bei heimischen Betrieben
ankommen.
Zugleich fordert der Verband bessere Investitionsbedingungen. Bau- und
Immissionsschutzrecht müssten deutlich vereinfacht werden. Tierhaltungsanlagen
dürften nicht länger wie Industrieanlagen behandelt werden, sondern bräuchten
ein eigenständiges, landwirtschaftsspezifisches Regelwerk auf EU-Ebene.
Tierhaltungsanlagen aller Art müssten wieder privilegiert und im Neubau deutlich
einfacher als heute ermöglicht werden.
Kritisch sieht der ZDG Forderungen nach umfassenderen
Mehrgefahren-versicherungen. Davon profitiere am Ende vor allem die
Versicherungswirtschaft. Viele Risiken seien für Betriebe entweder nicht
versicherbar oder nur zu wirtschaftlich untragbaren Konditionen. Sinnvoller sei
ein Risikoansparkonto nach kanadischem Vorbild, verbunden mit einer steuerfreien
Risikoausgleichsrücklage. Betriebe könnten in guten Jahren echte Krisenreserven
aufbauen und diese in schwierigen Jahren einsetzen.
Ein weiterer wichtiger Baustein wäre, alternative Kraftstoffe wie HVO 100
steuerlich konsequent zu entlasten oder freizustellen. Landwirtschaftliche
Betriebe brauchen praxistaugliche, sofort verfügbare und technologieoffene
Lösungen. "Wer erneuerbare Kraftstoffe politisch will, darf sie nicht durch
Energiesteuern verteuern. Die steuerliche Entlastung für HVO 100, welches in der
Land- und Ernährungswirtschaft eingesetzt wird, wäre kein neues
Subventionsprogramm, sondern der Abbau eines Standortnachteils und ein wirksamer
Beitrag zu Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit," führt
Hans-Peter Goldnick weiter aus.
"Kurzfristig gibt es keine schnelle politische Lösung, die Ernteausfälle
vollständig kompensieren kann. So ehrlich muss man sein, auch wenn die
einzelbetriebliche Situation sich mehr als angespannt zeigen kann", stellte
Goldnick zusammenfassend fest. "Gerade deshalb brauchen wir jetzt keine neue
Subventionsspirale, sondern eine Agrarpolitik, die Betriebe dauerhaft
wettbewerbsfähig, investitionsfähig und krisenfest macht."
Den eingeschlagenen Weg von Bundesminister Rainer begrüßt der ZDG ausdrücklich.
"Mit den jüngst vom Kabinett verabschiedeten Vorschlägen zum Abbau unnötiger
Bürokratie in der Land- und Ernährungswirtschaft setzt Alois Rainer erste
wichtige Akzente für mehr Ernährungssouveränität. Es wäre zu begrüßen, wenn
andere Ressorts, insbesondere das Bundesumweltministerium und das
Bundesbauministerium, diesem Beispiel folgen und ihrerseits praxisnahe
Vorschläge zur Entlastung der landwirtschaftlichen Betriebe auf den Weg
bringen," führt Goldnick weiter aus.
Über den ZDG
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. (ZDG) vertritt als
berufsständische Dach- und Spitzenorganisation die Interessen der deutschen
Geflügelwirtschaft auf Bundes- und EU-Ebene gegenüber politischen, amtlichen
sowie berufsständischen Organisationen, der Öffentlichkeit und dem Ausland.
Insgesamt spricht der ZDG für rund 8.000 Mitglieder aus den angeschlossenen
Bundes- und Landesverbänden.
Pressekontakt:
Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG)
Wolfgang Schleicher | Geschäftsführer
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