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Osnabrück (ots) - Osnabrück. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) sieht in dem von
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) vorgelegten Entwurf zur
Einkommenssteuerreform eine zunehmende Ungleichbehandlung von Familien mit
mittleren und Familien mit sehr hohen Einkommen. "Es ist ungerecht und
unvernünftig, dass der Staat Familien mit sehr hohen Einkommen stärker fördert
als armutsbetroffene und normalverdienende Familien", sagte AWO-Präsident
Michael Groß im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz). Nach neuen
Berechnungen des Verbandes wächst die maximale Besserstellung sehr
einkommensstarker Haushalte mit Kindern im Vergleich zu normalverdienenden
Familien bis 2028 von derzeit 127 auf 151 Euro pro Monat an. Hochgerechnet auf
die ersten 18 Lebensjahre bis zur Volljährigkeit eines Kindes entspreche das
einem Anstieg von mehr als 5000 Euro auf insgesamt über 32 000 Euro.
Groß warf der Bundesregierung vor, nach dem Prinzip "Wer hat, dem wird gegeben"
eine Umverteilung von unten nach oben zu betreiben. "Das ist umso
unverständlicher, da parallel zur stärkeren Entlastung für reiche Familien armen
Haushalten der Kindersofortzuschlag in Höhe von 25 Euro gestrichen wird, das
Kindergeld in zwei Schritten aber nur um insgesamt 13 Euro steigen soll", sagte
er noz. Bereits eine Studie aus dem Jahr 2024 im Auftrag der AWO hatte gezeigt,
dass der Staat einkommensstarke Familien über Freibeträge im Umfang von 3,5
Milliarden Euro besserstellt als Familien, die nur Kindergeld beziehen.
Der Verband forderte, die Milliarden für Gutverdiener stattdessen in die
Armutsbekämpfung umzuleiten. "Wir plädieren dafür, die Milliarden, die hier an
Leute gehen, die nicht auf das Geld angewiesen sind, in einen gerechten
Sozialstaat zu investieren", betonte Groß gegenüber noz. Mit dem von der AWO
kürzlich vorgelegten Konzept zur Reform der Sozialleistungen lasse sich die
Kinderarmutsquote effektiv um einen Prozentpunkt senken.
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