|
Berlin (ots) - Niedrigwasser, ausgetrocknete Böden, Waldbrände und regionale
Einschränkungen bei der Wassernutzung prägen den Sommer 2026. Dennoch bleibt die
öffentliche Wasserversorgung in Deutschland insgesamt stabil. Dies zeigt der
Klimaresilienz-Index Wasser, den der DVGW Deutscher Verein des Gas- und
Wasserfaches zum zweiten Mal erhobenen hat. Mit 48 von 100 Punkten liegt er
leicht unter dem Vorjahreswert (2025: 49 Punkte). Die Ergebnisse verdeutlichen:
Die Wasserversorgungsunternehmen bewältigen aktuelle Belastungen weiterhin
zuverlässig, sehen aber fortgesetzt hohen Anpassungsdruck. Im Rahmen eines
Pressegespräches erklärt DVGW-Vorstand Wasser Dr. Wolf Merkel: "Die öffentliche
Wasserversorgung in Deutschland ist leistungsfähig und resilient. Der
Klimaresilienz-Index 2026 zeigt aber auch, dass wir heute die Voraussetzungen
schaffen müssen, um die Versorgungssicherheit auch unter künftig verschärften
Klimabedingungen dauerhaft zu gewährleisten."
Dr. Verena Svensson, Leiterin Wasserversorgung der Stadtwerke Düsseldorf, betont
mit Blick auf die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt: "Die Wasserversorgung
klimaresilient aufzustellen, ist eine Daueraufgabe und keine Modeerscheinung.
Dazu führen die Stadtwerke Düsseldorf regelmäßig Analysen durch, wie zum
Beispiel Szenario basierte Prognosen des zukünftigen Wasserbedarfs und
Auswirkungen von Niedrigwasserständen auf die Gewinnungsanlagen. Jüngstes
Beispiel für den Ausbau der Infrastruktur ist der Bau eines neuen
Trinkwasserspeichers, um auch bei höheren Bedarfsspitzen langfristig die
Versorgungssicherheit für Düsseldorf und die Region zu garantieren."
Der Gesamtindex erreicht 48 Punkte und liegt damit weiterhin im mittleren
Bereich. Noch überdurchschnittlich bewertet werden Robustheit (59 Punkte) und
Anpassungsgrad (53 Punkte). Kritischer fallen die Einschätzungen zur
Handlungsfähigkeit (43 Punkte), zum rechtlichen Rahmen (40 Punkte) und zur
Zukunftsperspektive (46 Punkte) aus.
Die Unternehmen berichten von steigenden Spitzenwasserbedarfen und einer höheren
Beanspruchung der Systemressourcen. Noch liegt das Wassermengen- und
Engpass-Management im positiven Bereich; für die Zukunft wird aber eine
Verschlechterung erwartet. Als neue Anforderung mit wachsender Bedeutung wird
das Monitoring der Änderungen des Wasserdargebotes wahrgenommen. Weitere
Vulnerabilitätstreiber sind der wachsende Investitionsbedarf für
Klimaanpassungsmaßnahmen sowie die zunehmenden Herausforderungen bei der
langfristigen Sicherung der Trinkwasserressourcen. Besonders größere Versorger
sehen sich bei dem Erhalt und der Anpassung ihrer Infrastruktur unter Druck. Als
größtes strukturelles Risiko wird der Fachkräftemangel eingestuft.
Handlungsbedarf sehen die Unternehmen auch beim Rechtsrahmen. Langwierige
Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren gelten als größtes Hemmnis für die
Anpassung der Infrastruktur. Dazu erklärt Wolf Merkel: "Klimaanpassung in der
Wasserversorgung braucht mehr Tempo. Wer zusätzliche
Wassergewinnungskapazitäten, Speicher, Verbundsysteme oder Aufbereitungsanlagen
schaffen will, benötigt verlässliche und vor allem schnellere
Genehmigungsprozesse mit deutlich weniger Bürokratie. Das sind zentrale
Voraussetzungen für mehr Klimaresilienz."
In den Antworten nennen die Unternehmen insbesondere den Rückgang des
natürlichen Wasserdargebots, den Ausbau der Infrastruktur, steigende
Spitzenbedarfe, Finanzierungsfragen sowie bürokratische Hürden als zentrale
Herausforderungen, die neben einer stärkeren Vernetzung regionaler
Versorgungssysteme zu meistern sind. Wolf Merkel appelliert: "Die öffentliche
Wasserversorgung ist heute resilient. Damit sie es auch morgen bleibt, müssen
mehr Investitionen getätigt, Trinkwasserressourcen besser geschützt, Fachkräfte
gesichert und regulatorische Hemmnisse konsequent abgebaut werden.
Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft. Sie muss jetzt höchste Priorität erhalten."
Methodik
Der Klimaresilienz-Index Wasser ist als Wiederholungsbefragung angelegt. Für die
Erhebung 2026 wurden 227 Führungskräfte deutscher
Trinkwasserversorgungs-unternehmen online befragt. Die Auswertung basiert auf 50
Indikatoren in den Themenfeldern Robustheit, Anpassungsgrad, Handlungsfähigkeit,
Rechtlicher Rahmen und Zukunftsperspektive. Die Ergebnisse wurden nach
Wasserabgabe gewichtet, um die Struktur der deutschen Wasserversorgung
realitätsnah abzubilden.
Presseinformation mit Grafik und Gesamtergebnis-Präsentation:
https://ots.de/2HGPUw
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) fördert das Gas- und
Wasserfach mit den Schwerpunkten Sicherheit, Hygiene und Umweltschutz. Mit
seinen rund 14.000 Mitgliedern erarbeitet der DVGW die allgemein anerkannten
Regeln der Technik für Gas und Wasser. Klimaneutrale Gase und insbesondere der
Zukunftsenergieträger Wasserstoff sind in der Arbeit des DVGW von besonderer
Bedeutung. Der DVGW ist die im Energiewirtschaftsgesetz benannte Institution für
Wasserstoffinfrastrukturen. Der Verein initiiert und fördert Forschungsvorhaben
und schult zum gesamten Themenspektrum des Gas- und Wasserfaches. Darüber hinaus
unterhält er ein Prüf- und Zertifizierungswesen für Produkte, Personen sowie
Unternehmen. Die technischen Regeln des DVGW bilden das Fundament für die
technische Selbstverwaltung und Eigenverantwortung der Gas- und Wasserwirtschaft
in Deutschland. Sie sind der Garant für eine sichere Gas- und Wasserversorgung
auf international höchstem Standard. Der gemeinnützige Verein wurde 1859 in
Frankfurt am Main gegründet. Der DVGW ist wirtschaftlich unabhängig und
politisch neutral. Mit neun Landesgruppen und 62 Bezirksgruppen agiert der DVGW
auf lokaler sowie überregionaler Ebene und ist in der ganzen Bundesrepublik
vertreten. Themen mit bundesweiter oder europäischer Dimension werden durch die
Hauptgeschäftsstelle in Bonn mit Büros in Berlin und Brüssel abgedeckt.
Klimaresilienz-Index auf DVGW-Website: DVGW e.V.: Klimaresilienz-Index
(https://www.dvgw.de/themen/wasser/klimaresilienz-index)
Pressekontakt:
Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Josef-Wirmer-Straße 1-3, 53123 Bonn
Sabine Wächter
Pressesprecherin
Telefon: (0228) 91 88 - 609
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/162131/6339748
OTS: DVGW-Dt. Verein d. Gas- u. Wasserfaches e.V.
|