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Hamburg (ots) - Bei Kauf eines Gebrauchtwagens achten die meisten Autofahrer
zunächst auf den Kilometerstand. Je niedriger die Laufleistung, desto größer ist
in der Regel das Interesse an einem Fahrzeug. Automobilexperten weisen jedoch
darauf hin, dass nicht nur die gefahrenen Kilometer entscheidend sind, sondern
auch der Zeitraum, in dem diese zurückgelegt wurden.
Einige Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt wurden zuvor intensiv gewerblich
genutzt - etwa als Taxis, Mietwagen, Lieferfahrzeuge oder für andere
kommerzielle Zwecke. Äußerlich unterscheiden sie sich dabei nicht zwangsläufig
von gewöhnlichen Privatfahrzeugen. Werden jedoch innerhalb weniger Jahre
Hunderttausende Kilometer zurückgelegt, kann dies zu einem erhöhten Verschleiß
verschiedener Fahrzeugkomponenten führen.
Das IT-Datenunternehmen carVertical hat untersucht, wie häufig intensiv genutzte
Fahrzeuge auf dem deutschen Markt vorkommen und welche Modelle dabei besonders
hervorstechen.
Intensiv gefahrene Autos weisen stärkeren Verschleiß auf als gewöhnlich genutzte
Fahrzeuge
Der Kilometerstand eines Fahrzeugs kann viel über dessen Zustand verraten. Autos
mit hoher Laufleistung können einen stärkeren Verschleiß an Bremsen, Fahrwerks-
und Lenkungskomponenten, Motor- und Getriebeteilen, Kupplung, Sitzen,
Türgriffen, Pedalen, Lenkrad und Innenraumverkleidung aufweisen.
In der carVertical-Studie gilt ein Fahrzeug als intensiv gefahren, wenn seine
jährliche Laufleistung mehr als 36.000 Kilometer beziehungsweise 3.000 Kilometer
pro Monat beträgt. Von allen Fahrzeugen, die carVertical-Nutzer in Deutschland
in den Jahren 2025 und 2026 überprüften, fielen 5,6 Prozent in diese Kategorie.
Fahrzeuge, die als Taxis, für Fahrdienste oder Transportdienstleistungen
eingesetzt werden, sind häufig über lange Zeiträume im Stadtverkehr unterwegs.
Ständiges Beschleunigen und Bremsen, Kurzstreckenfahrten, häufiges Ein- und
Aussteigen von Fahrgästen sowie das Be- und Entladen von Waren tragen zu einem
erhöhten Verschleiß von Motor, Fahrwerk, Innenraum, Getriebe und anderen
Komponenten bei.
Tony Osmancevic, Head of Business Operations & Marketing beim ASG Remscheid
Autohaus, ordnet ein:
"Eine hohe Laufleistung allein muss nicht zwangsläufig problematisch sein.
Entscheidend ist vielmehr, wie ein Fahrzeug genutzt und gewartet wurde. 100.000
Kilometer überwiegend auf der Autobahn können ein Fahrzeug deutlich weniger
beanspruchen als die gleiche Laufleistung im täglichen Stadtverkehr. Gerade
häufige Fahrerwechsel können zu erhöhtem Verschleiß führen. Das betrifft
beispielsweise Bremsen, Fahrwerk, Getriebe und natürlich auch den Innenraum.
Deshalb ist für uns neben dem Kilometerstand vor allem wichtig, ob Zustand,
Wartung und Fahrzeughistorie ein stimmiges Gesamtbild ergeben."
Mercedes-Benz Vito mit besonders hoher Laufleistung
Die carVertical-Auswertung identifizierte außerdem die Modelle, die in
Deutschland besonders häufig eine intensive Nutzung aufweisen. Unter den von
carVertical in Deutschland überprüften Fahrzeugen stach der Mercedes-Benz Vito
hervor: 19,5 Prozent der überprüften Vito überschnitten den Schwellenwert von
36.000 Kilometern pro Jahr. Es folgten der Volkswagen Touran (16,7 Prozent), der
Volkswagen Passat (16,3 Prozent), die Mercedes-Benz V-Klasse (15 Prozent) und
der Skoda Kodiaq (13,2 Prozent).
Diese Modelle werden aufgrund ihrer Praxistauglichkeit, Effizienz und ihrer
Eignung für hohe Laufleistungen häufig für den professionellen Einsatz gewählt
und sind daher bei Unternehmen und Dienstleistern beliebt. Gleichzeitig schätzen
auch Privatkäufer sie aus denselben Gründen und verbinden diese Fahrzeuge mit
Komfort, Langlebigkeit und erschwinglichen Wartungskosten.
Während klassische Taxis im Stadtbild leicht zu erkennen sind, unterscheiden
sich viele Fahrzeuge, die zuvor als Mietwagen, für Transportdienstleistungen,
Carsharing oder Geschäftsreisen eingesetzt wurden, beim späteren Verkauf auf dem
Gebrauchtwagenmarkt äußerlich nicht von gewöhnlichen Pkw.
"Wenn ein relativ neues Fahrzeug eine ungewöhnlich hohe Laufleistung aufweist,
besteht eine gute Chance, dass es zuvor zu einer Unternehmensflotte gehört oder
von Fahrdienstleistern, Kurieren oder anderen Dienstleistern genutzt wurde.
Käufer sollten sich nicht allein von einem attraktiven Erscheinungsbild oder
Preis verleiten lassen, sondern das Fahrzeug gründlich in einer Werkstatt
überprüfen lassen, da möglicherweise schon bald kostspielige Reparaturen
erforderlich werden", erklärt Matas Buzelis, Automobilexperte bei carVertical.
Dass sich eine intensive Nutzung nicht immer auf den ersten Blick erkennen
lässt, bestätigt auch Osmancevic:
"Es gibt durchaus erste Hinweise auf eine intensive Nutzung. Stark abgenutzte
Sitzwangen, Lenkräder, Pedale oder Bedienelemente können beispielsweise
auffällig sein. Auch der Einstiegsbereich oder der Kofferraum können
entsprechende Gebrauchsspuren zeigen. Allerdings lassen sich viele optische
Spuren durch eine professionelle Aufbereitung oder den Austausch einzelner Teile
relativ gut beseitigen. Deshalb kann man allein anhand der Optik keine sichere
Aussage treffen. Gerade für private Käufer ist es wichtig, sich nicht nur vom
ersten Eindruck oder einem niedrigen Kilometerstand überzeugen zu lassen,
sondern auch den technischen Zustand und die Historie des Fahrzeugs zu prüfen."
Fehlender grenzüberschreitender Datenaustausch lässt Käufer im Unklaren
Unter den Fahrzeugen mit Taxi-Einträgen, die carVertical identifiziert hat, ist
ein erheblicher Anteil importiert. Dies deutet darauf hin, dass einige Autos im
Ausland intensiv als Taxis genutzt worden sein könnten, bevor sie als reguläre
Gebrauchtwagen auf den deutschen Markt gelangten. Unseriöse Verkäufer versuchen
häufig, diese Informationen zu verschleiern, da Käufer ehemalige Taxis in der
Regel meiden.
Da Länder Fahrzeugdaten nicht systematisch untereinander austauschen, kann es
schwierig sein, die Historie eines Fahrzeugs über Ländergrenzen hinweg
nachzuverfolgen. Ohne Zugang zu historischen Daten bleiben Käufer im Unklaren
und laufen Gefahr, ein schlecht gewartetes Fahrzeug zu erwerben.
"Der grenzüberschreitende Handel erschwert es, die Risiken einer intensiven
Nutzung zu erkennen. Ein Auto kann in einem Land intensiv genutzt worden sein
und später auf einem anderen Markt als gewöhnlicher Gebrauchtwagen erscheinen.
Wenn die historischen Daten nicht mit dem Fahrzeug weitergegeben werden, können
Käufer lediglich das Erscheinungsbild, den Preis und den aktuellen
Kilometerstand beurteilen - und das reicht nicht aus", sagt Buzelis.
In den Berichten von carVertical finden Käufer den Abschnitt "Fahrgewohnheiten",
der dabei helfen kann zu erkennen, wann ein Fahrzeug den Großteil seiner
Kilometer zurückgelegt hat und ob es Phasen ungewöhnlich intensiver Nutzung gab.
Dieser Kontext ist insbesondere bei importierten Fahrzeugen von Bedeutung. Ein
Fahrzeug, das sich scheinbar in ausgezeichnetem Zustand befindet, kann
schwerwiegende Probleme verbergen, darunter Tachomanipulationen und stark
verschlissene mechanische Komponenten. Mithilfe eines Fahrzeughistorienberichts
können Käufer mehrere Fahrzeuge miteinander vergleichen und schlechte
Kaufentscheidungen vermeiden.
Methodik
Die carVertical-Studie analysierte Fahrzeugberichte, die von den Nutzern des
Unternehmens in EU-Ländern zwischen August 2025 bis Juli 2026 erworben wurden.
Darüber hinaus basiert diese carVertical-Studie auf einer Umfrage, die auf dem
Ladebildschirm des carVertical-Berichts angezeigt wurde und zwischen Oktober bis
November 2025 mit rund 10.000 Befragten in 37 Ländern durchgeführt wurde,
darunter über 1.000 Befragte in Deutschland. Da sich die Umfrage ausschließlich
an carVertical-Nutzer richtete, repräsentiert die Stichprobe Personen, die sich
aktiv für Gebrauchtwagen interessieren.
Über carVertical
carVertical ist ein IT-Datenunternehmen, das riesige Mengen an Fahrzeugdaten aus
über 1000 weltweiten Quellen sammelt und standardisiert, darunter nationale und
bundesstaatliche Register von Strafverfolgungsbehörden, Finanzinstitute und
Kleinanzeigenportale in 37 Ländern. Anschließend bündeln wir diese komplexen
Daten in innovativen und benutzerfreundlichen B2B- und B2C-Produkten und
verwandeln so Rohdaten in wertvolle Marktinformationen, Prognosen und umfassende
Fahrzeugberichte.
Pressekontakt:
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