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Mönchengladbach (ots) - Viele Unternehmer beschäftigen sich mit Steuern erst
dann, wenn der Jahresabschluss ansteht. Dabei werden die größten steuerlichen
Weichen oft viel früher gestellt - nämlich bei der Wahl und Gestaltung der
Unternehmensstruktur. Ob Holding, GmbH oder andere Modelle: Die richtige
Struktur kann langfristig erhebliche finanzielle Vorteile bringen und
gleichzeitig die Grundlage für Vermögensaufbau und Nachfolge schaffen.
Wer erst beim Jahresabschluss über Steuern nachdenkt, hat viele
Gestaltungsmöglichkeiten bereits verschenkt. Die entscheidenden Hebel liegen in
der Unternehmensstruktur und nicht in der nachträglichen Optimierung.
Nachfolgend erfahren Sie, warum die Unternehmensstruktur maßgeblich über die
spätere Steuerbelastung entscheidet und welche Fehler Unternehmer vermeiden
sollten.
Die Unternehmensstruktur gibt den steuerlichen Rahmen vor
Steuerliche Optimierung funktioniert immer innerhalb einer bestehenden
rechtlichen und wirtschaftlichen Struktur. Welche Gesellschaften bestehen, wie
Beteiligungen gehalten werden und wo sich Vermögenswerte befinden, beeinflusst
deshalb wesentlich, welche Gestaltungsmöglichkeiten einem Unternehmer zur
Verfügung stehen.
Steuern zu optimieren, bevor das Unternehmen sinnvoll strukturiert ist, ist
vergleichbar mit der Planung eines Hauses, bevor das Fundament steht. Einzelne
Maßnahmen können durchaus sinnvoll sein, doch ohne eine passende Grundlage
bleiben die Möglichkeiten begrenzt.
Steuerberatung kann eine fehlende Unternehmensstruktur daher nicht ersetzen.
Vielmehr ist die steuerliche Gestaltung ein Werkzeug, das innerhalb der
vorhandenen Struktur eingesetzt wird. Gerade bei wachsenden Unternehmen wird
dieser Unterschied relevant. Was in einer frühen Unternehmensphase funktioniert,
kann bei höheren Gewinnen, zusätzlichen Beteiligungen oder größeren
Vermögenswerten schnell an Grenzen stoßen.
Eine vorausschauende Gestaltung berücksichtigt deshalb nicht nur die aktuelle
Situation. Sie sollte auch mögliche Entwicklungen der kommenden Jahre
einbeziehen.
Warum sich strukturelle Entscheidungen später nur schwer korrigieren lassen
Zwar können Unternehmen ihre Struktur grundsätzlich verändern, doch solche
Umstrukturierungen sind häufig mit rechtlichem, steuerlichem und
organisatorischem Aufwand verbunden. Hinzu kommt, dass bestimmte Gestaltungen
gesetzliche Voraussetzungen, Fristen oder Haltezeiträume mit sich bringen
können.
Je weiter sich ein Unternehmen bereits entwickelt hat, desto komplexer kann eine
spätere Anpassung werden. Hat es beispielsweise erheblich an Wert gewonnen,
Vermögen aufgebaut oder weitere Beteiligungen erworben, bestehen andere
Voraussetzungen als zu Beginn der unternehmerischen Tätigkeit.
Eine durchdachte Struktur muss deshalb nicht jede Entwicklung der nächsten 20
Jahre vorhersehen. Sie sollte jedoch genügend Flexibilität bieten, um auf
Wachstum, neue Gesellschaften oder veränderte Ziele reagieren zu können. Denn
gerade diese Optionen werden bei größeren unternehmerischen Entscheidungen
wertvoll.
Kurzfristige Steuerersparnis ist nicht das entscheidende Ziel
Ein häufiger Fehler besteht darin, Gestaltungen vor allem danach zu beurteilen,
wie viel Steuern sie kurzfristig einsparen. Diese Betrachtung greift zu kurz.
Eine steuerlich attraktive Maßnahme kann wirtschaftlich oder strategisch dennoch
unvorteilhaft sein.
Steuern zu sparen bedeutet zudem nicht automatisch, Vermögen aufzubauen. Für
Unternehmer ist ebenso entscheidend, was mit erwirtschafteten Mitteln
anschließend geschieht und welche Möglichkeiten ihnen langfristig offenstehen.
Statt nur nach der aktuell niedrigsten Steuerbelastung zu fragen, sollten daher
die langfristigen unternehmerischen Ziele im Mittelpunkt stehen:
- Wie soll das Unternehmen in fünf, zehn oder 20 Jahren aussehen?
- Was passiert bei einem späteren Verkauf?
- Wie soll eine mögliche Nachfolge gestaltet werden?
- Was ändert sich, wenn weitere Unternehmen gegründet oder Beteiligungen
erworben werden?
- Wie lassen sich Vermögenswerte schützen und betriebliche Risiken sinnvoll
trennen?
Die Antworten darauf bestimmen, welche Struktur tatsächlich geeignet ist. Erst
anschließend lässt sich beurteilen, welche steuerlichen Gestaltungen zu dieser
Strategie passen.
Eine gute Struktur schafft langfristige Optionen
Besonders relevant wird die Unternehmensstruktur bei Wachstum, Verkauf oder
Nachfolge. Je nach Ausgangslage kann eine passende Gestaltung beispielsweise
dabei helfen, Beteiligungen sinnvoll zu bündeln, Vermögenswerte vom operativen
Geschäft zu trennen oder erwirtschaftete Mittel für weitere unternehmerische
Investitionen einzusetzen.
Welche Lösung sinnvoll ist, lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten.
Rechtsform, Unternehmensgröße, Vermögenssituation und langfristige Ziele müssen
gemeinsam betrachtet werden. Genau deshalb sollte die Struktur nicht allein
anhand der gegenwärtigen Steuerbelastung gewählt werden.
Gute Steuerberatung beginnt somit nicht erst mit der Frage, wie ein bereits
erzielter Gewinn steuerlich behandelt wird. Sie setzt früher an: bei der Frage,
in welcher Struktur dieser Gewinn entsteht, wie er künftig verwendet werden soll
und welche unternehmerischen Möglichkeiten langfristig erhalten bleiben sollen.
Über Michael Schattmann
Michael Schattmann ist Jurist und geschäftsführender Gesellschafter der
Schattmann & Partner Wirtschaftskanzlei. Er berät Unternehmer und Selbstständige
in der strategischen Strukturierungsgestaltung. Sein Fokus liegt auf individuell
entwickelten, langfristig tragfähigen Unternehmensstrukturen. Weitere
Informationen unter: https://www.schattmann-partner.de/
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