|
Berlin (ots) -
- 93 Prozent der Organisationen weltweit diskutieren digitale Souveränität auf
Vorstandsebene
- Zwei Drittel definieren digitale Souveränität als resiliente Interdependenz
und sehen in der gezielten Kontrolle kritischer Technologien sowie
strategischen Partnerschaften einen praktikableren Ansatz als vollständige
technologische Unabhängigkeit
- Mehr als die Hälfte ist überzeugt, ihre digitale Souveränität stärken zu
können, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen
Digitale Souveränität ist für die meisten Organisationen inzwischen ein Thema
auf Vorstandsebene. Gleichzeitig halten 59 Prozent eine vollständige digitale
Souveränität für kein realistisches Ziel. Dies geht aus dem aktuellen Report
"Digital Sovereignty: From Policy Ambition to Executive Imperative" des
Capgemini Research Institute hervor. Für die Studie wurden weltweit 1.300
Entscheider aus Wirtschaft und Technologie befragt. Die Studie zeigt, dass
Unternehmen statt einer vollständigen technologischen Unabhängigkeit einen
pragmatischen Ansatz verfolgen. Im Fokus stehen der Schutz kritischer
Geschäftsprozesse, die Kontrolle über zentrale digitale Fähigkeiten sowie die
Vermeidung von Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern.
Technologieabhängigkeiten machen Unternehmen verwundbar
Laut der Studie haben Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren die Migration
in die Cloud, die Einführung von KI sowie ihre digitale Transformation massiv
vorangetrieben - häufig schneller, als sich Governance- und Resilienzmodelle
weiterentwickeln konnten. Gleichzeitig sind sie zunehmend von einer kleinen Zahl
globaler Technologieanbieter abhängig geworden; geopolitische Spannungen und
Störungen von Lieferketten haben in den vergangenen Jahren die Risiken dieser
Konzentration deutlich gemacht. Wie stark diese Risiken ausgeprägt sind, zeigt
der ergänzend zur Befragung entwickelte Digital Sovereignty Index von Capgemini.
Er basiert auf der Analyse von 866 Organisationen in den USA, Europa und im
asiatisch-pazifischen Raum (APAC) entlang von fünf Souveränitätsdimensionen. Die
Ergebnisse zeigen: 86 Prozent sind erheblichen Abhängigkeiten von ausländischen
oder extern kontrollierten Lieferketten ausgesetzt.
Die hohe Abhängigkeit wird durch eine starke Konzentration auf wenige Anbieter,
begrenzte Transparenz entlang der Lieferkette und lange Wechselzeiten zusätzlich
verstärkt. Dadurch steigt ihre Anfälligkeit gegenüber Störungen. Dennoch ist die
Notfallplanung je nach Region unterschiedlich ausgeprägt. Nur 42 Prozent der
Organisationen, die in jüngster Zeit operative Störungen erlebt haben, verfügen
über entsprechende Vorkehrungen. Am besten vorbereitet sind die USA, wo nahezu
zwei Drittel der Organisationen über Notfallpläne verfügen. In Europa und APAC
liegt dieser Anteil jeweils nur etwas über einem Drittel.
Digitale Souveränität rückt auf der Vorstandsebene nach oben
Digitale Souveränität ist inzwischen ein zentrales Thema für das Top-Management.
Digitale Souveränität zählt für 44 Prozent der Organisationen zu den wichtigsten
Themen auf Vorstandsebene. Dies schlägt sich zunehmend in konkreten Maßnahmen
nieder: Fast vier von fünf Organisationen setzen bereits eine entsprechende
Strategie um oder entwickeln derzeit eine. Weitere rund 20 Prozent planen,
innerhalb der kommenden zwölf Monate eine solche Strategie einzuführen. Diese
Investitionen spiegeln die wachsende Sorge wider, kritische Geschäftsprozesse in
einem zunehmend unsicheren geopolitischen Umfeld aufrechterhalten zu können -
mehr als drei Viertel der Organisationen sind diesbezüglich in hohem Maße
besorgt.
Operative Resilienz gegenüber geopolitischen Unsicherheiten und Störungen ist
der wichtigste Treiber von Initiativen zur digitalen Souveränität und wird von
vier von fünf Befragten genannt. Künstliche Intelligenz (KI) hat sich dabei zum
wichtigsten Schwerpunkt entwickelt. Drei Viertel der Organisationen
identifizieren KI als zentrales Handlungsfeld auf ihrem Weg zu mehr digitaler
Souveränität. Ein besonders starker Fokus zeigt sich in Branchen wie Aerospace &
Defense sowie Transport und Logistik, die kritische Infrastrukturen,
Informationen oder Betriebsabläufe steuern.
Digitale Souveränität wird in Deutschland vor allem als Resilienz- und
Risikomanagementthema verstanden
Ein Blick auf die Deutschland-Zahlen zeigt die besondere Bedeutung von Resilienz
und Risikomanagement. So verbinden 57 Prozent der deutschen Unternehmen damit
vor allem die Fähigkeit, kritische Geschäftsprozesse auch unter geopolitischem
Druck aufrechtzuerhalten. 81 Prozent sehen geopolitische Entwicklungen als
Risiko für kritische Geschäftsabläufe. Laut Digital Sovereignty Index weisen 94
Prozent der untersuchten Organisationen in Deutschland erhebliche digitale
Abhängigkeiten auf - der höchste Wert aller im Rahmen der Studie betrachteten
Länder. Trotz dieser hohen Exponierung überprüfen nur 60 Prozent der betroffenen
deutschen Unternehmen ihre digitalen Abhängigkeitsrisiken regelmäßig (globaler
Durchschnitt: 66 Prozent), und nur 10 Prozent haben ihre Abhängigkeiten
vollständig erfasst (global: 14 Prozent).
Auf Führungsebene wird das Thema dennoch zunehmend zur Chefsache: Etwas mehr als
die Hälfte der deutschen Unternehmen (53 Prozent) erwägen die Einführung eines
Chief Sovereignty Officer (weltweit: 40 Prozent), und 45 Prozent haben digitale
Souveränität bereits als festen Tagesordnungspunkt mit eigener Board-Governance
verankert (weltweit: 36 Prozent). Auch Künstliche Intelligenz spielt eine
zentrale Rolle: 82 Prozent stufen sie als zentrale Priorität im Kontext
digitaler Souveränität ein (global: 75 Prozent), was deutlich über dem globalen
Durchschnitt von 75 Prozent liegt.
"Unternehmen agieren heute in hochgradig vernetzten Technologieökosystemen.
Digitale Souveränität bedeutet daher nicht vollständige Autonomie. Vielmehr geht
es darum, ein klares Verständnis der eigenen Technologieabhängigkeiten zu
entwickeln, um die notwendige Kontrolle und Flexibilität zur Steuerung von
Risiken zurückzugewinnen", sagt Urs Krämer, Chief Sales Officer bei Capgemini in
Deutschland. "Auf dieser Grundlage können Unternehmen einen pragmatischen
Fahrplan entwickeln, der ihre strategischen Ziele unterstützt und gleichzeitig
Anforderungen an Datenlokalisierung, Zugriffssteuerung, Betriebsprozesse sowie
regulatorische und technologische Rahmenbedingungen berücksichtigt. Die
eigentliche Herausforderung besteht darin, Resilienz aufzubauen, ohne die
Wettbewerbsfähigkeit einzuschränken. Gleichzeitig braucht es vertrauensvolle
Partnerschaften, damit Unternehmen Innovationen vorantreiben und langfristiges
Wachstum sichern können."
Trotz regionaler Unterschiede wird digitale Souveränität nicht mit vollständiger
Unabhängigkeit gleichgesetzt
Obwohl digitale Souveränität weltweit zu einer geschäftlichen Priorität geworden
ist, verfolgen Organisationen in den verschiedenen Regionen unterschiedliche
Strategien. In APAC, Kontinentaleuropa und Großbritannien wird digitale
Souveränität vor allem mit Risikominimierung und dem Aufbau von Resilienz
verbunden. In den USA betrachten hingegen mehr als die Hälfte der Organisationen
(52 Prozent) digitale Souveränität in erster Linie aus einer
Compliance-Perspektive, 40 Prozent verstehen sie vor allem als Instrument zur
Stärkung der Resilienz.
Darüber hinaus äußern Organisationen im asiatisch-pazifischen Raum und in
Kontinentaleuropa deutlich größere Sorgen hinsichtlich der Aufrechterhaltung
kritischer Geschäftsprozesse in Zeiten geopolitischer Unsicherheit als
Unternehmen in den USA und Großbritannien. Trotz dieser regionalen Unterschiede
besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass digitale Souveränität nicht mit
vollständiger technologischer Unabhängigkeit gleichzusetzen ist. Weltweit
definieren zwei Drittel der Organisationen digitale Souveränität als resiliente
Interdependenz. In Europa ist dieser Anteil mit 75 Prozent deutlich höher als in
den USA mit 50 Prozent.
Auch hinsichtlich der Umsetzung unterscheiden sich die Ansätze. Weltweit
erwarten mehr als zwei Drittel der befragten Organisationen, digitale
Souveränität durch eine Kombination aus interner Entwicklung und externer
Zusammenarbeit zu erreichen. Organisationen in den USA setzen dabei stärker auf
Ökosysteme und Branchenpartnerschaften zur gemeinsamen Entwicklung von
Fähigkeiten als Organisationen in APAC und Europa.
Mangelnde Transparenz, Vendor Lock-in und Kosten erschweren die Umsetzung
Nur 14 Prozent der Organisationen verfügen über eine vollständige
End-to-End-Transparenz ihrer Abhängigkeiten innerhalb des erweiterten
Technologieökosystems. Dadurch fällt es vielen Unternehmen schwer, Risiken im
Zusammenhang mit geopolitischen Entwicklungen oder kritischen Lieferanten
frühzeitig zu erkennen und zu bewerten. Eine weitere Hürde besteht darin, die
Abhängigkeit von kritischen Technologieanbietern zu verringern. Laut eigenen
Angaben würde ein Wechsel von einem kritischen Anbieter bei mehr als einem
Drittel (36 Prozent) der Organisationen mehr als zwölf Monate dauern. Jede
zehnte Organisation gibt an, über keine realistische Alternative zu verfügen.
Zudem ist nur knapp die Hälfte der befragten Organisationen bereit, für mehr
digitale Souveränität einen Aufpreis zu zahlen. Diejenigen, die dazu bereit
sind, würden im Durchschnitt Mehrkosten von 23 Prozent akzeptieren. Dies
verdeutlicht die Herausforderung, die steigenden Anforderungen an digitale
Souveränität mit Kosten- und Wettbewerbsdruck in Einklang zu bringen.
Weitere Informationen unter: https://www.capgemini.com/de-de/news/pressemitteilu
ng/studie-digitale-souveraenitaet/
Methodik der Studie
Für diese Studie befragte das Capgemini Research Institute im April 2026
insgesamt 1.300 Führungskräfte aus Wirtschaft und Technologie verschiedener
Branchen. Die befragten Organisationen verfügen über einen Jahresumsatz von mehr
als einer Milliarde US-Dollar, staatliche Einrichtungen über ein Jahresbudget
von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die Untersuchung umfasst Organisationen
in den USA, Großbritannien, Kontinentaleuropa (Deutschland, Frankreich, Italien,
die Niederlande, Spanien und Schweden) sowie im asiatisch-pazifischen Raum
(Australien, China, Indien und Japan). Darüber hinaus führte das Forschungsteam
Interviews mit 13 Führungskräften führender globaler Organisationen durch.
Über Capgemini
Capgemini ist der Partner für die Geschäftstransformation im KI-Zeitalter. Das
Unternehmen unterstützt Organisationen dabei, eine intelligente und nachhaltige
Zukunft zu gestalten. Dabei verbindet Capgemini KI, Technologie sowie
menschliche Kreativität und verändert somit, wie Unternehmen agieren,
Innovationen vorantreiben und Wachstum generieren. Über Strategieentwicklung,
Technologie, Engineering und Intelligent Operations hinweg verbindet das
Unternehmen fundierte Branchenexpertise mit marktführenden Fähigkeiten in den
Bereichen KI, Cloud und Daten. So entsteht aus ambitionierten Vorhaben echter,
skalierbarer Geschäftserfolg. Seit fast 60 Jahren und gemeinsam mit einem
starken Partnernetzwerk stehen 410.000 Mitarbeitende in mehr als 50 Ländern für
Verantwortung wie auch Vielfalt. Die Gruppe erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz
von 22,5 Milliarden Euro.
Make it real | http://www.capgemini.com/de
Pressekontakt:
Stefanie Hauck
Capgemini
E-Mail: mailto:stefanie.hauck@capgemini.com
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16952/6347626
OTS: Capgemini
|