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Dortmund (ots) - Rund 316.800 Menschen ab 30 Jahren waren 2024 in
Westfalen-Lippe wegen einer Herzinsuffizienz in ärztlicher Behandlung. Das
entspricht 5,5 Prozent der Bevölkerung ab 30 Jahren. Wie stark die Häufigkeit
innerhalb der Region variiert, zeigt der neue 'AOK-Gesundheitsatlas
Herzinsuffizienz' des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der heute in
Dortmund im Vorfeld des Weltherztages am 29. September vorgestellt wurde. Eine
Herzinsuffizienz kann sich unter anderem durch Atemnot, schnelle Erschöpfung,
Müdigkeit und Wassereinlagerungen im Gewebe bemerkbar machen. "Das Risiko für
eine Herzinsuffizienz lässt sich durch gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung,
die konsequente Behandlung von Bluthochdruck und den Verzicht auf das Rauchen
deutlich senken", sagte Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest.
Deutliche regionale Unterschiede
Der AOK-Gesundheitsatlas zeigt bei der Herzinsuffizienz-Häufigkeit deutliche
Unterschiede zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten in Westfalen-Lippe:
Die niedrigsten Anteile finden sich mit 4,1 Prozent in Bielefeld und 4,2 Prozent
in Münster. Am stärksten betroffen sind die Städte Herne mit einer
Krankheitshäufigkeit von 8,3 Prozent und Gelsenkirchen (7,2 Prozent). Im
Vergleich zu anderen Bundesländern entspricht der Anteil der wegen
Herzinsuffizienz behandelten Personen in Westfalen-Lippe mit 5,5 Prozent genau
dem bundesweiten Durchschnitt. Die Krankheitshäufigkeit in Westfalen-Lippe ist
laut der WIdO-Analyse im Jahr 2024 im Vergleich zu 2017 leicht zurückgegangen-
von 5,7 Prozent auf 5,5 Prozent.
Krankheitshäufigkeit steigt im Alter an
Die Herzinsuffizienz, umgangssprachlich auch als Herzschwäche bezeichnet, ist
eines der häufigsten Gesundheitsprobleme des Herz-Kreislauf-Systems. Während die
Erkrankung in jungen Lebensjahren selten vorkommt, steigt die Häufigkeit mit dem
Alter stark an und erreicht den Häufigkeitsgipfel in der Altersgruppe ab 90
Jahre. Hier liegt der Anteil der erkrankten Männer in Westfalen-Lippe bei 36,3
Prozent und 29,9 Prozent bei den Frauen.
Männer sind häufiger betroffen
Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Eine mögliche Erklärung für diesen
Unterschied ist, dass Männer häufiger und früher an einer koronaren
Herzkrankheit oder einem Herzinfarkt erkranken. Beide zählen zu den wichtigen
Ursachen einer Herzinsuffizienz.
Regionaler Zusammenhang zwischen Rauchen und Herzinsuffizienz
Rauchen ist ein maßgeblicher Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer
Erkrankungen, in deren Folge eine Herzinsuffizienz auftreten kann. Der
AOK-Gesundheitsatlas zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem regionalen
Anteil der rauchenden Bevölkerung und der Herzinsuffizienz-Prävalenz in
Westfalen-Lippe. In vielen Regionen, in denen der Anteil der Rauchenden hoch
ist, ist auch die Herzinsuffizienz-Häufigkeit besonders ausgeprägt. In
Westfalen-Lippe trifft dies gleich auf mehreren Regionen zu, darunter
Gelsenkirchen, Herne, Bochum, Bottrop, Hamm, Herne und der Ennepe-Ruhr-Kreis.
"Da Rauchen ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen ist,
können Rauchverzicht sowie Maßnahmen zur Raucherprävention dazu beitragen, das
Risiko künftiger kardiovaskulärer Erkrankungen und damit auch eine
Herzinsuffizienz zu reduzieren", so AOK-Chef Ackermann.
Risikofaktoren minimieren
Neben dem Rauchen als maßgeblicher Risikofaktor für eine Herzinsuffizienz geht
aus dem AOK-Gesundheitsatlas ebenfalls hervor, dass weitere verschiedene
Risikofaktoren zur Entstehung einer kardiovaskulären Erkrankung und in deren
Folge eine Herzinsuffizienz auftreten können. Dazu gehören Bluthochdruck,
Fettstoffwechselstörungen, starkes Übergewicht oder Diabetes mellitus Typ 2.
"Dies verdeutlicht das hohe Präventionspotential. Mit einer gesunden Lebensweise
kann das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich gesenkt werden", so
der AOK-Chef. Auf dem Weg zu Lebensstilveränderungen unterstützt die AOK
NordWest ihre Versicherten mit zahlreichen kostenfreien persönlichen und
digitalen Angeboten im Rahmen ihres Gesundheitsprogramms.
Strukturierte Behandlung für ein besseres Krankheitsmanagement
Die chronische Herzinsuffizienz ist eine schwere Erkrankung, die mit einer
eingeschränkten Lebensqualität einhergeht und die Lebenserwartung verkürzen
kann. Eine aktive Mitwirkung der Betroffenen ist für eine erfolgreiche
Behandlung wichtig. Dabei spielt das Selbstmanagement eine wichtige Rolle, um
Lebensstiländerungen wie körperliche Aktivität Schritt für Schritt zu
implementieren und Medikamente zuverlässig einzunehmen. Außerdem erfordert die
chronische Herzinsuffizienz regelmäßige Verlaufskontrollen sowie eine
Koordination der Versorgung zwischen den verschiedenen an der Behandlung
beteiligten Haus- und Fachärztinnen und -ärzten. Um Betroffene noch besser zu
unterstützen, ist ein neues Disease-Management Programm (DMP) 'Herzinsuffizienz'
in Vorbereitung, das voraussichtlich im nächsten Jahr in Westfalen-Lippe nach
neuen Behandlungsleitlinien eingeführt werden soll.
Sinkende Mortalität, mehr Klinikaufenthalte und Arzneimittel-Verordnungen
Die Herzinsuffizienz schränkt durch ihre Symptome nicht nur die Lebensqualität
der Betroffenen ein, sondern geht auch mit einer erhöhten Sterblichkeit einher.
Positiv ist, dass sich die Sterblichkeit im Zusammenhang mit der
Herzinsuffizienz in den vergangenen Jahren auch in Nordrhein-Westfalen deutlich
reduziert hat - von 1.503 Todesfällen im Jahr 2017 auf 7.591 im Jahr 2024.
Zugenommen haben hingegen die Krankenhausfälle. Im Jahr 2017 wurden 100.195
Menschen mit einer Herzinsuffizienz in Kliniken in NRW behandelt, in 2024 waren
es 106.265 Patientinnen und Patienten. 2025 wurden in Westfalen-Lippe fast 15
Millionen Verordnungen für Medikamente mit den Zielwirkstoffen für
Herzinsuffizienz ausgestellt im Wert von über 531 Millionen Euro. Im Vergleich
zu 2020 sind die Verordnungen damit um 6,6 Prozent gestiegen. Die Ausfalltage
bei AOK-Versicherten ab 30 Jahren in Westfalen-Lippe wegen einer
Herzinsuffizienz betrugen in 2017 insgesamt 27.553 Tage, in 2025 waren es schon
77.645 Tage.
Hohe Krankheitskosten
Zudem ist laut Krankheitskostenstatistik des Statistischen Bundesamtes die
Herzinsuffizienz mit Krankheitskosten von 9,2 Milliarden Euro für knapp zwei
Prozent der Gesundheitsausgaben in Deutschland verantwortlich. Die Kosten
entstehen vor allem durch Krankenhausaufenthalte und steigen mit dem Schweregrad
an.
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Jens Kuschel, Pressesprecher
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