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Berlin (ots) - Mehr als 3 Millionen Menschen waren im Jahr 2024 bundesweit von
einer Herzinsuffizienz betroffen. Das zeigt der aktuelle "Gesundheitsatlas
Deutschland", den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Vorfeld des
Weltherztages am 29. September 2026 veröffentlicht. Der Bericht macht deutlich,
dass soziale und materielle Benachteiligung mit einer deutlich höheren Belastung
durch Herzinsuffizienz einhergeht. Menschen in den sozioökonomisch am stärksten
benachteiligten Regionen Deutschlands sind deutlich häufiger von einer
Herzinsuffizienz betroffen als Menschen in Regionen mit günstigen sozialen und
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. In den besonders benachteiligten Regionen
sind 6,8 Prozent von Herzinsuffizienz betroffen, in den materiell besser
gestellten Regionen hingegen lediglich 4,4 Prozent. Auch nach Berücksichtigung
von Alters- und Geschlechtsunterschieden bleibt dieser Zusammenhang weitgehend
bestehen. Die Ergebnisse unterstreichen den erheblichen Einfluss sozialer
Faktoren auf die Herzgesundheit und die Bedeutung zielgerichteter
Präventionsmaßnahmen.
Die Herzinsuffizienz, umgangssprachlich auch als Herzschwäche bezeichnet, stellt
eines der häufigsten Gesundheitsprobleme des Herz-Kreislauf-Systems dar. Sie
tritt als Folge anderer Krankheiten auf, zu denen insbesondere die Koronare
Herzkrankheit und der Bluthochdruck zählen.
Insgesamt lebten im Jahr 2024 rund 3,2 Millionen Menschen in Deutschland mit
einer Herzinsuffizienz. Das entspricht einer Prävalenz von 5,5 Prozent in der
Bevölkerung ab 30 Jahren. Neben sozialen Faktoren zeigen die Analysen des
Gesundheitsatlas auch deutliche Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit von
Herzinsuffizienz und vermeidbaren Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und
Typ-2-Diabetes. Dies verdeutlicht, wie wichtig gesundheitliche Prävention und
gesundheitsförderliche Lebensbedingungen zur Vermeidung von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Ökonomisch und sozial besonders benachteiligte
("deprivierte") Regionen weisen laut Gesundheitsatlas mit 6,8 Prozent eine
höhere Herzinsuffizienzprävalenz auf als Regionen mit der besten materiellen und
sozialen Ausgangssituation. Dort liegt der Wert nur bei 4,4 Prozent. Im "fairen"
Vergleich unter Berücksichtigung von unterschiedlichen Alters- und
Geschlechts-strukturen der Bevölkerung in den Regionen bleibt der Zusammenhang
zwischen Herzinsuffizienz und der sozioökonomischen Lage weitgehend bestehen.
"Die Ergebnisse zeigen, dass sich soziale Ungleichheit auch in der
Herzgesundheit widerspiegelt", sagt Helmut Schröder, Geschäftsführer des
Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). "Einkommen, Bildung und
Beschäftigung beeinflussen die Verteilung wichtiger Risikofaktoren und damit
auch die Krankheitslast in den Regionen. Präventionsangebote sollten
insbesondere dort gestärkt werden, wo die gesundheitlichen Belastungen besonders
hoch sind."
Krankheitshäufigkeit steigt mit dem Alter, Männer sind etwas häufiger betroffen
Während eine Herzinsuffizienz in jungen Lebensjahren selten vorkommt, steigt die
Häufigkeit mit dem Alter stark an. In der Altersgruppe ab 90 Jahren liegt der
Anteil der erkrankten Männer bei 35 Prozent und der erkrankten Frauen bei 30
Prozent. Der Geschlechtsunterschied ist erwartbar, weil Männer häufiger von
einer Vorerkrankung wie Koronare Herzkrankheit oder Herzinfarkt, die das Risiko
für die Entstehung einer Herzinsuffizienz erhöhen, betroffen sind. "Mögliche
Ursachen für die Geschlechtsunterschiede sind biologische Faktoren und eine
unterschiedliche Häufung von Risikofaktoren bei Männern und Frauen", so Helmut
Schröder. "Das Rauchen stellt einen wichtigen Risikofaktor für kardiovaskuläre
Krankheiten dar, und in den vergangenen Jahrzehnten war der Raucheranteil bei
Männern stets deutlich höher als bei Frauen. Außerdem tritt Bluthochdruck bei
Männern häufig schon im mittleren Lebensalter auf, bei Frauen erst später."
Östliche Bundesländer stärker betroffen
Die Herzinsuffizienzhäufigkeit unterscheidet sich in den einzelnen Bundesländern
deutlich. Besonders niedrige Krankheitshäufigkeiten weisen Hamburg (3,8
Prozent), Bremen (4,5 Prozent) und Berlin (4,6 Prozent) auf. Den höchsten
Herzinsuffizienzanteil verzeichnet Sachsen-Anhalt (8,9 Prozent), gefolgt von
Thüringen (8,5 Prozent) und Sachsen (7,9 Prozent).
Werden die Herzinsuffizienzprävalenzen auf der Ebene der 400 Kreise und
kreisfreien Städte in Deutschland betrachtet, zeigen sich noch deutlichere
Unterschiede: Der höchste Anteil von Betroffenen findet sich im Landkreis
Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt mit 13,9 Prozent, der niedrigste Anteil
dagegen in Frankfurt am Main mit 2,8 Prozent. Sehr niedrige
Herzinsuffizienzprävalenzen finden sich in vielen Kreisen um Hamburg und
München, im Rhein-Main-Gebiet und im südlichen Baden-Württemberg.
Überdurchschnittlich hohe Prävalenzen zeigen sich dagegen in vielen Kreisen in
Ostdeutschland sowie in Nord- und Ostbayern. Die Zahl der Betroffenen in diesen
Regionen ist auch unter Berücksichtigung der spezifischen Alters- und
Geschlechtsstruktur der Bevölkerung vergleichsweise groß. "Das zeigt, dass nur
ein kleiner Teil der regionalen Unterschiede auf die Alters- und
Geschlechtsstrukturen zurückgeführt werden kann", erläutert Helmut Schröder.
Mehr Raucherinnen und Raucher - mehr Herzinsuffizienz
Rauchen ist ein maßgeblicher Risikofaktor für die Entwicklung kardiovaskulärer
Erkrankungen, in deren Folge wiederum eine Herzinsuffizienz auftreten kann. Ein
Vergleich auf regionaler Ebene bestätigt die aus der wissenschaftlichen
Literatur bekannten Zusammenhänge: In Regionen mit besonders vielen Raucherinnen
und Rauchern liegt der Anteil der von Herzinsuffizienz Betroffenen bei 6,6
Prozent, in Regionen mit wenigen Rauchern dagegen nur bei 4,7 Prozent. Werden
die regional unterschiedlichen Alters- und Geschlechtsstrukturen berücksichtigt,
verringert sich dieser Unterschied nur leicht. "Maßnahmen zur Rauchprävention
können daher zur Vermeidung zukünftiger Erkrankungen beitragen", so Helmut
Schröder.
Bluthochdruck steht ebenfalls mit der Häufigkeit von Herzinsuffizienz in
Zusammenhang
Die Einzelfaktoren des metabolischen Syndroms, und zwar Bluthochdruck
(arterielle Hypertonie), Fettstoffwechselstörungen (Dyslipoproteinämie),
bauchbetontes Übergewicht (abdominelle Adipositas) und gestörte Glukosetoleranz,
sind jeweils Risikofaktoren für die Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen und
in deren Folge einer Herzinsuffizienz. Für den vorliegenden Gesundheitsatlas
Herzinsuffizienz wurde der Zusammenhang mit Bluthochdruck sowie Diabetes Typ 2
auf regionaler Ebene untersucht. Auch diese Ergebnisse stehen im Einklang mit
den aus der wissenschaftlichen Literatur bekannten Zusammenhängen: In Regionen
mit wenigen Hypertoniepatientinnen und -patienten liegt der
Herzinsuffizienz-Patientenanteil bei 4,2 Prozent, in Regionen mit besonders
vielen an Hypertonie Erkrankten dagegen bei 8,4 Prozent. Der Zusammenhang mit
Typ-2-Diabetes ist ähnlich ausgeprägt. "Dies verdeutlicht das
Präventionspotential. Durch gesunde Ernährung und ausreichend körperliche
Aktivität sowie eine gute Behandlung von Bluthochdruck kann das Risiko für
kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich gesenkt werden und die Zahl der
zukünftigen Herzinsuffizienzfälle reduziert werden." lautet das Fazit von Helmut
Schröder.
Hinweise für die Redaktionen:
Der " Gesundheitsatlas Deutschland" zum Thema Herzinsuffizienz steht zum
kostenlosen Download unter https://ots.de/BK8REQ
Grafiken und Daten zur Herzinsuffizienz und zu weiteren Erkrankungen finden sich
im Online-Portal des WIdO : http://www.gesundheitsatlas-deutschland.de
Pressekontakt:
Wissenschaftliches Institut der AOK
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Peter Willenborg
Telefon: 030 34646 2467
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