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Schönau (ots) - 28 Unternehmen fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen
Appell zu Korrekturen in der Energie- und Klimapolitik auf. Zu den
Unterzeichnern gehören Unternehmen aus den Branchen Maschinenbau und
produzierendes Gewerbe, Banken, Landwirtschaft, Ingenieur-, Beratungs- und
Dienstleistungsunternehmen sowie Energieversorger und Projektierer erneuerbarer
Energien.
Anlass der Initiative ist der zurückliegende Hitze- und Dürresommer, der Erträge
gemindert, Arbeitsabläufe verlangsamt und die Leistung technischer Anlagen
gedrosselt hat. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kostete er zudem etwa
16.000 Menschen in Deutschland das Leben. Zu den volkswirtschaftlichen Schäden
kommen betriebliche: deutliche Ernteeinbußen in der Landwirtschaft,
Transportprobleme durch Einschränkungen der Flussschifffahrt, erschwerte Kühlung
technischer Anlagen. "Der Sommer 2026 war", so die Unterzeichnerinnen und
Unterzeichner des Appells, "für viele Unternehmen, Arbeitgebende und
Arbeitnehmende kein Wetterereignis, sondern ein Betriebsrisiko."
Am offensichtlichsten treffen Hitze und Dürre wohl die Landwirtschaft. "Wasser
ist für uns in diesem Sommer zur Kernfrage geworden", fasst Florian Reyer,
Betriebsleiter Gemüsebau und regenerative Energien in der Hofgemeinschaft
Heggelbach, die Problematik zusammen. "Aufgrund der extrem langen Hitze und
Trockenheit haben wir bei unseren Sommerkulturen wie Kartoffeln und Gemüse große
Ertrags- und Qualitätsdefizite, der Wassermangel hat bei uns ebenfalls zu großem
Futtermangel geführt, auf anderen Betrieben sogar zu Futternotstand. Wer das
einmal erlebt hat, versteht, warum Vorsorge keine politische Option ist, sondern
eine wirtschaftliche Notwendigkeit."
Die Folgen des Klimawandels zeigen sich inzwischen jedoch längst nicht mehr nur
in der Landwirtschaft, sondern in vielen Sektoren von Industrie und Gewerbe -
und zwar ganz konkret im betrieblichen Alltag. "Auch in Norddeutschland mussten
wir an besonders heißen Tagen zusätzliche Schutzmaßnahmen für unsere
Beschäftigten treffen und Arbeitsabläufe anpassen", berichtet Katharina Beyer,
Vorständin der Prokon Regenerative Energien eG. "Es kam zu gesundheitlichen
Beeinträchtigungen, und das senkt unmittelbar die Produktivität. Wer über die
Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen spricht, muss deshalb auch über Klimaschutz
und Klimaanpassung sprechen."
Aus diesen und vielen anderen Gründen drängen die unterzeichnenden Unternehmen
auf einen politischen Kurswechsel. "Der Sommer 2026 brachte Deutschland extreme
Hitze, Dürre, Niedrigwasser und so viele Hitzetage wie nie zuvor. Und statt
darauf zu reagieren, fährt die Bundesregierung Klimaschutzinstrumente zurück,"
kritisiert Alexander Sladek, Vorstand EWS Schönau eG, und appelliert zu mehr
Entschlossenheit: "Wer heute zögert, verschiebt die Kosten auf morgen, auf
unsere Betriebe und auf die nächste Generation. Als Genossenschaft wissen wir
aus Erfahrung: Wo eine Gemeinschaft entschlossen handelt, bewegt sich etwas."
Die Unternehmen, die in Deutschland produzieren, versorgen, beschäftigen und
investieren, kritisieren vor allem die fehlende Verlässlichkeit politischer
Rahmenbedingungen. Zentrale Instrumente einer auf Emissionsreduktionen
ausgerichteten innovativen Wirtschaftspolitik seien, so der Appell, abgeschwächt
worden: "Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sollen ab 2027 in
den Kernhaushalt fließen, der CO2-Preispfad für 2027 soll abgeschwächt bzw.
eingefroren werden, die EEG-Novelle und das Netzpaket bringen neue Vorbehalte
beim Netzanschluss Erneuerbarer Energien". Für Unternehmen, die mit Laufzeiten
von zehn Jahren und mehr planen, entzieht das den Kalkulationen die Grundlage.
Die Folgen reichen bis in die Finanzierung. Weil Banken Klimarisiken im Rating
berücksichtigen müssen, schlägt politische Unsicherheit unmittelbar auf den
Zugang zu Kapital durch, darauf weist die mitzeichnende GLS Bank hin.
"Heute entscheidet sich, wo die industrielle Wertschöpfung der Zukunft
stattfindet. Wir bauen Maschinen in Deutschland und konkurrieren weltweit. Wer
den Industriestandort Deutschland stärken will, muss Unternehmen verlässliche
Rahmenbedingungen geben und eine Richtung, die nicht mit politischen Mehrheiten
wechselt. Klimapolitik ist wirtschaftliche Zukunftssicherung. Deshalb gehört sie
als Gemeinschaftsaufgabe verbindlich ins Grundgesetz." so Alrun Ohrmann,
Geschäftsführende Gesellschafterin, OHRMANN GmbH.
Zugleich formulieren die Unternehmen ein positives Gegenbild: "Wir sehen ein
Industrieland, das seine Energie zunehmend selbst erzeugt, seine Wertschöpfung
im Land behält und unabhängiger von Importen wird. Dieser Weg ist begonnen, er
ist finanzierbar, und er schafft Innovationen und Arbeitsplätze." Der Appell
unterstützt ausdrücklich die Forderungen anderer Initiativen, etwa die von
zivilgesellschaftlichen Organisationen nach einem Hitzegipfel und verbindlicher
Vorsorge oder die von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, die die
Energiewende stärker als kommunale Wirtschaftspolitik verstanden wissen wollen.
Zu den Folgen dieses Sommers haben sich bislang vor allem Organisationen,
Kommunen und Verbände geäußert. Mit dem Appell melden sich nun auch Unternehmen
zu Wort, die die Folgen des Klimawandels im Alltag spüren und die in den Umbau
zu einer klimafesten Wirtschaft investieren.
Vier Punkte ergänzen die Unternehmen in ihrem Appell: Erstens einen
verlässlichen und ambitionierten CO2-Preis. Die Einnahmen sollten über eine
Senkung der Stromsteuer oder über Förderprogramme an Haushalte und Betriebe
zurückfließen. Zweitens die investive Verwendung der Mittel aus dem Klima- und
Transformationsfonds. Sie gehören in Klimaschutz und Transformation, nicht in
den allgemeinen Haushalt. Drittens einen verbindlichen Fahrplan zu einer
vollständig erneuerbaren Energieversorgung. "Dazu gehören ein zügiger Netzausbau
und vor allem Bedingungen, unter denen sich Investitionen tatsächlich rechnen."
Viertens schließlich die Aufnahme von Klimaschutz, Klimaanpassung und
Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe nach Artikel 91a des Grundgesetzes.
Über den Unternehmensappell
"Klimaschutz ist Standortpolitik" ist ein Appell von 28 Unternehmen an die
Bundesregierung und die Mitglieder des Deutschen Bundestages. Initiiert wurde er
von den EWS Elektrizitätswerken Schönau gemeinsam mit Green Planet Energy,
naturstrom und den Bürgerwerken. Der vollständige Text und die Liste der
Unterzeichnenden finden sich unter ews-schoenau.de/appell
(https://www.ews-schoenau.de/ews/kampagnen/klimaschutz-ist-standortpolitik/) .
Am 8. Oktober 2026 wurde der Appell zugleich beim Ausschuss für Wirtschaft und
Energie des Deutschen Bundestages eingereicht.
Pressekontakt:
Stephan Günther
Tel: +49 172 8109353
mailto:stephan.guenther@ews-schoenau.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/177921/6367964
OTS: EWS Elektrizitätswerke Schönau eG
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