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München (ots) -
- Mehr Effizienz, Prävention und Eigenverantwortung könnten moderne Medizin für
alle gesetzlich Versicherten sichern.
- Ohne weitere Reformen würden bis 2035 rund 142 Milliarden Euro fehlen.
- Fokus muss auf Senkung der Ausgaben liegen.
Eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung ist möglich.
Sie erfordert jedoch erhebliche Anstrengungen über die bisherigen Maßnahmen
hinaus. Mit 16 ambitionierten Reformen für ein effizienteres Gesundheitswesen,
mehr Prävention und stärkere Eigenverantwortung könnten die Krankenkassen bis
2035 ein Plus von 126 Milliarden Euro erwirtschaften, ohne auf modernste
Behandlungsmethoden zu verzichten, wie die aktuelle Studie "Gesundheitsfinanzen
am Scheideweg" von Deloitte zeigt. Durchschnittliche Versicherte würden 2035 in
diesem Szenario knapp 1600 Euro weniger pro Jahr für ihre gesetzliche
Krankenversicherung bezahlen als 2026.
Die Studie unterscheidet dabei zwischen der ambitionierten und weniger
ambitionierten Umsetzung von 16 unter Expertinnen und Experten vielfach
diskutierten Reformen. Zudem wird die künftige medizinisch-technische
Entwicklung in zwei Szenarien betrachtet: Für das Innovationsmodell werden
deutlich höhere Kosten durch moderne, zunehmend personalisierte Therapien zu
Grunde gelegt. Im Basismodell ist die Entwicklung vergleichbar mit den
vergangenen Jahren.
Stabile Finanzen ohne umfassende Reformen nicht möglich
Sollte es nicht zu weiteren Reformen kommen, fehlen den gesetzlichen
Krankenkassen der Modellierung zufolge bis 2035 rund 142 Milliarden Euro. "Durch
das jüngste Gesetz zur Beitragsstabilisierung wächst das Defizit zwar langsamer,
doch diese Effekte laufen bis 2030 aus", sagt Dr. Gregor-Konstantin Elbel,
Partner bei Deloitte und verantwortlich für den Bereich Gesetzliche
Krankenkassen und Gesundheitssystem. "Unser Gesundheitssystem muss vom Kopf auf
die Füße gestellt werden, um eine moderne Medizin für alle gesetzlich
Versicherten sicherzustellen. Die Reformen dafür müssen jetzt beschlossen
werden, damit sie ab 2030 ihre Wirkung entfalten können."
Eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung gelingt
weniger durch steigende Einnahmen als vielmehr durch eine Senkung der Ausgaben.
Hier lassen sich 71 Prozent der Einsparungen bis 2050 erzielen - mehr als die
Hälfte davon durch Maßnahmen wie die Stärkung von Prävention, den Fokus auf
Behandlungsergebnisse, die enge Verzahnung von medizinischen Einrichtungen und
Krankenkassen sowie eine flächendeckende KI-Infrastruktur, um kostspielige
Mehrfachbehandlungen zu vermeiden und Verwaltungsprozesse zu vereinfachen.
Konsumsteuern auf Alkohol, Tabak und Zucker können die GKV-Finanzen sowohl auf
der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite entlasten.
"Ein längeres gesundes Leben entlastet das Gesundheitssystem", sagt Elbel. "Wer
den Zugang zu medizinischen Innovationen erhalten und Leistungskürzungen
vermeiden will, muss die Bedeutung von Prävention für die Finanzlage der
gesetzlichen Krankenversicherung ernst nehmen. Zusammen mit strukturellen
Reformen und einer umfassenden KI-Nutzung kann der Neustart des Systems
gelingen."
Eine politisch weniger ambitionierte Umsetzung der 16 Reformen erzielt bei einer
innovativen Entwicklung der Medizin keine langfristige Stabilisierung der
GKV-Finanzen, wie die Studie zeigt. Das Defizit würde unter diesen
Voraussetzungen im Jahr 2035 rund 61 Milliarden Euro betragen. Bis 2040 würden
der demografische Wandel und innovative Behandlungsmethoden das Defizit auf 118
Milliarden Euro ansteigen lassen.
Hier geht es zu der Studie Gesundheitsfinanzen am Scheideweg
(https://ots.de/TK6bPJ) .
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