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Mehr SOS-Infos
https://ots.de/NA1HlH
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München (ots) - Drohnenangriffe, gekappte Kommunikationsleitungen,
lebensgefährliche Schulwege: In der Tigray-Region Äthiopiens sind Gewalt und
Konflikt zurück. Kinder und Familien stehen unter Schock. Das berichten die
SOS-Kinderdörfer weltweit. Es besteht die große Angst, dass es vier Jahre nach
dem Ende des Bürgerkriegs, der als einer der schlimmsten und brutalsten dieses
Jahrhunderts gilt, erneut zum Krieg kommt. Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorständin
der Hilfsorganisation, war erst im Juli in Äthiopien. Sie sagt: "Schon damals
berichteten mir unsere Kollegen und Kolleginnen aus Tigrays Hauptstadt Mekelle,
wie groß der Stress und die Angst vor einem erneuten Krieg insbesondere unter
jungen Menschen sei. Der Bürgerkrieg hat die Region schwer erschüttert und
physische wie psychische Narben hinterlassen. Kinder sowie ihre Eltern haben
schwere Traumatisierungen davongetragen. Sie waren gerade dabei, wieder
Stabilität und Zuversicht zu entwickeln und so etwas wie Hoffnung
wiederzuentdecken, dies wird nun zunichte gemacht."
Der Bürgerkrieg hatte zwei Jahre gedauert und war 2022 beendet worden. Danach
hatte der Wiederaufbau begonnen und langsam war die Wirtschaft wieder in Schwung
gekommen. Nun kämpfen die staatlichen Truppen und die "Volksbefreiungsfront von
Tigray" erneut um die Macht in der Region. Es kommt bereits zu Engpässen bei
Lebensmitteln und Wasser.
Dr. Monika Kleck, Psychologin der Hilfsorganisation, begleitet die Arbeit in
Äthiopien seit Jahren und war erst vor wenigen Monaten im Land. Sie sagt: "Meine
größte Sorge ist, dass Kinder und Jugendliche, die sich gerade ansatzweise
erholt hatten und in ihrer Resilienz gestärkt wurden, wieder zurückgeworfen
werden. Die Gefahr besteht, dass sie neue Verletzungen erfahren und Symptome
chronisch werden."
Bereits jetzt sei die Situation hochbelastend: Die andauernde Drohnengefahr
könne bei Kindern Unsicherheit und Ängste befördern. Die Ungewissheit könne zu
Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Rückzug führen.
Zwar seien die Schulen aktuell wieder geöffnet, aber aus Sorge behalten die
meisten Eltern ihre Kinder zu Hause. Das habe gravierende Folgen. "Die Schule
bietet nicht nur Bildung, sondern auch Struktur, Routine, soziale Interaktion
und ein Gefühl der Normalität. Eine Unterbrechung kann daher sowohl das
emotionale Wohlbefinden der Kinder als auch ihre Alltagsbewältigung
beeinträchtigen", sagt Monika Kleck.
Kinder und Mitarbeitende bleiben aufgrund der Gefahrenlage im SOS-Kinderdorf
Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Kinder und Familien in der Region seit
Jahrzehnten, auch mit psychologischer Hilfe. Im SOS-Kinderdorf Mekelle werden
Kinder betreut, die nicht bei ihren Familien leben können. Aktuell sind sie in
Sicherheit und ihre Versorgung ist garantiert, da bereits in den letzten Monaten
ausreichend Vorräte angelegt wurden. Aufgrund der Gefahrenlage verlassen sie das
SOS-Kinderdorf bis auf weiteres nicht. Derzeit werden Pläne für verschiedene
Szenarien aufgestellt, auch für eine mögliche Evakuierung.
Unterdessen sind zahlreiche junge Menschen aus Tigray bereits in den letzten
Monaten aus der Region geflohen. Die SOS-Kinderdörfer haben 58 von ihnen an den
Standorten Addis Abeba und Hawassa aufgenommen.
SOS-Kinderdörfer leisten psychische Hilfe
Nach Ende des Bürgerkriegs hatte die Hilfsorganisation in der Region außerdem
eine Reihe von Nothilfeprojekten sowie Projekte zur Stärkung der psychischen
Gesundheit umgesetzt. So wurden Mitarbeitende und Partner vor Ort befähigt,
Kindern zu helfen, ihre Emotionen auszudrücken und Stress abzubauen. In einem
weiteren Projekt, gefördert vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung), wurden Jugendliche und Frauen unterstützt,
Resilienz zu entwickeln und sich eine eigene Existenz aufzubauen. Zudem fördert
die Hilfsorganisation in diesem BMZ-Projekt gemeinsam mit einem lokalen Partner
sogenannte "Women and Girls Save Spaces", an denen Frauen, die im vorherigen
Krieg Opfer von sexueller Gewalt geworden waren, umfassende Hilfe erhalten.
Die SOS-Kinderdörfer fordern die Weltgemeinschaft auf, alles daran zu setzen,
eine weitere Eskalation zu verhindern. Noch sei es möglich, die Gefechte zu
stoppen und zum Frieden zurückzukehren.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Boris Breyer
Pressesprecher SOS-Kinderdörfer weltweit
Tel.: 0160 - 984 723 45
E-Mail: mailto:boris.breyer@sos-kd.org
http://www.sos-kinderdoerfer.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/1658/6370582
OTS: SOS-Kinderdörfer weltweit e.V.
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