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Berlin (ots) -
- Auch Fleischproben betroffen: Bei 12 Prozent sind Grenzwerte überschritten
- Hohe Belastung weist auf PFAS-Verschmutzung in Boden und Gewässern hin
- BUND fordert Beschränkung von Produktion und Verwendung von PFAS
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Behördendaten zur
Belastung von Wildschweinfleisch und Wildschweinleber mit PFAS (per- und
polyfluorierten Alkylsubstanzen) bei allen Bundesländern angefragt. Sämtliche
der 114 von den Behörden untersuchten Leberproben überschritten die gesetzlich
zulässigen Höchstgehalte für PFAS deutlich. Auch bei über 12 Prozent der
insgesamt 152 analysierten Fleischproben wurden die Grenzwerte überschritten.
Die gemessenen Konzentrationen zeigen, dass sich PFAS längst in Ökosystemen
ausgebreitet haben und in Wildtieren anreichern. Auch gesundheitlich ist das
Ergebnis bedenklich: Bei der Hälfte der Fleischproben war die PFAS-Konzentration
so hoch, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen bei einem regelmäßigen,
wöchentlichen Verzehr langfristig nicht ausgeschlossen werden können.
Wildschweinleber sollte gar nicht verzehrt werden. Der BUND fordert eine
weitreichende Beschränkung der Produktion und Verwendung von PFAS.
Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND : "Wenn selbst Wildtiere in Deutschland mit
den Ewigkeitschemikalien belastet sind, zeigt das, wie großflächig PFAS
inzwischen in unserer Umwelt verbreitet sind. Die PFAS-Belastung von
Wildschweinen macht das Ausmaß der Umweltverschmutzung sichtbar."
Die Daten der Fleischproben stammen aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen,
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Die Daten zu
den Wildschwein-Lebern wurden von den Behörden aus Bayern, Hessen,
Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt. Besonders
alarmierend ist, dass die Belastung nicht auf einzelne bekannte
Schadstoffquellen beschränkt ist, sondern vielerorts auf
Hintergrundkonzentrationen in Böden, Gewässern und Nahrungsketten zurückzuführen
sein dürfte.
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die PFAS-Belastung nicht mehr nur an einzelnen
sogenannten Hotspots hoch ist, sondern selbst vergleichsweise naturnahe
Lebensräume betroffen sind. Damit bestätigt die Studie die Ergebnisse zweier
aktueller Untersuchungen des Umweltbundesamtes, die eine weitverbreitete
Belastung von Wildtieren (https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/118
50/publikationen/88_2025_texte_bf.pdf) und Böden (https://www.umweltbundesamt.de
/system/files/medien/11850/publikationen/2026-08/134_2026_TEXTE_0.pdf) mit PFAS
nachweisen.
Die EU-weite Beschränkung der PFAS-Chemikalien befindet sich derzeit in einer
entscheidenden Phase. Noch in diesem Jahr werden die Ausschüsse der Europäischen
Chemikalienagentur (ECHA) ihre Empfehlungen vorlegen. Danach liegt es an der
Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten, den Weg für eine wirksame
Regulierung der Ewigkeitschemikalien freizumachen. Der BUND fordert eine
weitreichende Beschränkung der Produktion und Verwendung der
Ewigkeitschemikalien. Zeitlich befristete Ausnahmen darf es nur dort geben, wo
für unverzichtbare Anwendungen noch keine geeigneten Alternativen verfügbar
sind.
"Mit jedem PFAS-Eintrag in die Umwelt hinterlassen wir zukünftigen Generationen
ein zunehmendes Gesundheitsrisiko und gefährden unsere Ökosysteme. Wir fordern
die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, die weitere PFAS-Verschmutzung
unverzüglich zu stoppen. Die Produktion und Verwendung dieser
Ewigkeitschemikalien muss umfassend beschränkt werden", so Bandt.
Hintergrund:
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind extrem langlebig und können
sich im Körper anreichern. Einmal in der Umwelt bauen sie sich nicht oder nur
teilweise ab und können sich über Luft und Wasser verteilen.
Die Stoffgruppe umfasst nach aktuellen Schätzungen über 10.000 Einzelsubstanzen.
Zur Zeit finalisiert die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eine Empfehlung
für eine Beschränkung der Produktion und Verwendung der Chemikaliengruppe PFAS.
Dabei werden alle Anwendungsfälle angeschaut. Es wird bewertet, ob es bereits
Alternativen auf dem Markt gibt. Je nach Verfügbarkeit der Alternativen sind
unterschiedlich lange Übergangsfristen vorgesehen.
Wenn die EU-Kommission Ende des Jahres die Empfehlung der ECHA erhält, ist es
Aufgabe der Kommission, einen Beschränkungsvorschlag den Mitgliedstaaten
vorzulegen. Noch ist ungewiss, ob die Kommission und die Staaten dem
differenzierten wissenschaftlichen Vorschlag der ECHA folgen werden, oder
pauschale Ausnahmen vorziehen. Der BUND fordert befristete Ausnahmen nur für
essentielle Anwendungen zuzulassen, bis geeignete Alternativen entwickelt sind.
Nur so kann der Eintrag von PFAS in die Umwelt beendet werden.
Mehr Informationen:
- BUND-Recherche zu PFAS in Wildschweinfleisch (https://www.bund.net/service/pub
likationen/detail/publication/toxfox-check-pfas-in-wildschweinfleisch-und-lebe
r-aus-deutschland/)
- BUND-Seite: PFAS (https://www.bund.net/chemie/pfas/)
- BUND-Seite: PFAS in Lebensmittel
(https://www.bund.net/chemie/pfas/pfas-in-lebensmitteln/)
- Kontakt: Janna Kuhlmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Chemikalienpolitik
beim BUND, Tel. +49 30 27586-426, janna.kuhlmann(at)bund.net
- Sie finden den BUND-Bundesverband auch auf Bluesky
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