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Hannover (ots) - Hannover (14. Oktober 2026). Künstliche Intelligenz ist in der
Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen angekommen - durch Chatbots, Lern-Apps,
Sprachassistenten, Spiele und soziale Netzwerke. Zugleich nehmen die Risiken zu:
Desinformation, Deep Fakes, Cybergrooming, manipulative Designs,
Datenschutzprobleme und suchtfördernde Mechanismen stellen Kinder, Eltern und
pädagogische Fachkräfte vor neue Herausforderungen. Bisherige Schutzansätze
stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen.
Als eine Antwort darauf starten die Evangelische Kirche in Deutschland, der
Bereich Kirche und Gesellschaft im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
und der Seitenstark e.V. die Initiative "KI kindgerecht! - für geschützte
Teilhabe im Verantwortungsnetzwerk". Sie reagieren damit auf die 56
Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Expertenkommission "Kinder- und
Jugendschutz in der digitalen Welt" und setzen ein Zeichen: Kinder brauchen
nicht nur Schutz vor Risiken, sondern auch Zugang zu guten digitalen Angeboten,
Begleitung und Befähigung.
"KI ist bereits in vielen digitalen Anwendungen eingebettet. Mit der Enzyklika
Magnifica humanitas gibt Papst Leo XIV. der Kirche einen klaren Auftrag: Im
Zeitalter der Künstlichen Intelligenz müssen wir die Würde des Menschen
verteidigen - besonders dort, wo Kinder leicht Gefahren ausgesetzt sind. Die
Initiative 'KI kindgerecht!' setzt hier an: Sie verbindet Schutz, Teilhabe und
Verantwortung und macht deutlich, dass digitale Räume dem Wohl des Kindes dienen
müssen", sagt Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Kommission Medien der
Deutschen Bischofskonferenz. "Verantwortung darf dabei nicht allein auf Eltern
abgewälzt werden. Gefordert sind Anbieter, Politik, Bildungseinrichtungen,
Zivilgesellschaft und Familien gemeinsam. Gerade weil wir um die Verletzlichkeit
von Kindern wissen, sehen wir uns in der Pflicht, Anwaltschaft für diese
schutzbedürftige Gruppe zu übernehmen - auch im digitalen Raum. Technologie muss
dem Menschen dienen, nicht rein ökonomischen Interessen"
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst (Evangelische Kirche der Pfalz),
Aufsichtsratsvorsitzende des Gemeinschaftswerks Evangelischer Publizistik (GEP),
hebt hervor: "Kinder dürfen im digitalen Raum weder allein gelassen noch
ausgeschlossen werden. Wir wollen Verantwortung bündeln und dazu beitragen, dass
Kinder KI sicher und selbstbestimmt nutzen können."
Für Darja Martens, Vorstand des Seitenstark e.V., ist die Perspektive der Kinder
entscheidend: "Kinder sind heute die Ersten, die mit KI aufwachsen. Aber oft die
Letzten, die bei ihrer Gestaltung gefragt werden. Gerade ihre Teilhabe kommt
bislang zu kurz. Das wollen wir mit 'KI kindgerecht!' ändern. Kinder brauchen
geschützte Erprobungs- und Erfahrungsräume, in denen sie KI altersgerecht
ausprobieren, verstehen und kritisch hinterfragen können. Dafür bringen wir
unsere Praxiserfahrung aus der Arbeit mit Kindermedien und dem
SEITENSTARK-GÜTESIEGEL ein."
Aus dieser Überzeugung heraus benennt die Initiative "KI kindgerecht!" drei
Maßnahmen:
Selbstverpflichtung : Gemeinsam mit Wissenschaft, Pädagogik und interessierten
Anbietern entwickeln die Kirchen und Seitenstark e.V. einen Code of Conduct für
kindgerechte interaktive KI. Er formuliert verbindliche Grundsätze, die sich an
fünf Prinzipien orientieren: Safety-by-Design, Wahrung der Kinderrechte,
altersgerechte Teilhaberäume, Datenschutz und menschliche Kontrolle.
Qualitätsstandards : Darauf aufbauend sollen praxistaugliche Qualitätsstandards
für gute kindgerechte KI-Systeme entstehen - als Orientierungsrahmen für
Entwickler, Anbieter und Bildungseinrichtungen, die KI-Anwendungen für Kinder
gestalten oder einsetzen.
Gesetzliche Regulierung : Anbieter müssen zur Einhaltung kindgerechter Standards
verpflichtet werden. Zugleich braucht es eine nachhaltige finanzielle Stärkung
der Medienbildung, damit Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte die
notwendigen Kompetenzen für einen souveränen Umgang mit KI erwerben können.
"KI kindgerecht!" ist ein offenes Netzwerk. Alle, die Verantwortung für das
digitale Aufwachsen von Kindern übernehmen - Bildungseinrichtungen,
Medienanbieter, Wissenschaft, Elternverbände, Unternehmen und Einzelpersonen -,
sind eingeladen mitzumachen. Denn die entscheidende Frage lautet: Gestalten wir
KI für Kinder - oder überlassen wir es der KI, unsere Kinder zu gestalten?
Hintergrund
Der Seitenstark e.V. engagiert sich seit 2007 für die Umsetzung von
Kinderrechten im digitalen Raum. Seit 2022 verleiht er das
SEITENSTARK-GÜTESIEGEL an hochwertige digitale Kindermedien Weitere
Informationen und die Möglichkeit, sich der Initiative anzuschließen, unter:
http://www.ki-kindgerecht.de
Diese Pressemitteilung wird von den Pressestellen der Deutschen
Bischofskonferenz und der EKD zeitgleich verschickt. Mehrfachzusendungen bitten
wir zu entschuldigen.
Pressekontakt:
Carsten Splitt
Evangelische Kirche in Deutschland
Pressestelle
Stabsstelle Kommunikation
Herrenhäuser Strasse 12
D-30419 Hannover
Telefon: 0511 - 2796 - 269
E-Mail: presse@ekd.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/55310/6370972
OTS: EKD - Evangelische Kirche in Deutschland
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