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Köln (ots) - Im Jemen hat sich die Zahl der gemeldeten Cholera-Fälle nach
Angaben der WHO binnen drei Wochen verdreifacht, während Kämpfe und Vertreibung
weiter zunehmen. Islamic Relief warnt, dass insbesondere im Süden des Landes
Tausende Vertriebene in überfüllten Lagern ohne ausreichend sauberes Wasser und
Latrinen gefährdet sind.
Die Eskalation der Kämpfe seit September hat dazu geführt, dass laut IOM mehr
als 200.000 Menschen Zuflucht in überfüllten und verschmutzten Lagern sowie an
Orten wie Moscheen und Schulen gesucht haben. Etwa 40 Prozent der Vertriebenen
haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, ein Drittel verfügt nicht über
angemessene Latrinen. Familien sind deshalb gezwungen, ihre Notdurft im Freien
zu verrichten - ein Nährboden für die Ausbreitung tödlicher, durch Wasser
übertragener Krankheiten wie Cholera.
Der Ausbruch hat in diesem Jahr bislang 27 Menschen das Leben gekostet. Von den
in diesem Jahr gemeldeten rund 8.000 Verdachtsfällen entfiel etwa ein Viertel
auf die letzten vier Wochen, also rund 2.000 Fälle. Laut WHO entfallen 92
Prozent der gemeldeten Fälle auf die fünf südlichen Provinzen Abyan, Lahidsch,
Al-Dhale'e, Taiz und Aden, in denen viele Vertriebene untergebracht sind.
Das ohnehin stark geschwächte Gesundheitssystem verschärft den Ausbruch
zusätzlich: Nach Jahren des Krieges und der Wirtschaftskrise sind laut WHO nur
etwa 60 Prozent der Gesundheitseinrichtungen in der Region voll funktionsfähig,
viele verfügen nicht mehr über Medikamente.
Islamic Relief warnte bereits im vergangenen Monat, dass es aufgrund der
katastrophalen Lage der vertriebenen Familien wahrscheinlich zu einem
Cholera-Ausbruch kommen werde, sofern die Hilfsleistungen nicht rasch
aufgestockt würden.
Der amtierende Landesdirektor von Islamic Relief Jemen, Saaid Said Omar, sagt
zur Lage vor Ort: "Dieser Cholera-Ausbruch ist eine Katastrophe. Tausende
Menschen, die vor dem Konflikt geflohen sind, leiden bereits unter Mangel an
Nahrung, Unterkünften und den Folgen der Vertreibung. Nun sind sie durch diesen
Cholera-Ausbruch gefährdet, der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbreiten
wird und innerhalb von 24 Stunden zum Tod führen kann. Dieser Ausbruch ist nicht
überraschend, da viele vertriebene Familien auf ungeschützte Brunnen und
Oberflächenwasser angewiesen sind, während sie mit Tausenden anderen in
überfüllten Lagern ohne angemessene sanitäre Einrichtungen und Latrinen
untergebracht sind."
Omar warnt davor, dass die Hilfskapazitäten schnell an ihre Grenzen kommen,
sollte internationale Unterstützung ausbleiben: "Dies ist ein entscheidender
Moment für den Jemen. Wenn die aktuelle Krise nicht genügend internationale
Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung erhält, dürfte sich die humanitäre
Lage in den kommenden Monaten erheblich verschlechtern. Der Cholera-Ausbruch ist
ein Frühwarnzeichen für eine weitaus umfassendere Krise. Die Geber haben jetzt
die entscheidende Gelegenheit, zu handeln, um weitere Todesopfer zu verhindern,
die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen und schutzbedürftige Familien zu
schützen, bevor der Bedarf die derzeitigen Hilfskapazitäten übersteigt. Der
Jemen kann sich keinen weiteren Kreislauf verzögerter Maßnahmen leisten."
Internationale Hilfsorganisationen haben die Cholera-Tests in Gebieten mit hoher
Übertragungsrate in Abyan, Lahidsch, Al-Dhale'e, Taiz und Aden ausgeweitet. Hohe
Positivraten bestätigen eine aktive Ausbreitung und lokale medizinische
Spezialistenteams arbeiten daran, die Ausbreitung einzudämmen.
Islamic Relief plant als Reaktion vor Ort, Medikamente zu beschaffen und
Krankenhäuser im Kampf gegen die Cholera in Taiz, Lahidsch und Aden zu
versorgen. Dabei arbeitet die Organisation mit anderen Hilfsorganisationen
zusammen, die Menschen auf die Infektion testen, und leistet zudem humanitäre
Hilfe für Hunderte weiterer vertriebener Familien.
Der offizielle UN-Hilfsplan für den Jemen ist laut OCHA (Stand 13. Oktober 2026)
erst zu 22,5 Prozent finanziert, es fehlen rund 1,68 Milliarden US-Dollar.
Gerade in den für die Cholera-Bekämpfung entscheidenden Bereichen Gesundheit und
Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene liegt die Deckung bei nur 24 bzw. 20
Prozent.
Islamic Relief Deutschland fordert deshalb gemeinsam mit dem internationalen
Islamic-Relief-Netzwerk die globale Gebergemeinschaft auf, die humanitäre Hilfe
für den Jemen kurzfristig aufzustocken, den Zugang zu sauberem Wasser und
medizinischer Versorgung für Vertriebene sicherzustellen und die Ursachen der
Krise langfristig anzugehen.
Islamic Relief ist seit 1998 im Jemen tätig und setzt Projekte zur Verbesserung
der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, zur Stärkung nachhaltiger
Lebensgrundlagen und zur Unterstützung von Waisenkindern um. Zudem leistet die
Organisation Nothilfe.
Pressekontakt:
Sara Ahmed Martinez, Pressereferentin
Telefon: 01512 205 05 77
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OTS: Islamic Relief Deutschland e.V.
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