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Cholera und Vertreibung im Jemen: Islamic Relief warnt vor humanitärer Verschärfung (FOTO)

16.10.2026 09:05 Uhr Islamic Relief Deutschland e.V.

Köln (ots) - Im Jemen hat sich die Zahl der gemeldeten Cholera-Fälle nach Angaben der WHO binnen drei Wochen verdreifacht, während Kämpfe und Vertreibung weiter zunehmen. Islamic Relief warnt, dass insbesondere im Süden des Landes Tausende Vertriebene in überfüllten Lagern ohne ausreichend sauberes Wasser und Latrinen gefährdet sind.

Die Eskalation der Kämpfe seit September hat dazu geführt, dass laut IOM mehr als 200.000 Menschen Zuflucht in überfüllten und verschmutzten Lagern sowie an Orten wie Moscheen und Schulen gesucht haben. Etwa 40 Prozent der Vertriebenen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, ein Drittel verfügt nicht über angemessene Latrinen. Familien sind deshalb gezwungen, ihre Notdurft im Freien zu verrichten - ein Nährboden für die Ausbreitung tödlicher, durch Wasser übertragener Krankheiten wie Cholera.

Der Ausbruch hat in diesem Jahr bislang 27 Menschen das Leben gekostet. Von den in diesem Jahr gemeldeten rund 8.000 Verdachtsfällen entfiel etwa ein Viertel auf die letzten vier Wochen, also rund 2.000 Fälle. Laut WHO entfallen 92 Prozent der gemeldeten Fälle auf die fünf südlichen Provinzen Abyan, Lahidsch, Al-Dhale'e, Taiz und Aden, in denen viele Vertriebene untergebracht sind.

Das ohnehin stark geschwächte Gesundheitssystem verschärft den Ausbruch zusätzlich: Nach Jahren des Krieges und der Wirtschaftskrise sind laut WHO nur etwa 60 Prozent der Gesundheitseinrichtungen in der Region voll funktionsfähig, viele verfügen nicht mehr über Medikamente.

Islamic Relief warnte bereits im vergangenen Monat, dass es aufgrund der katastrophalen Lage der vertriebenen Familien wahrscheinlich zu einem Cholera-Ausbruch kommen werde, sofern die Hilfsleistungen nicht rasch aufgestockt würden.

Der amtierende Landesdirektor von Islamic Relief Jemen, Saaid Said Omar, sagt zur Lage vor Ort: "Dieser Cholera-Ausbruch ist eine Katastrophe. Tausende Menschen, die vor dem Konflikt geflohen sind, leiden bereits unter Mangel an Nahrung, Unterkünften und den Folgen der Vertreibung. Nun sind sie durch diesen Cholera-Ausbruch gefährdet, der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbreiten wird und innerhalb von 24 Stunden zum Tod führen kann. Dieser Ausbruch ist nicht überraschend, da viele vertriebene Familien auf ungeschützte Brunnen und Oberflächenwasser angewiesen sind, während sie mit Tausenden anderen in überfüllten Lagern ohne angemessene sanitäre Einrichtungen und Latrinen untergebracht sind."

Omar warnt davor, dass die Hilfskapazitäten schnell an ihre Grenzen kommen, sollte internationale Unterstützung ausbleiben: "Dies ist ein entscheidender Moment für den Jemen. Wenn die aktuelle Krise nicht genügend internationale Aufmerksamkeit und finanzielle Unterstützung erhält, dürfte sich die humanitäre Lage in den kommenden Monaten erheblich verschlechtern. Der Cholera-Ausbruch ist ein Frühwarnzeichen für eine weitaus umfassendere Krise. Die Geber haben jetzt die entscheidende Gelegenheit, zu handeln, um weitere Todesopfer zu verhindern, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen und schutzbedürftige Familien zu schützen, bevor der Bedarf die derzeitigen Hilfskapazitäten übersteigt. Der Jemen kann sich keinen weiteren Kreislauf verzögerter Maßnahmen leisten."

Internationale Hilfsorganisationen haben die Cholera-Tests in Gebieten mit hoher Übertragungsrate in Abyan, Lahidsch, Al-Dhale'e, Taiz und Aden ausgeweitet. Hohe Positivraten bestätigen eine aktive Ausbreitung und lokale medizinische Spezialistenteams arbeiten daran, die Ausbreitung einzudämmen.

Islamic Relief plant als Reaktion vor Ort, Medikamente zu beschaffen und Krankenhäuser im Kampf gegen die Cholera in Taiz, Lahidsch und Aden zu versorgen. Dabei arbeitet die Organisation mit anderen Hilfsorganisationen zusammen, die Menschen auf die Infektion testen, und leistet zudem humanitäre Hilfe für Hunderte weiterer vertriebener Familien.

Der offizielle UN-Hilfsplan für den Jemen ist laut OCHA (Stand 13. Oktober 2026) erst zu 22,5 Prozent finanziert, es fehlen rund 1,68 Milliarden US-Dollar. Gerade in den für die Cholera-Bekämpfung entscheidenden Bereichen Gesundheit und Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene liegt die Deckung bei nur 24 bzw. 20 Prozent.

Islamic Relief Deutschland fordert deshalb gemeinsam mit dem internationalen Islamic-Relief-Netzwerk die globale Gebergemeinschaft auf, die humanitäre Hilfe für den Jemen kurzfristig aufzustocken, den Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung für Vertriebene sicherzustellen und die Ursachen der Krise langfristig anzugehen.

Islamic Relief ist seit 1998 im Jemen tätig und setzt Projekte zur Verbesserung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, zur Stärkung nachhaltiger Lebensgrundlagen und zur Unterstützung von Waisenkindern um. Zudem leistet die Organisation Nothilfe.

Pressekontakt:

Sara Ahmed Martinez, Pressereferentin Telefon: 01512 205 05 77 E-Mail: mailto:presse@islamicrelief.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/50131/6372156 OTS: Islamic Relief Deutschland e.V.


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Islamic Relief Deutschland e.V.
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