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Bonn (ots) - Öffentliche Vergabeverfahren für Beratungsleistungen sind aus Sicht
der Consultingwirtschaft zu bürokratisch und zu stark auf den Preis
ausgerichtet. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Bundesverbandes Deutscher
Unternehmensberatungen (BDU) unter Beraterinnen und Beratern. 68 Prozent der
Befragten geben an, dass der Aufwand für die Teilnahme an Vergabeverfahren in
den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. 72 Prozent halten den formalen
Aufwand für unverhältnismäßig hoch. "Die aktuellen Vergabeverfahren sind nicht
dazu geeignet, den bestmöglichen Nutzen von Beratung zu erzielen. Die
Fokussierung auf den Preis anstatt auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird diesem
Anspruch immer weniger gerecht.", sagt Jörg Sarnes, Vorstandsmitglied im
Fachverband Öffentlicher Sektor des BDU. "In der aktuellen Krisensituation, in
der die öffentliche Hand die Unterstützung der Consultingwirtschaft braucht,
stellt dies unnötige Hürden dar."
Preisorientierung geht zulasten der Qualität
68 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass bei öffentlichen
Vergabeverfahren häufig eher der Preis als die Qualität über den Zuschlag
entscheidet. 82 Prozent befürchten, dass sich eine starke Preisorientierung
langfristig negativ auf die Qualität der Beratungsleistungen auswirkt. 73
Prozent sehen durch die derzeitige Gewichtung von Preis und Qualität Nachteile
für die öffentliche Hand.
Auch bei der Transparenz sehen die Beratungen Verbesserungsbedarf. 70 Prozent
berichten, dass Ausschreibungen mitunter den Eindruck vermitteln, der Zuschlag
sei bereits vorentschieden. Für 64 Prozent sind Zuschlagsentscheidungen nach
einer Ablehnung nicht ausreichend nachvollziehbar.
Kleinere Beratungen sehen Wettbewerbsnachteile
Besonders kritisch bewerten kleinere Consultingunternehmen mit einem
Jahresumsatz unter einer Million Euro ihre Chancen im öffentlichen Wettbewerb.
63 Prozent der kleineren Beratungen bezweifeln, dass kleine und mittelgroße
Unternehmen realistische Zuschlagschancen haben. Als größte Hürden für KMU
nennen die Befragten hohe Anforderungen an Umsatz, Unternehmensgröße oder
personelle Ausstattung (85 Prozent) sowie umfangreiche Referenzanforderungen (73
Prozent).
Beratungen fordern einfachere Verfahren und mehr Qualitätsorientierung
61 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass öffentliche Auftraggeber
bestehende vergaberechtliche Spielräume zur Vereinfachung der Verfahren nicht
ausreichend nutzen. Als wichtigste Verbesserungsmaßnahme nennen 77 Prozent eine
stärkere Gewichtung qualitativer Kriterien. 67 Prozent wünschen sich mehr
Austauschmöglichkeiten mit Auftraggebern, 62 Prozent eine Reduzierung formaler
Nachweise. "Wir würden uns wünschen, dass die öffentliche Hand alle ihre
Möglichkeiten für eine einfachere Vergabe ausnutzt.", konkretisiert Karsten
Lisch, ebenfalls Vorstandsmitglied im Fachverband Öffentlicher Sektor. Die
Ergebnisse verdeutlichen aus Sicht des BDU den Reformbedarf bei der öffentlichen
Beschaffung von Beratungsleistungen. Weniger Bürokratie, nachvollziehbare
Zuschlagsentscheidungen und eine stärkere Orientierung an fachlicher Qualität
könnten den Wettbewerb verbessern und zu besseren Beratungsergebnissen für die
öffentliche Hand beitragen.
Zur Befragung:
An der BDU-Befragung vom 8. bis 26. Juni 2026 beteiligten sich 80 Beraterinnen
und Berater aus Consultingunternehmen unterschiedlicher Größenklassen (Große
Beratungen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro, Mittelgroße
Beratungen mit einem Umsatz von 1 bis 50 Millionen Euro sowie Kleinere
Beratungen mit einem Umsatz unter 1 Million Euro).
Über den BDU:
Im Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V. sind aktuell rund 600
Unternehmen mit 19.000 Beraterinnen und Beratern organisiert. Damit zählt der
BDU weltweit zu den führenden Wirtschafts- und Berufsverbänden der
Consultingwirtschaft.
Über den Fachverband Öffentlicher Sektor:
In Fachverband Öffentlicher Sektor treffen sich die Beraterinnen und Berater,
die sich auf die Beratungsmandate der öffentlichen Hand spezialisiert haben. Die
öffentliche Hand stellt auf Klientenseite mehr als 10 Prozent des
Beratungsvolumens in Deutschland. Im Fachverband sind aktuell 36
Mitgliedsunternehmen organisiert, die sowohl von ihrer Größe als auch ihrer
Klientenstruktur (Bundes- und Landesbehörden, Kommunen, Körperschaften,
Eigenbetriebe, etc.) breit aufgestellt sind und die Marktstruktur widerspiegeln.
Pressekontakt:
Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V.
Annette Sausen
Joseph-Schumpeter-Allee 29 | 53227 Bonn
T +49 (0) 228 9161-14 | mailto:annette.sausen@bdu.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/9562/6375925
OTS: BDU Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen
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