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Freie Ärzteschaft, Landesverband Nordrhein: Ist die eigene Arztpraxis für Ärztinnen und Ärzte noch eine Option?

23.10.2026 15:05 Uhr Freie Ärzteschaft e.V.

Essen (ots) - "Der Ärztemangel und zunehmende Wartezeiten auf Arzttermine sind ein bundesweites, und zunehmendes Problem - doch ungeachtet dessen tun Politik und Krankenkassen alles, um die ärztliche Niederlassung noch unattraktiver zu machen, als sie es ohnehin ist", kritisieren Wieland Dietrich, Hautarzt und Vorsitzender der Freien Ärzteschaft e.V. und Wolfgang Bartels, Orthopäde und Vorstandsmitglied des Landesverbands Nordrhein.

Spargesetze und Unterfinanzierung der ambulanten Kassenmedizin

"Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, im Bundestag auch als GKV-Spargesetz bezeichnet, trifft die ambulante Medizin ab 2027 mit voller Härte", erklärt der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft (FÄ). "Der ambulanten Medizin werden ab 2027 mehr als 2,5 Milliarden Euro im Jahr entzogen. Schnelle Terminvergabe und offene Sprechstunde werden nicht mehr honoriert - und dies, obwohl bekannt ist, wie unterfinanziert die ambulante Medizin ist, und dass Wartezeiten auf Arzttermine weiter zunehmen. Kommunale Medizinische Versorgungszentren (MVZ) müssen subventioniert werden, genossenschaftliche oder privat betriebenen MVZ gehen teilweise in die Insolvenz", stellt Dietrich fest. "Und: Das von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung stets geforderte Einkommen für niedergelassene Ärzte in Höhe eines kalkulatorischen Oberarztgehalts zuzüglich Unternehmerzuschlag wird von sehr vielen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten bereits jetzt nicht mehr erreicht!"

GeDIG: Chaotische Regelungen zur Terminvergabe - Entmündigung von Patienten und Ärzten

Mit dem im September 2026 vom Bundestag verabschiedeten Gesetz für Daten und digitale Innovation (GeDIG) würden Forderung von Krankenkassen bedient, Arzttermine zwangsweise über ein zentrales Internetportal oder über die Patientenakten-App zu steuern, benennt Wolfgang Bartels, Vorstandsmitglied des Landesverbands Nordrhein der FÄ, ein weiteres Problem für Patienten, Arztpraxen und MVZ. "Die Patienten wollen nicht herumgeschickt werden, sondern zum Arzt und der Ärztin ihres Vertrauens. Zentrale Terminvergaben, zumal mit geplanten digitalen Zugangskontrollen, können dem Behandlungsbedarf selten gerecht werden. Denn sowohl die individuellen Behandlungsanlässe als auch die Behandlungsspektren der Ärzte sind sehr unterschiedlich. Und es ist bekannt, dass anonyme Termine oft gar nicht wahrgenommen werden", so Bartels. Wieland Dietrich ergänzt, dass Praxisärztinnen und - Ärzte die Fremdsteuerung von Terminen ohnehin ablehnen, weil diese ineffizient und selten passgenau sei. "Und: Als selbständiger Arzt nimmt man keine organisatorische Weisungen Dritter entgegen. Dafür wird niemand selbständig, denn das passt kategorisch nicht. Es wird ohnehin zu prüfen sein, ob dies mit der grundgesetzlich geschützten freien Berufsausübung des Selbständigen vereinbar ist", erklärt Dietrich.

Unsicherheiten durch diverse Primärversorgungskonzepte

Weitere, erhebliche Unsicherheiten für bisher an einer Niederlassung interessierte Ärztinnen und Ärzte entstehen neben dem beschlossenen Spargesetz durch die vielstimmige Debatte um das geplante Primärversorgungssystem. "Niemand weiß, wie das aussehen soll, und was es für Risiken, Pflichten und Einschränkungen für Haus- und Fachärzte beinhalten wird", erklärt Dietrich. "Das bringt enorme Unsicherheit". Die werde auch noch dadurch geschürt, dass nach SPD-Plänen Kliniken ambulante Medizin übernehmen sollen, wenn die bereits massiv unter Druck stehenden ambulanten Ärztinnen und Ärzte nicht schnell genug Termine anbieten - "eine besonders absurde Forderung in einem Mangelplansystem", so der FÄ-Vorsitzende.

Grundlegende Reform des GKV-Sachleistungssystems geboten

Vormals niederlassungswillige Ärzte überlegten sich laut Dietrich und Bartels inzwischen dreimal, ob sie unter solchen Bedingungen selbständig sein wollten. Das bestehende System der Sachleistung sei ohnehin bereits hoffnungslos überreguliert, und nun kämen weitere erhebliche politische und regulatorische Unsicherheiten hinzu. Dietrich: "Wenn man das System der ambulanten Medizin wieder vom Kopf auf die Füße stellen will, werden Politik und Kassen nicht umhinkommen, ein System der Kostenerstattung breit zu implementieren. Sonst fährt das System spätestens ab 2027 an die Wand."

Über die Freie Ärzteschaft e.V.

Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf verteidigt. Er wurde 2004 gegründet und vertritt vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.

Pressekontakt:

V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V., Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090, E-Mail: mailto:mail@freie-aerzteschaft.de, http://www.freie-aerzteschaft.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/57691/6376779 OTS: Freie Ärzteschaft e.V.


Quelle: ots / newsaktuell - Pressemitteilung - Freie Ärzteschaft e.V.
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