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Berlin (ots) - Die Ergebnisse der heute vorgelegten Analyse des
Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zum Arzneimittelmarkt 2027 und
dessen Ausgabendynamik kommentiert die Vorstandsvorsitzende des
AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, wie folgt:
"Am Freitag hat das BMG auf Grundlage der Schätzerkreis-Prognose den
rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2027 auf weiterhin 2,9
Prozent festgelegt. Das Sparpaket wirkt - und das ist erst einmal eine gute
Nachricht für alle Beitragszahlenden. Die positive Prognose darf allerdings
nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Finanzsituation weiterhin angespannt ist.
Für eine langfristige Stabilisierung müssen Strukturreformen folgen. Zudem sind
weitere Aufweichungen und Ausnahmen vom Sparpaket dringend zu vermeiden.
Besonders plastisch wird das im Arzneimittelbereich. Hier haben die Ausgaben mit
Nettokosten allein in der ambulanten Arzneimittelversorgung in Höhe von 62,6
Milliarden Euro zuletzt einen neuen Höchststand erreicht. Das liegt nicht an
einer Zunahme der Verordnungen, sondern an den immer höheren Preisen,
insbesondere für patentgeschützte Arzneimittel.
Daran ändert mittelfristig auch das GKV-Sparpaket nichts, selbst wenn die Zahlen
auf den ersten Blick erfreulich erscheinen: So geht das WIdO wegen der Anhebung
des Herstellerabschlags für 2027 nur von einem Kostenanstieg von 2,2 bis maximal
2,8 Prozent im Arzneimittelbereich aus. Die Expertinnen und Experten warnen aber
gleichzeitig vor einer bloß kurzfristigen Entlastungswirkung. Strukturreformen -
allen voran des AMNOG-Verfahrens - müssen dringend folgen.
Auch die Standortklausel ist eine offene Flanke und ein Risiko für massive
Preissteigerungen im Arzneimittelmarkt, die die Beitragssatzstabilität wieder
zunichtemachen könnten. Die optimistische Prognose des Schätzerkreises darf
jetzt nicht dazu führen, dass teure Geschenke an einen Industriezweig gemacht
werden, der bislang ohnehin größtenteils von den Sparanstrengungen verschont
geblieben ist. Die Ziele der Beitragssatzstabilität und der angemessenen
Preisbildung bei Arzneimitteln in der GKV dürfen nicht zugunsten von
Standortförderung und Industriepolitik geopfert werden."
Hinweis für die Redaktionen: Das aktuelle e-Paper des WIdO zum Arzneimittelmarkt
steht zum Download unter https://wido.de/publikationen-produkte/wido-e-paper/
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