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Berlin (ots) - Rette sich wer kann, scheint die Parole von Besitzern von
Technologieaktien nach den Zwischenwahlen in den USA zu sein. Nicht nur an der
Nasdaq, sondern auch an schwergewichtigen Börsen in Asien und Europa brechen die
Kurse von Unternehmen ein, die viel Geld mit dem Hype um die Künstliche
Intelligenz (KI) zu machen gedenken. In Südkorea, wo der Staat besonders stark
auf den Ausbau der KI-Infrastruktur setzt, musste der Börsenhandel wegen der
Einbrüche sogar vorübergehend ausgesetzt werden.
Dabei überdecken die Turbulenzen, dass viele Anleger durchaus froh über den
Wahlausgang sind. Gerade für die klassische alte Industrie jenseits der USA
eröffnet es bessere Aussichten, wenn Präsident Donald Trump nicht mehr so
einfach mit erratischen Zoll-Entscheidungen den Warenhandel empfindlich stören
kann. Dass die Indices dennoch insgesamt nachgeben, zeigt, wie KI-lastig die
Börsen geworden sind und welche Dominanz einige wenige, ganz große Digital- und
Chipkonzerne mittlerweile besitzen. Analysten sprechen verächtlich von
"Klumpenrisiko", was in diesem Falle den Einfluss einiger weniger IT-Oligarchen
beinhaltet.
Anleger spekulieren jetzt darauf, dass mit dem Sieg der Demokraten der KI-Ausbau
gestoppt wird. Ob dies wirklich realistisch ist, sei dahingestellt. Die heftige
Reaktion zeigt vor allem, wie groß die Nervosität nach den allzu steilen
Kurssprüngen der vergangenen Monate im Tech-Bereich ist. Seit geraumer Zeit
warnen Branchenbeobachter, dass die bisherigen Expansionspläne für die
KI-Infrastruktur den tatsächlichen Bedarf weit übersteigen. Und die
mittelschweren Investitionen sind kaum mehr zu finanzieren, da sich Geldgeber
des Risikos inzwischen durchaus bewusst sind. Und auch der lokale Widerstand
nimmt angesichts des gigantischen Energie- und Wasserverbrauchs großer
Rechenzentren zu.
Mit dem neuen politischen Wind in den USA dürfte der Ausbau auf ein normales Maß
zurückgestutzt werden. Wenn dadurch die spekulativen Übertreibungen bei den
Aktienkursen zu Ende gehen, ist das eine gesunde Korrektur. Denn dadurch dürfte
auch das Risiko eines neuerlichen ganz großen Finanzcrashs samt folgender
Weltwirtschaftskrise erheblich senken, den manch extremer Pessimist schon an die
Wand malt. Insofern lassen sich die jüngsten Börsenmeldungen kurz so bewerten:
Bad news are good news.
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