|
Köln (ots) - Ökonom Frondel warnt vor "Stromknappheiten" und "explodierenden
Strompreisen" / Regierungsberater Löschel: NRW wird in den Wintern 2031 und 2032
"Probleme bekommen"
Landeswirtschaftsministerin Neubaur erwartet Evaluierung des Bundes erst nach
NRW-Wahl
Nach der ersten Ausschreibung für Gaskraftwerke wächst in Nordrhein-Westfalen
die Sorge um die Sicherheit der Energieversorgung, sollte die
Braunkohleverstromung im Rheinischen Revier wie vereinbart schon 2030 beendet
werden. "Der Ausstieg kann meines Erachtens nicht funktionieren, wenn wir nicht
riskieren wollen, dass die Versorgungssicherheit leidet und dass die Strompreise
weiter steigen", sagte Manuel Frondel, Energieökonom am RWI - Leibniz-Institut
in Essen, dem WDR und dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Wenn das Angebot an
Kraftwerken sinkt und damit das Stromangebot sinkt, steigen automatisch weiter
die Preise und dieses Risiko sollten wir nicht eingehen." Frondel rechnet damit,
dass der Beschluss zum vorgezogenen Kohleausstieg noch gekippt wird. Niemand
wolle "Stromknappheiten" und "explodierende Strompreise" riskieren.
Skeptisch ist auch der Bochumer Energieökonom Andreas Löschel, Berater von
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Nach den Ausschreibungen für
die Reserve-Gaskraftwerke "wird man sich tatsächlich noch mal die Karten legen
müssen und genau hinschauen müssen, wie ist eigentlich die
Versorgungssicherheitssituation, insbesondere im Winter 2031 und im Winter
2032". Nach jetzigem Stand werde NRW "in diesen beiden Wintern durchaus Probleme
bekommen".
Löschel rät der schwarz-grünen NRW-Landesregierung, ihr Vorgehen zu überdenken.
Wichtig sei, "genau zu schauen, wie passen diese Zeitpläne eigentlich zusammen
und welche Anpassungsbedarfe gibt es dann auch tatsächlich für den
Kohleausstieg", sagte er. Löschel steht seit 2011 an der Spitze der unabhängigen
Expertenkommission, die für die Bundesregierung die Energiewende bewertet.
Bei der ersten Ausschreibung für neue Gaskraftwerke - sie sollen die
Energiewende absichern - bekam NRW eine Kraftwerksleistung von 2.1 Gigawatt
zugesprochen, wie die Bundesnetzagentur in dieser Woche mitteilte. Das
entspricht 41 Prozent der insgesamt vergebenen Leistung. Die Kraftwerke sollen
spätestens 2031 ans Netz gehen - das wäre ein Jahr nach dem vorgezogenen
Kohleausstieg. Die Zuschläge nach einer zweiten Gebotsrunde sollen im neuen Jahr
erteilt werden.
Erst dann will Bundeswirtschaftsministerin Reiche überprüfen, was das für die
Stilllegung von Kohlekraftwerken bedeutet. Entscheidend seien "die Effekte auf
die Versorgungssicherheit", teilte ein Ministeriumssprecher mit. Der Evaluierung
könne er nicht vorgreifen. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) äußerte
gegenüber WDR und "Kölner Stadt-Anzeiger" die Erwartung, dass Reiches Bericht
erst im Frühjahr oder Frühsommer kommen wird. Das wäre nach der Landtagswahl in
NRW. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) äußerte sich auf Anfrage zum
Kohleausstieg nicht.
Der Chef der FDP-Fraktion im NRW-Landtag, Henning Höne, forderte "mehr
Ehrlichkeit". Seine Befürchtung sei, dass "die Landesregierung hier auf Zeit
spielt und zwar unter Mithilfe der Bundesregierung", sagte er. Schwarz-Grün
wolle verhindern, dass "das Prestigeprojekt vorgezogener Kohleausstieg" vor der
Landtagswahl im April abgeräumt werden müsse.
Den Beschluss, den Braunkohleausstieg von 2038 auf 2030 vorzuziehen, haben
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die schwarz-grüne
Landesregierung in NRW und der Energiekonzern RWE 2022 getroffen.
Pressekontakt:
Rückfragen an den WDR-Newsroom 0221-220-8787 mailto:newsroom-jetzt@wdr.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/179961/6385908
OTS: WDR Newsroom
|