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Saarbrücken (ots) - TRAUNSTEIN /LANDSHUT/WEIDEN Am 05.08.2026 gelang in mehreren
umfangreichen Ermittlungsverfahren bayerischer Staatsanwaltschaften in
Zusammenarbeit mit der Bundespolizei ein Schlag gegen die organisierte
Schleusungskriminalität. Dabei konnten drei Haftbefehle im In- und Ausland sowie
sechs Durchsuchungsbeschlüsse im Bundesgebiet vollstreckt werden. Die
zugrundeliegenden Ermittlungsverfahren, welche bei den Staatsanwaltschaften
Traunstein, Landshut und Weiden i.d.OPf. und Landshut geführt werden, sind Teil
einer von Europol koordinierten Operational Task Force und richten sich
vorrangig gegen Angehörige eines Familienclans, die überwiegend Straftaten im
Bereich der Schleusungskriminalität begangen haben sollen.
In dem umfangreichen Ermittlungsverfahren der Spezialabteilung der
Staatsanwaltschaft Traunstein zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden und
organisierten Kriminalität und der Bundespolizeiinspektion
Kriminalitätsbekämpfung München wird den Beschuldigten vorgeworfen, seit Oktober
2024 in fünf Fällen insgesamt mindestens 125 überwiegend syrische
Staatsangehörige unter lebensgefährlichen Bedingungen von Libyen über das
Mittelmeer nach Italien sowie zum Teil anschließend weiter nach Deutschland
geschleust zu haben.
Die Beschuldigten sind verdächtig, Teil einer internationalen Täterstruktur mit
Verbindungen nach Libyen und einer dort agierenden Miliz zu sein. Nach
derzeitigem Stand der Ermittlungen wurden die Geschleusten zunächst mit Booten
von der libyschen Küste auf die italienische Insel Lampedusa verbracht. Gemäß
den bisherigen Erkenntnissen befanden sich auf den nicht seetauglichen und
überfüllten Booten bis zu 61 Personen, wobei den Passagieren keinerlei
Sicherheitsvorkehrungen wie beispielsweise Schwimmwesten zur Verfügung standen.
Dabei sollen die Tatverdächtigen die erheblichen Gefahren für Leib und Leben der
Geschleusten bewusst in Kauf genommen haben, um ihre Schleusungsaktivitäten
gewinnbringend durchzuführen. Für die Organisation und Durchführung der
Schleusungen sollen die Geschleusten zwischen 6.500 und 7.800 Euro pro Person
entrichtet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tätergruppierung
hierdurch erhebliche Gewinne in Höhe von mindestens 875.000 Euro erzielt hat.
Der Hauptbeschuldigte ist verdächtig, am 07.02.2025 versucht zu haben, in einem
Pkw von Österreich kommend über die BAB 8 am Grenzübergang Walserberg unerlaubt
in das Bundesgebiet einzureisen. Bei der Grenzkontrolle wurde bei ihm
mutmaßliches Falschgeld im "Wert" von 77.350 Euro gefunden und beschlagnahmt. Im
Zeitraum bis zum 30.05.2026 wurde er bei drei weiteren Kontrollen an
unterschiedlichen Orten in Deutschland jeweils erneut mit mutmaßlichem
Falschgeld im "Wert" zwischen knapp 30.000 Euro und circa 100.000 Euro
angetroffen.
Im Rahmen der heutigen Einsatzmaßnahmen wurde ein Haftbefehl gegen den
Hauptbeschuldigten, einen 26-jährigen syrischen Staatsangehörigen, vollzogen.
Darüber hinaus wurden insgesamt sechs Objekte im Raum Saarbrücken durchsucht.
Darunter befand sich auch eine großflächige Lagerhalle, die mutmaßlich im
Zusammenhang mit den Aktivitäten der Gruppierung steht.
In einem weiteren, von der Spezialabteilung der Staatsanwaltschaft Landshut zur
Bekämpfung der grenzüberschreitenden und organisierten Kriminalität in
Zusammenarbeit mit der Bundespolizei geführten Ermittlungsverfahren konnte
darüber hinaus ein hochrangiger Schleuser in Serbien mittels internationalen
Haftbefehls festgenommen werden.
Nach mehreren Jahren Ermittlungsarbeit konnte ein 31-Jähriger syrischer
Staatsangehöriger identifiziert und lokalisiert werden, der nach derzeitigem
Ermittlungsstand im dringenden Tatverdacht steht, allein im Zeitraum April bis
November 2022 für 17 Fälle des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von
Ausländern verantwortlich zu sein.
Dabei sollen insgesamt mindestens 152 Migranten -überwiegend ebenfalls syrische
Staatsangehörige- auf verschiedenen Etappen entlang der zentralen Balkanroute
zum Teil bis nach Deutschland geschleust worden sein.
Der dem "Sarawi"-Clan angehörende Beschuldigte soll dabei als führender Kopf der
Gruppierung zunächst sowohl die Akquise und die Verhandlungen mit den
Schleusungswilligen in Serbien übernommen, als auch anschließend die
Durchführung der Schleusungen organisiert haben.
Die umfangreichen Ermittlungen begannen bereits mit verdeckten Maßnahmen im Jahr
2022 als Teilkomplex eines Strukturverfahrens zunächst unter der Sachleitung der
Staatsanwaltschaft Traunstein und wurden ab 2023 durch die Staatsanwaltschaft
Landshut übernommen. Aufgrund des Ranges, in dem der mutmaßliche Kopf der
Schleuserorganisation gestanden haben soll, wurde er im Rahmen der von Europol
koordinierten Operational Task Force als besonders hochrangige Zielperson, als
sogenanntes "High Value Target" eingestuft.
Zeitgleich konnte im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Weiden i.d.OPf.
ebenfalls in Belgrad (Serbien) ein mutmaßliches Mitglied einer Schleuserbande
festgenommen werden. Eine Sondereinheit der serbischen Polizei vollstreckte
dabei einen internationalen Haftbefehl gegen den 32-jährigen syrischen
Staatsangehörigen.
Dem vorausgegangen waren auch hier seit mehreren Jahren durchgeführte,
umfangreiche Ermittlungen der Bundespolizeiinspektion Waidhaus gegen ein
international agierendes Schleusernetzwerk. Nach dem derzeitigen
Ermittlungsstand soll sich der Festgenommene spätestens im April 2023 mit
zahlreichen weiteren Tatverdächtigen zusammengeschlossen haben. Die Gruppierung
soll arbeitsteilig Menschen ohne die erforderlichen Einreise- und
Aufenthaltsdokumente nach Deutschland und in andere westeuropäische Staaten
geschleust haben.
Nach den bisherigen Erkenntnissen verlangte das Netzwerk zwischen 2.000 und
10.000 Euro pro Person, um hauptsächlich syrische Staatsangehörige von Serbien
über Ungarn beziehungsweise von Bosnien und Herzegowina über Kroatien in die
Europäische Union zu schleusen. Anschließend transportierten Fahrer die Menschen
mit Pkw, Kleintransportern und Lastwagen über die Slowakei, Tschechien, Polen
oder Österreich weiter nach Deutschland und in andere europäische Zielländer.
Insgesamt wird dem Beschuldigten die Beteiligung an mindestens 37 Fällen des
banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern zwischen Juni 2023 und
Juni 2024 vorgeworfen, wobei insgesamt mindestens 625 Menschen transportiert
worden sein sollen. Der Beschuldigte soll innerhalb der Gruppierung eine
zentrale Rolle übernommen haben. Er hielt sich während des Tatzeitraums
überwiegend in Serbien auf, soll die zu schleusenden Personen insbesondere nach
Sombor gebracht und dort an weitere Mitglieder des Netzwerks übergeben haben.
Darüber hinaus soll er ausgewählte Personengruppen selbst über die Grenze von
Serbien nach Ungarn begleitet haben.
Bereits im Jahr 2025 konnten fünf weitere Mitglieder der Banden bei einer
koordinierten Einsatzmaßnahme in Deutschland, den Niederlanden und
Bosnien-Herzegowina festgenommen werden.
In allen drei Ermittlungsverfahren erfolgte die Sachbearbeitung der
Staatsanwaltschaften jeweils in den Abteilungen für grenzüberschreitende
Kriminalität nach dem sogenannten "Traunsteiner Modell", welches zum Zweck der
Bekämpfung der grenzüberschreitenden und organisierten Kriminalität 2018 bei der
Staatsanwaltschaft Traunstein und in den Folgejahren nach und nach bei allen
grenznahen bayerischen Staatsanwaltschaften eingeführt wurde. Die jeweiligen
Spezialabteilungen arbeiten bei der Verfolgung von international agierenden
Schleuserbanden, Drogen- und Waffenhändlern nicht nur eng mit den ausländischen
Polizei- und Justizbehörden zusammen, sondern auch mit Eurojust und Europol.
Ziel ist es, durch eine Spezialisierung, Intensivierung und Koordinierung
internationaler Ermittlungen erfolgreich Strukturermittlungen zur Ergreifung und
Überführung der Hintermänner durchzuführen. Mittlerweile gelingt es, in mehr als
der Hälfte aller Schleusungsdelikte Hinterleute oder weitere Täter und weitere
Schleuserfahrten der Täter zu ermitteln und strafrechtlich zu ahnden.
Besonders hervorzuheben ist auch die intensive Zusammenarbeit der Polizei- und
Justizbehörden auf europäischer Ebene, insbesondere im Rahmen von "Joint
Investigation Teams" mit anderen europäischen Staatsanwaltschaften sowie einer
von Europol koordinierten Operational Task Force. Die Hauptaufgabe der
sogenannten "OTF"s besteht in speziellen Phänomenbereichen insbesondere in der
Auswertung großer, verfahrensübergreifender Datenmengen, die im Rahmen besonders
hochrangiger Ermittlungen mehrerer Mitgliedstaaten erhoben werden. Darauf
basierend kann der zielgerichtete internationale Informationsaustausch und die
Koordinierung der Ermittlungsverfahren unterstützt werden. Zudem besteht bei
multilateral konzertierten Zugriffsmaßnahmen die Möglichkeit der Entsendung von
Experten durch Europol, die beispielsweise durch die Steuerung operativer
Informationen in Echtzeit, Datenbankabgleichen oder Durchführung von
Digitalforensikmaßnahmen die Einsatzmaßnahmen der ermittelnden Dienststellen vor
Ort unterstützen können.
Nicht zuletzt trug auch die intensive Zusammenarbeit mit den Polizeien mehrerer
betroffener Bundesländer wesentlich zum bisherigen Ermittlungserfolg bei.
Dies unterstreicht die herausgehobene Bedeutung der engen nationalen und
internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der organisierten
Schleuserkriminalität.
Die Einsatzmaßnahmen dauern derzeit an. Im Raum Saarbrücken sind aktuell rund
240 Einsatzkräfte im Einsatz. Über die Ergebnisse der Durchsuchungsmaßnahmen
wird informiert, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Rückfragen bitte an:
Kevin-Tom Hindermann
Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München
Frankfurter Ring 206, 80807 München
Tel.: 089 35474 4080
E-Mail: bpolikb.muenchen.oea@polizei.bund.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/blaulicht/pm/64017/6327442
OTS: Bundespolizeidirektion München
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