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Giessen (ots) - Gießen, 21.10.2026 - Polizeipräsident Torsten Krückemeier wird
das Polizeipräsidium Mittelhessen verlassen und ab heute die Leitung des
Polizeipräsidiums Südosthessen übernehmen.
Am 1. Januar 2023 kam Krückemeier als Polizeivizepräsident nach Mittelhessen
bevor ihm am 1. September 2023 die Leitung als Polizeipräsident übertragen
wurde. Das Polizeipräsidium Mittelhessen stand in seiner gesamten Amtszeit vor
besonderen sicherheits- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen.
Das Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums Mittelhessen umfasst dabei weit mehr als
die Universitätsstadt Gießen, wo sich der Dienstsitz befindet. Es ist für rund
4.300 Quadratkilometer, 88 Kommunen mit nahezu 1,1 Millionen Einwohnern
zuständig und reicht dabei vom Wetteraukreis über den Landkreis Gießen und den
Lahn-Dill-Kreis bis zum Landkreis Marburg-Biedenkopf. Rund 2200 Mitarbeitende
sorgen hier täglich für Sicherheit.
Große Einsatzlagen forderten die Behörde
Dennoch standen insbesondere Gießen und die dortigen Großlagen immer wieder im
bundesweiten Fokus. Bereits zu Beginn von Krückemeiers Amtszeit war die Polizei
mit den Folgen der gewalttätigen Auseinandersetzungen rund um das
Eritrea-Festival im Juli 2023 konfrontiert. Die Ereignisse stellten die Behörde
vor erhebliche Herausforderungen und führten zu umfangreichen Ermittlungen.
Eine weitere außergewöhnliche Herausforderung stellte das letzte
Novemberwochenende 2025 dar. Anlässlich der Gründung der AfD-Jugendorganisation
in Gießen kündigten zahlreiche Organisationen und Verbände ihren Protest an.
Rund 25.000 Menschen beteiligten sich an den Gegendemonstrationen. Die Polizei
bereitete sich über Wochen auf die Großlage vor und bewältigte sie mit
Unterstützung zahlreicher Kräfte aus anderen Bundesländern und der
Bundespolizei. Es war einer der größten Polizeieinsätze der jüngeren
Vergangenheit in Deutschland.
Hinzu kamen zahlreiche weitere Versammlungs- und Einsatzlagen, die durch
internationale Konflikte, politische Polarisierung und eine veränderte
Sicherheitslage geprägt waren. Auch die Fußball-Europameisterschaft 2024, der
Hessentag 2025 sowie zahlreiche weitere Großveranstaltungen und Versammlungen
forderten die Einsatzkräfte erheblich.
Dabei darf der Blick auf die öffentlichkeitswirksamen Einsatzlagen in Gießen
nicht den Blick auf die tägliche Arbeit in der gesamten Fläche verstellen. Die
Polizei Mittelhessen ist jeden Tag in den 88 Kommunen für die Menschen da - in
den Städten ebenso wie in den Gemeinden und im ländlichen Raum.
Prävention als Teil des Sicherheitsverständnisses
Neben der Bewältigung der Einsatzlagen setzte Krückemeier einen Schwerpunkt auf
Prävention. Ziel ist es, Gefahren möglichst früh zu erkennen, öffentliche Räume
sicher zu gestalten und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken.
Ein Beispiel ist die von Staatsminister Poseck eingeführte Innenstadtoffensive
Hessen, an der bspw. Gießen und Wetzlar seit 2024 beteiligt sind. Mit
verstärkter Präsenz, Kontrollen und weiteren Maßnahmen soll Kriminalität bereits
im Vorfeld verhindert werden. In diesem Zusammenhang wirkte der scheidende
Präsident auch auf die Einrichtung einer Waffenverbotszone in Gießen hin.
Prävention bedeutet für Krückemeier dabei aber mehr als Kontrollen und
polizeiliche Maßnahmen. Auch die Zusammenarbeit mit Kommunen, Schulen,
Universitäten und Hochschulen, Institutionen und gesellschaftlichen Partnern
sowie die Stärkung des Dialogs mit den Menschen gehören zu seinem Verständnis
moderner Polizeiarbeit.
Demokratiearbeit ist Präventionsarbeit
Besondere inhaltliche Schwerpunkte seiner Amtszeit waren daher ein zeitgemäßes
Führungsverständnis sowie die Demokratiearbeit innerhalb und außerhalb der
Polizei.
Mit dem Pilotprojekt "Demokratiepaten - Polizeischutz für die Demokratie",
historisch-politischer Bildungsarbeit, Zeitzeugengesprächen und Kooperationen
mit wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Partnern wurden hierfür wichtige
Impulse gesetzt. So wurde bspw. in 2025 die "Allianz für Demokratie" mit der
Arbeitsstelle Holocaust-Literatur an der Justus-Liebig-Universität gegründet.
Gemeinsam werden regelmäßig Fahrten zu Gedenkstätten in die Vernichtungslager in
Auschwitz und das ehemalige Ghetto in Lodz durchgeführt. Mitarbeitende der
Polizei treffen dabei auf Lehramtsstudierende, was eine gemeinsame
Horizonterweiterung und zwischenmenschliche Begegnungen ermöglicht.
Eng damit verbunden war für Krückemeier die Frage nach demokratischer Führung.
"Führung bedeutet nicht allein Kontrolle und Entscheidung, sondern vor allem
Vertrauen. Es ist von entscheidender Bedeutung, unterschiedliche Perspektiven
zuzulassen und Mitarbeitende zur Übernahme von Verantwortung zu bestärken",
führt der Polizeipräsident aus. Unter seiner Leitung einer landesweiten
Arbeitsgruppe zum Thema Führung in der hessischen Polizei entstand daher die
"Toolbox Führung". Dieses bewusst hochwertig gestaltete Karteikartensystem wurde
allen Führungskräften der hessischen Polizei als praktisches Nachschlagewerk zur
Verfügung gestellt. Die Toolbox bündelt verschiedene Führungsgrundsätze und
Reflexionsfragen und gibt Führungskräften insbesondere in herausfordernden
Momenten alltagsnahe Hilfestellungen an die Hand.
Innerhalb des Polizeipräsidiums Mittelhessen ging er mit gutem Beispiel voran
und etablierte verschiedene interne Gesprächsformate, um als Behördenleitung mit
allen Mitarbeitenden auf Augenhöhe offene und konstruktive Gespräche zu führen,
was innerhalb einer hierarchisch organisierten Behörde in der Vergangenheit
nicht immer die Regel war.
Das bundesweite Symposium "Starke Demokratie. Starke Führung", das 2025 auf
Krückemeiers Initiative hin bundesweit erstmalig und zudem in Mittelhessen
stattfand, griff diesen Gedanken auf und verband die Frage guter Führung
ausdrücklich mit der Frage nach einer wehrhaften und demokratisch gefestigten
Polizei.
Bürgernähe als persönliches Anliegen
Hinter all diesen Themen stand für Krückemeier ein persönliches Anliegen: die
Verbindung zwischen Bürgerinnen und Bürgern und ihrer Polizei zu stärken.
Übergang in der Behördenleitung
Mit dem Wechsel von Torsten Krückemeier wird das Polizeipräsidium Mittelhessen
zunächst von Polizeivizepräsident Dr. Hanno Frielinghaus geführt. Frielinghaus
ist seit dem 06. Oktober 2025 Vizepräsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen
und kennt die Behörde und ihre Herausforderungen aus seiner bisherigen
Tätigkeit. Eine Entscheidung über die dauerhafte Nachfolge steht derzeit noch
aus.
Krückemeier zu seiner Amtszeit in Mittelhessen: "Die letzten knapp vier Jahre
habe ich in Mittelhessen wundervolle Begegnungen erleben dürfen. Die
Unterstützung welche die Polizei gerade auch in herausfordernden Zeiten erlebt
hat, hat mir gezeigt, dass die Bevölkerung ihrer Polizei vertraut. Dies wurde
mir in zahlreichen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern wiederkehrend
bestätigt. Vor dem Hintergrund der persönlichen Gespräche mit meinen Kolleginnen
und Kollegen sowie den Erfahrungen im täglichen Dienst bin ich überzeugt, dass
die Polizei in Mittelhessen die Herausforderungen der Zukunft bewältigen wird
und Mittelhessen weiterhin eine sichere Region sein wird. Die Zusammenarbeit
zwischen den Kommunen und der Polizei ist vorbildlich. Dies zeigt sich
insbesondere anhand der im Hessenvergleich hohen Anzahl an KOMPASS-Kommunen. Ich
verlasse Mittelhessen mit einem lachenden und weinenden Auge. Denn ich werde
Sie, die Bürgerinnen und Bürger, sowie die wundervollen Kolleginnen und Kollegen
vermissen. Gleichfalls freue ich mich auf die neue Herausforderung in
Offenbach."
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