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Hannover (ots) - Der 130. Deutsche Ärztetag hat heute in Hannover eine
konsequent wissenschaftsbasierte Weiterentwicklung der Suchtmedizin und
Suchtpolitik in Deutschland gefordert. Die Abgeordneten des Ärztetages sprachen
sich für mehr Prävention, eine nachhaltige Stärkung der Suchthilfe und
suchtmedizinischer Kompetenzen sowie den Abbau von Stigmatisierung gegenüber
Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen aus.
"Wenn wir heute über Suchtmittelkonsum und Abhängigkeitserkrankungen
diskutieren, sprechen wir nicht über ein Randphänomen, sondern über ein Thema
von großer Relevanz - für unsere ärztliche Tätigkeit ebenso wie für unsere
Gesellschaft", sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt in seiner
Einführung in das Thema. Grundlage der Diskussion bildeten Vorträge des
Bundesdrogenbeauftragten Prof. Dr. Hendrik Streeck, Dr. Katharina Schoett,
Ärztliche Direktorin der Klinik für Suchtmedizin am Ökumenischen Hainich
Klinikum Mühlhausen, sowie Prof. Dr. Norbert Scherbaum, Vorsitzender des
Vorstands der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.
Der Ärztetag kritisierte insbesondere, dass wirksame verhältnispräventive
Maßnahmen bei legalen Suchtmitteln wie Alkohol sowie Tabak- und Nikotinprodukten
in Deutschland weiterhin nicht konsequent umgesetzt werden und die Politik
hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Notwendig seien umfassende Maßnahmen zur
Stärkung der Nikotinkontrolle. Dazu zählten unter anderem ein vollständiges
Werbeverbot, deutliche Steuererhöhungen, die Einführung neutraler Verpackungen
sowie ein Verbot von Aromastoffen in E-Zigaretten. Auch der Verkauf über
Automaten und im Online-Handel solle untersagt werden. Notwendig sei es darüber
hinaus, das "begleitete Trinken", also den Alkoholkonsum von Jugendlichen
zwischen 14 und 16 Jahren, abzuschaffen und das Mindestalter für Kauf und Konsum
von Alkohol auf 18 Jahre zu erhöhen.
Die Ärzteschaft kritisierte die vielerorts unzureichend finanzierten und
schlecht mit der medizinischen Versorgung verzahnten Strukturen der Suchthilfe.
Besonders problematisch sei auch die weiterhin bestehende Stigmatisierung von
Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen. Schuldzuweisungen und gesellschaftliche
Ausgrenzung führten häufig dazu, dass Betroffene notwendige Hilfe zu spät oder
gar nicht in Anspruch nähmen.
Handlungsbedarf sieht der Ärztetag auch beim Umgang mit Medizinal-Cannabis. So
begrüßte er zwar die im Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des
Medizinal-Cannabisgesetzes vorgesehenen Maßnahmen zur Stärkung der
Patientensicherheit. Allerdings reichten die vorgesehenen Regelungen nicht aus,
um den besonderen Risiken von Medizinal-Cannabis im Therapieverlauf gerecht zu
werden. Notwendig sei im Rahmen der Behandlung mit Cannabisblüten zu
medizinischen Zwecken unter anderem ein persönlicher Patienten-Arzt-Kontakt
mindestens einmal pro Quartal.
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