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Berlin (ots) - Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) ist strikt
gegen die Wiedereinführung apothekenbezogener Ausschreibungen für Zytostatika.
"Wer bei der Versorgung schwerkranker Menschen allein auf den niedrigsten Preis
setzt, spielt mit der Versorgungssicherheit", erklärt Dr. Kai Joachimsen,
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V.
(BPI). "Zytostatika sind keine Ware von der Stange. Sie werden für einzelne
Patientinnen und Patienten unter strengen Qualitätsanforderungen hergestellt und
müssen verlässlich, zeitnah und in abgestimmten Strukturen bei den behandelnden
Praxen ankommen. Ausschreibungen passen nicht zu dieser hochsensiblen
Versorgung."
Ausschreibungen auf Apothekenebene betreffen dabei nicht nur die herstellenden
Apotheken. Sie greifen tief in die vorgelagerte industrielle Lieferkette ein.
Hersteller der eingesetzten Arzneimittel geraten unter zusätzlichen Preis- und
Konditionendruck, während zugleich Anforderungen an Produktion,
Sicherheitsbestände, Qualitätssicherung und kurzfristige Lieferfähigkeit
unverändert hoch bleiben. "Wer Versorgungssicherheit will, muss die gesamte
Lieferkette stabil halten - von der Arzneimittelproduktion über die Logistik bis
zur patientenindividuellen Zubereitung in der Apotheke", betont Dr. Joachimsen.
"Preisdruck und exklusive Vertragsstrukturen schaffen keine zusätzlichen
Produktionskapazitäten und keine Reserven für den Krisenfall."
Der BPI fordert deshalb, das seit 2017 aufgrund von Versorgungsproblemen
beschlossene Verbot apothekenbezogener Ausschreibungen für Zytostatika
uneingeschränkt beizubehalten: "Die Politik darf nicht denselben Fehler zweimal
machen! Deutschland braucht in der Onkologie keine neuen Ausschreibungszwänge,
sondern robuste, dezentrale und leistungsfähige Versorgungsstrukturen. Die
Versorgung von Krebspatientinnen und Krebspatienten muss Vorrang vor
kurzfristigen Einsparzielen haben."
Die insbesondere von der FinanzKommission Gesundheit vorgeschlagene Rückkehr zu
Ausschreibungen birgt selbst nach deren Einschätzung das Risiko einer
Konzentration auf wenige große Apotheken und kann bewährte
Kooperationsbeziehungen zwischen Arztpraxen und Apotheken beenden. Für die
pharmazeutische Industrie bedeutet dies zugleich eine stärkere Abhängigkeit von
einzelnen Abnehmern, abrupte Mengenverschiebungen nach Zuschlagsentscheidungen
und erschwerte Planbarkeit für Produktion, Lagerhaltung und Lieferverträge.
Versorgungssicherheit braucht dagegen mehrere leistungsfähige Marktteilnehmer
und redundante Lieferwege.
"Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschlechtern, werden
Investitionen in Produktionskapazitäten, Lieferfähigkeit und Portfoliobreite
erschwert. Das kann gerade bei älteren, aber unverzichtbaren onkologischen
Arzneimitteln die Versorgung schwächen", so Dr. Joachimsen weiter. Der BPI warnt
seit langem davor, dass einseitiger Preisdruck die Versorgungssicherheit und den
Produktionsstandort gefährden kann.
Statt parallele Preisinstrumente und neue Exklusivverträge zu schaffen, müssen
die bestehenden Verfahren zur Preisbildung verlässlich und versorgungsorientiert
weiterentwickelt werden. Bereits heute treten zum 1. Oktober 2026 neue Preise im
Rahmen der Hilfstaxe in Kraft; nach Angaben des Deutschen Apothekerverbands
werden damit Herstellerrabatte an die Krankenkassen weitergegeben und erhebliche
Einsparungen erzielt.
Pressekontakt:
Hermann Hofmann, Tel. 0176 127909-36, mailto:presse@bpi.de
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OTS: BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie
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