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Berlin (ots) - In der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS - 6) wurden
erstmals Längsschnittanalysen vorgenommen. Dazu wurden Studienteilnehmende aus
der 5. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) von 2014 erneut untersucht, um
die Entwicklung der Mundgesundheit der Bevölkerung nachzuvollziehen und
erstmalig detaillierte Einblicke in individuelle Krankheitsverläufe zu erhalten.
Die Ergebnisse stellten das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), die
Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
(KZBV) heute vor.
Die konsequent präventionsorientierte Ausrichtung in der Zahnmedizin führt dazu,
dass nur sehr wenige Zähne neu von Karies betroffen sind: Bei zum Zeitpunkt der
DMS V kariesfreien Kindern, also die heute 20-Jährigen, erkrankte innerhalb des
Untersuchungszeitraums im Schnitt maximal ein Zahn an Karies. Dieses erfreuliche
Ergebnis zeigt, dass diese Altersgruppe bereits vollständig vom
zahnmedizinischen Präventionsangebot profitiert. Bei den heute jüngeren
Erwachsenen (35- bis 44-Jährige) zeigt sich erstmals der volle Effekt der
präventionsorientierten Versorgung seit den 1990er-Jahren.
Auch Zahnverlust ist heute deutlich seltener als früher: In allen Altersgruppen
behält ein großer Teil der Menschen über viele Jahre alle eigenen Zähne; auch
dies unterstreicht die nachhaltige Wirkung von präventiven Maßnahmen.
Die Parodontitis verläuft als chronische Erkrankung in der Regel langsam und
Zahnverluste haben sich in der gesamten Bevölkerung stark reduziert.
Gleichzeitig belegen die Daten, dass die entscheidende Krankheitsdynamik bereits
im mittleren Erwachsenenalter stattfindet. Zu diesem Zeitpunkt kippen viele
Verläufe in schwere Formen. Im höheren Alter resultiert daraus das Risiko für
Zahnverluste. Betroffene Seniorinnen und Senioren können jedoch durch
regelmäßige Zahnarztbesuche parodontal gut behandelt werden und somit lange von
ihren eigenen Zähnen profitieren. Frühe Diagnostik und rechtzeitige
therapeutische Maßnahmen sind daher grundsätzlich wichtig, um parodontale
Verschlechterungen möglichst zu verhindern.
Am Beispiel der Diabetes belegt die DMS - 6 auch den engen Zusammenhang zwischen
Mund- und Allgemeingesundheit. Denn Diabetikerinnen und Diabetiker weisen
oftmals eine schlechtere Mundgesundheit auf als Menschen ohne Diabetes: Sie
haben häufiger eine schwere Parodontitis, mehr Wurzelkaries und im Durchschnitt
doppelt so viele fehlende Zähne. Eine frühzeitig behandelte Parodontitis kann
beispielsweise zu einer besseren Diabeteseinstellung beitragen, womit hohe
Folgekosten für das Gesundheitssystem vermieden werden können.
Prof. Dr. A. Rainer Jordan, Wissenschaftlicher Direktor des IDZ: "Die
9-Jahres-Ergebnisse der DMS - 6 zeigen eine überwiegend langsame Progression
zahnmedizinischer Erkrankungen, denn vielfach bleibt ein gut eingestellter
Mundgesundheitszustand über Jahre stabil. Die DMS - 6 unterstützt die bekannte
These, dass die chronischen zahnmedizinischen Erkrankungen Karies und
Parodontitis nicht linear verlaufen, sondern in Phasen (kurzer)
Progressionsschübe und (langen) Stagnationsphasen. Diese Erkenntnis hat
Auswirkungen auf strategische Überlegungen einer lebenslangen Prävention, die
künftig nicht standardisiert, sondern risikoadaptiert und personalisiert
erfolgen sollte. Unsere Studie hat die wichtigsten Risikofaktoren für Zahn- und
Munderkrankungen identifiziert, um diese personalisierten Präventionsprogramme
zu entwickeln."
Dr. Romy Ermler, Präsidentin der BZÄK: "Die Längsschnittergebnisse der DMS - 6
belegen eindeutig, wie wirkungsvoll die langjährige, strukturierte
Präventionsorientierung der Zahnmedizin ist. Patientinnen und Patienten sollten
die vielfältigen Präventionsangebote von Anfang an und über den gesamten
Lebensbogen in Anspruch nehmen. Im internationalen Kariesvergleich ist
Deutschland Weltklasse. Wer als Kind gesunde Zähne hat, wird mit hoher
Wahrscheinlichkeit auch als Senior oder Seniorin noch viele gesunde, eigene
Zähne haben - bei den heute 73- bis 82-Jährigen haben in den vergangenen knapp
zehn Jahren 40 Prozent keinen Zahn verloren. Prävention in jungen Jahren spart
also auch Geld im Alter. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben allerdings einen überdurchschnittlichen
Zahnverlust. Hier bedarf es einer intensivierten Zusammenarbeit der
Zahnärzteschaft mit den Allgemeinärztinnen und -ärzten sowie weiteren
Fachgruppen, um diese Menschen noch besser interprofessionell zu betreuen."
Martin Hendges, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV: "Mit den heute
vorgestellten Ergebnissen der DMS - 6 beweist die Zahnärzteschaft erneut, dass
Prävention der Schlüssel zum Erfolg bei der Mundgesundheit ist. Die völlige
Kariesfreiheit bei einem Großteil der Kinder ist ein sensationelles Ergebnis und
Beleg dafür, dass unser zielgruppengerechtes und präventionsorientiertes
zahnmedizinisches Angebot umfangreich genutzt wird. Die Daten im Bereich
Parodontitis zeigen jedoch, dass hier noch dringender Handlungsbedarf besteht.
Um dieser Volkskrankheit mit schweren Folgen für die Allgemeingesundheit endlich
Herr zu werden, muss sie möglichst früh behandelt werden. Denn die entscheidende
Krankheitsdynamik der Parodontitis findet bereits im mittleren Erwachsenenalter
statt. Mit unserer präventionsorientierten Parodontitisbehandlungsstrecke haben
wir eine wirksame und auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende
Therapie in der Versorgung, die aber durch das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz
mit seiner strikten Budgetierung ausgebremst wurde. Daher ist es höchste Zeit,
dass die Politik Prävention zum Leitbild gesundheitspolitischen Handelns macht.
Jegliche Sparmaßnahmen hingegen schränken die Präventionsfähigkeit massiv ein
und haben fatale Folgen - sowohl für die Gesundheit unserer Patientinnen und
Patienten als auch für die GKV-Finanzen durch hohe Folgekosten."
Hintergrund zur DMS - 6
Methodisch anspruchsvoll untersucht die DMS - 6 die Mundgesundheit der gesamten
Bevölkerung in Deutschland. Dazu wurden von 2021 bis 2023 an 90
Untersuchungszentren in Deutschland rund 3.400 Menschen aus diversen
Altersgruppen und sozialen Gruppen in einer repräsentativen Erhebung befragt und
zahnmedizinisch-klinisch untersucht.
Für die erstmals erhobenen Längsschnittergebnisse wurden Studienteilnehmende aus
der DMS V von 2014 erneut untersucht.
Folgende Altersgruppen nahmen an der Studie teil:
- Ältere Kinder (12-Jährige) DMS V -> Junge Volljährige (20-Jährige) DMS - 6
- Jüngere Erwachsene (35- bis 44-Jährige) DMS V -> Ältere Erwachsene (43- bis
52-Jährige) DMS - 6
- Jüngere Seniorinnen und Senioren (65- bis 74-Jährige) DMS V -> Ältere
Seniorinnen und Senioren (73- bis 82-Jährige) DMS - 6
Weiteres Informationsmaterial kann auf der Website zur DMS - 6 abgerufen werden
unter: http://www.deutsche-mundgesundheitsstudie.de
Fotos von der Pressekonferenz finden Sie zeitnah unter:
https://axentis.de/fotos/PfjSvdkVm7
Pressekontakt:
BZÄK: Dipl.-Des. Jette Krämer-Götte
Telefon: 030 40005-150, E-Mail: mailto:presse@bzaek.de
KZBV: Vanessa Hönighaus
Telefon: 030 280 179-27, E-Mail: mailto:presse@kzbv.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30852/6254878
OTS: Bundeszahnärztekammer
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