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Berlin (ots) - Vielsagende Blicke, spöttische Bemerkungen von meist männlichen
Kommunalpolitikern: All das sind Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte seit
Jahrzehnten gewohnt. Doch die Angriffe auf ihre Arbeit nehmen zu und werden vor
allem gezielter, wie eine aktuelle Befragung ergab. Antifeministen haben
offenkundig wieder mehr gesellschaftlichen Rückhalt. Das zeigt sich in der
Streichung von Geldern für Gleichstellungsprojekte, in Stellenkürzungen für
Büros und im Aufbürden zusätzlicher Aufgaben.
Was besonders alarmierend ist: Auch Gleichstellungsbeauftragte sind vermehrt
verbaler Gewalt und Drohungen ausgesetzt, vielfach agieren die Täter anonym im
digitalen Raum. Sie werden also gezielt eingeschüchtert. Dabei setzen sie ein
Verfassungsgebot um: Sie senken Hürden beim Zugang zu Jobs in öffentlichen
Einrichtungen, zu Schutz vor Gewalt und zu politischer wie gesellschaftlicher
Teilhabe von Frauen und queeren Personen.
Ein nicht unerheblicher Teil der Attacken ist dabei Teil von Kampagnen
antifeministischer Netzwerke. Die werden mehrheitlich von Männern getragen, die
den Feminismus für die Ursache all ihrer Probleme halten und dafür sorgen
wollen, dass Frauen wieder ihren "natürlichen" Platz im Heim und am Herd
einnehmen und sich um den Fortbestand der Familie kümmern. Feministischer
Widerstand gegen Misogynie darf deshalb nicht nur dann auf die Straße getragen
werden, wenn Prominente von Hass betroffen sind. Protest muss sich eben auch
gegen alltägliche Attacken auf Gleichstellungsstrukturen richten. Denn deren
Abbau hat konkrete Folgen für die Nachbarin, die ihrem prügelnden Ehemann
entkommen will.
Und natürlich müsste eine feministische Bewegung auch ökonomische
Rahmenbedingungen in den Blick nehmen: Die Priorisierung der Aufrüstung
verschärft gerade konkret die ohnehin desolate Finanzlage der Kommunen. In
dieser Situation bauen Verwaltungen nämlich nicht aus Frauenhass, sondern aus
dem Zwang zu Ausgabenkürzungen heraus Stellen ab.
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