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Bayreuth (ots) - Verletzungen gehören im Spitzensport dazu. Doch neben der
körperlichen Rehabilitation spielt auch der mentale Prozess eine entscheidende
Rolle auf dem Weg zurück in den Trainings- und Wettbewerbsalltag. Dr. Tom Kossak
arbeitet eng mit dem Olympiastützpunkt Bayern zusammen und betreut unter anderem
den Deutschen Eishockey-Bund, Snowboard Germany sowie die Ski Alpin
Nationalmannschaft des Deutschen Skiverbandes als leitender Sportpsychologe. Im
Interview mit dem Medizinprodukte-Hersteller medi spricht er darüber, warum
Vertrauen nach einer Verletzung so wichtig ist - und wie Orthesen dabei
unterstützen können.
Herr Kossak, viele Leistungssportler:innen erleben im Laufe ihrer Karriere
schwere Verletzungen. Was ist aus psychologischer Sicht die größte Hürde auf dem
Weg zurück in den Sport?
"Die größte Herausforderung ist, wieder Vertrauen in den eigenen Körper,
insbesondere in die verletzte Struktur, aufzubauen - und dann in die Belastung
zu gehen. Nach einer schweren Verletzung, etwa einem Kreuzbandriss, wissen
Sportler:innen zwar rational, dass das Knie operiert und rehabilitiert wurde.
Emotional ist dieses Vertrauen aber oft noch nicht wieder da. Beim ersten
Kreuzbandriss sind viele noch hoch motiviert. Beim zweiten oder dritten wird es
psychisch richtig anspruchsvoll: Dann stellen sich Fragen nach Motivation oder
Sinn gepaart mit Zweifeln: ,Lohnt sich die Anstrengung überhaupt noch?', ,Werde
ich es je wieder an die Spitze schaffen?', ,Zu welchen Kosten?' Dazu kommt, dass
eine Rehabilitation nie linear verläuft, sondern immer wellenförmig - mit
Rückschritten, die auch erst einmal verarbeitet werden müssen. Diese mentale
Arbeit ist aber entscheidend, damit Sportler:innen wieder mutig und frei in die
Bewegung gehen können."
Können Orthesen diesen mentalen Prozess unterstützen?
"Ja, durchaus. Eine Orthese kann zusätzlich zur körperlichen Funktion gerade in
der frühen Phase der Rehabilitation eine psychologische Brücke einnehmen. Für
viele Athlet:innen wirkt sie wie ein äußeres Sicherheitsnetz - fast wie ein
Exoskelett. Sie vermittelt Stabilität und gibt das Gefühl, dass die Struktur
geschützt ist. Das kann helfen, sich wieder stärker auf Bewegung und Training zu
konzentrieren, anstatt ständig Angst vor einer Fehlbelastung zu haben. Kurz:
Stabilität am Gelenk schafft Vertrauen im Kopf!"
Spiegelt sich dieses Sicherheitsgefühl auch im Feedback der Athlet:innen wider,
die Sie betreuen?
"Ja, das höre ich immer wieder. Besonders beim Wiedereinstieg ins Training
berichten Sportler:innen, dass ihnen die Orthese ein gutes Gefühl vermittelt.
Sie wissen: Da ist noch eine zusätzliche Stabilität vorhanden - das hilft, die
Aufmerksamkeit weg von der Angst hin zur sauberen Ausführung des Sports zu
lenken. Ich versuche darüber hinaus, mit den Sportler:innen daran zu arbeiten,
dass sie ein inneres Bild von ihrer körperlichen Gesundheit haben - und arbeite
viel mit Metaphern und Hypnose. Das gerissene Kreuzband können sie sich
beispielsweise wie ein Stahlseil vorstellen, das stark, aber dennoch elastisch
ist. Und sich dieses Bild immer wieder mental vor Augen führen - bis das
Vertrauen und die körperliche Lockerheit sowie Entspanntheit wieder komplett da
sind."
Gibt es Unterschiede zwischen den Sportarten?
"Ja, teilweise schon. In Sportarten wie Ski alpin sind Knieverletzungen relativ
häufig, deshalb spielt dort das Thema Stabilität eine größere Rolle. In anderen
Sportarten wiederum sind andere Körperregionen stärker betroffen. Aber
unabhängig von der Sportart bleibt der psychologische Mechanismus ähnlich:
Vertrauen ist der Schlüssel."
Wie schaffen es Spitzensportler:innen generell, nach Rückschlägen mental stark
zu bleiben?
"Verlieren und Rückschläge gehören zum Leistungssport dazu - auch Verletzungen.
Wichtig ist, zunächst die Emotionen und auch den Frust zuzulassen, nichts zu
beschönigen und nicht sofort zu versuchen, alles positiv zu überdecken. Große
Wettkämpfe wie die Olympischen oder Paralympischen Winterspiele sind
Lebensträume; nach einem Aus braucht der Kopf Tage oder sogar Wochen Zeit. Ein
Satz von Bastian Schweinsteiger, der das gut trifft: ,Bevor man zu einem großen
Champion wird, muss man erst einmal lernen, zu verlieren und die richtigen
Schlüsse daraus ziehen.' Danach geht es daran, zu analysieren und den Sinn
beziehungsweise die Motivation neu zu klären - und schließlich einen klaren Plan
für die Rehabilitation zu entwickeln. Struktur und Zwischenziele helfen dabei
enorm."
Was können Mediziner:innen, Trainer:innen oder Therapeut:innen mitnehmen?
"Rehabilitation hat immer zwei Ebenen: eine körperliche und eine mentale.
Physiotherapie, Training und medizinische Versorgung sind essenziell.
Gleichzeitig sollte man den psychologischen Prozess nicht unterschätzen. Wenn
Athlet:innen Vertrauen zurückgewinnen, fällt ihnen der Weg zurück zur Leistung
deutlich leichter."
Herr Dr. Kossak, vielen Dank für das Gespräch.
Surftipps:
http://www.medi.de/fachhandel/
https://www.medi.de/unternehmen/kooperationen/
http://www.medi.biz/rehab-one
http://ots.de/y5uJRp
http://www.medi.de/produkte/orthesen/sprunggelenkorthesen
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http://tom-kossak.de/
Zweckbestimmungen:
M.4®s PCL dynamic & M.4s® comfort: Rahmenorthese zur Führung und Stabilisierung
des Kniegelenks mit Extensions- / Flexionsbegrenzung
medi Rehab® one: Rundgestrickter medizinischer Kompressionsstrumpf zur
kompressiven Versorgung der unteren Extremitäten, hauptsächlich zur Vorbeugung
und Behandlung von postoperativen und posttraumatischen Ödemen und allgemeinen
Schwellungszuständen.
Pressekontakt:
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Medicusstraße 1
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